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»Ich soll mich vermarkten, nicht vermehren«

Safi, Fiona Lehmann und Uschi Brüning, im Generationengespräch über Musik, Geld und Feminismus

  »Ich soll mich vermarkten, nicht vermehren« | Safi, Fiona Lehmann und Uschi Brüning, im Generationengespräch über Musik, Geld und Feminismus  Foto: Safi, Fiona Lehmann, Uschi Brüning, Katja Röckel aka Mrs. Pepstein/Erik Tenzler

Um einen wesentlichen Punkt aus diesem Gespräch schon mal vorwegzunehmen: Leipzig hat neben den bekannten musikmachenden Männern (Bach, Wagner, Die Prinzen) auch ziemlich viele tolle Musikerinnen hervorgebracht. Warum die nie so bekannt geworden sind wie ihre männlichen Pendants, welche Vorbilder sie geprägt haben und was sich für Frauen in der Musikindustrie in den letzten Jahrzehnten geändert hat (oder auch nicht), bespricht Katja Röckel aka Mrs. Pepstein mit drei von ihnen: der Leipziger Jazz-Legende Uschi Brüning (UB), Noise-Rockerin Safi (S) – beide sind in den Büchern porträtiert – und Fiona Lehmann (FL), Sängerin der Indie-Band Frau Lehmann.

Wie sind Sie zum Musikmachen gekommen?

UB: Wie ein kleines Kind. Ich habe Musik gehört, Radio gehört und mir hat dieses und jenes gefallen. Ich bin da so hineingewachsen mit meinen Ohren. Ich hatte keine feste Vorstellung, aber große Lust zuzuhören. Ich habe dann im Amateurbereich gewirkt und habe daneben auch noch einen Beruf erlernt. Den musste ich aber zugunsten meiner Sängerlaufbahn an den Nagel hängen.

S: Ich habe als Kind viel gezeichnet und nebenbei immer Märchenschallplatten gehört, wie der »Der Traumzauberbaum« und andere Musikmärchen. Das hat mich schon immer begleitet und dazu gebracht, etwas mit der Stimme zu machen. Später fing ich neben dem Kunststudium dann mit den ersten Bands an.

FL: Ich bin in einem sehr medienregulierten Waldorfhaushalt aufgewachsen, deshalb gab es bei uns gar nicht so viele Möglichkeiten. Wir hatten kein Radio. Was es aber gab, waren sehr viele DDR-Kinderlieder-Schallplatten, Stichwort: »Traumzauberbaum«, aber auch viel Gerhard Schöne. So mit elf oder zwölf habe ich dann Punk­musik für mich entdeckt. Ich habe viel Chefdenker gehört und dachte mir dann: Das kann ich auch. Vorher hatte ich Geige gespielt, das war eher frustrierend. Aber E-Gitarre, Singen und Liederschreiben waren cool.


Wo sehen Sie sich selbst gerade als Musikerin? Also, wenn Sie Leuten erzählen, dass Sie Musik machen, was erzählen Sie dann?

FL: Eigentlich sage ich nur: »Ich mache Musik.« Ansonsten haben wir bisher unser Debütalbum rausgebracht und touren dieses Jahr ganz viel, davon erzähle ich auch manchmal.

S: Wenn mich jemand fragt, welche Musik ich mache, sage ich meistens: »Ich mache Krach.«


Frau Brüning, wo stehen Sie heute als Musikerin?

UB: Ziemlich am Ende meiner Laufbahn. Ich mache noch, solange ich kann. Ich trete
regelmäßig auf. Ich habe verschiedene Projekte und wenn der Kalender frei ist, wird der zugeschmiert mit den Angeboten, die kommen.


Welche Rolle spielt Leipzig in Ihrem Leben?

UB: Abgesehen von heute spielt Leipzig für mich kaum noch eine Rolle. Meine Verwandten sind tot, das Grab ist abgelaufen und ich bin nicht mehr gebunden an die Stadt. Mein Lebensmittelpunkt ist Berlin.

S: Mein Lebensmittelpunkt ist auch in Berlin. Meine Band wohnt aber in Leipzig beziehungsweise pendelt zwischen Berlin und Leipzig. Und ich pendle dann auch. Meine Eltern wohnen in Markkleeberg, ich habe also schon noch eine große Bindung nach Leipzig.

FL: Ich bin erst 2018 hierhergezogen, habe inzwischen aber ganz feste Wurzeln hier geschlagen, die sich weiter verfestigen. Wir sind als Band auf jeden Fall fest verankert.


Frau Brüning, Sie haben mit vielen Musikern zusammengearbeitet: Manfred Krug,
Günther Fischer, natürlich Ihr Mann Ernst Ludwig Petrowsky. Wer prägte Sie im Laufe der Karriere besonders?

UB: Meistens die Musiker, die mich umgeben haben, die jazzorientiert waren. Durch die Auswahl des Repertoires wurde das, was ich gesungen habe, immer jazziger. Es waren eigentlich die Musiker, die mich angeregt haben, das zu machen, und natürlich mein eigenes Interesse.


Wie ist das dann konkret?

UB: Ich habe einfach gesungen, wenn ich sollte und durfte und habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich habe aber gut zugehört, wenn die Musiker selbst musizierten oder von dem, was sie gehört haben, erzählten. Mein Interesse ist immer mehr gewachsen. Und ich habe gemerkt, dass man mit dem Jazz auch alt werden kann.


Safi, wer hat Sie geprägt?

S: Aufgewachsen bin ich ja mit diesen Geschichten, Liedern und Hörspielen, deswegen bin ich eher über die Stimme geprägt. Mich interessieren Leute, die was ganz Besonderes in der Stimme haben. Das geht quer durch alle Genres. Von Metal bis Jazz höre ich sehr gern Sachen, die irgendwie extrem sind, die an die Grenzen gehen.


Frau Lehmann?

FL: In meiner Adoleszenz hatte ich allem gegenüber, was nicht Punk war, eine ziemlich arrogante Ablehnungshaltung. In den letzten Jahren und vor allem durch meinen Partner Philipp (Orlowski, Anm. d. Red.), der auch der Bassist meiner Band ist, habe ich gemerkt, dass Jazz total faszinierend ist. Vor allem die experimentellen Sachen, Sun Ra und so was. Nina Simone mag ich auch sehr.


Wissen Sie von Musikerinnen und Musikern, die Sie geprägt haben? Also hat mal jemand gesagt: »Wie du Musik machst, das inspiriert mich.«

UB: Das ist schon vorgekommen und das freut mich auch sehr. Dann hat das Tun einen Sinn. Man will ja jemandem gefallen und wenn einem das auch noch gesagt wird, dann ist das eine gute Belohnung für die weitere Empfangnahme neuer Musik.


Das macht dann mehr als ein Publikum, das applaudiert?

UB: Das kann man so nicht sagen. Wenn das Publikum nicht applaudieren würde, wäre es mir auch nicht recht.


Wie sieht Ihr Musikalltag aus? Frau Brüning, üben Sie jeden Tag? Im Musikraum oder zu Hause?

UB: Ich mache das in der Küche, in der Stube oder wo ich gerade bin. Ich brauche da keinen Extraraum. Das kommt alles spontan über mich. Dann lasse ich es raus und sortiere, was bleibt und was wegkann.


Sie singen beim Abwaschen?

UB: Beim Bettenmachen.

S: Müssen Sie das dann aufnehmen oder schreiben Sie es einfach auf?

UB: Nein, ich lasse es einfach kommen. Wenn es wiederkommt, dann ist es gut. Und wenn es nicht wiederkommt, dann war es vielleicht nicht so gut.


Wie sieht Ihr Musikalltag aus, Frau Lehmann?

FL: Ich habe das Privileg, einen Proberaum zu haben, beziehungsweise richten wir den gerade ein. Ansonsten sitze ich zu Hause auf dem Bett oder auf der Couch und spiele da Gitarre und probiere Textfetzen aus. Tatsächlich ist meine Lohnarbeit geistig nicht so anstrengend. Da kann ich mich im Kopf währenddessen um Textzeilen kümmern.


Im Stück »Deutschlandfunk Kultur will,
dass wir brennen« thematisieren Sie prekäres Künstlerinnenleben. Für die Miete machen Sie einen Brotjob, fürs Essen, reicht es dann nicht mehr, heißt es da sinngemäß. Muss man sich Musikmachen leisten können?

FL: Auf jeden Fall. Ich kenne keine Menschen, die komplett davon leben können oder gut davon leben können. Das ist alles sehr, sehr teuer und wird auch weiter teurer. Wir sind gerade auf Tour. Es ist schon krass, was so ein Mietwagen und Sprit für einen Tourabschnitt kosten. So viel Gage muss man erst mal reinkriegen.


Ich kenne auch Bands, die einen ähnlichen
Status haben wie Sie oder ein kleines bisschen weiter sind. Die erzählen, dass das, was hängen bleibt, dann wieder ins nächste Album gesteckt wird. Man kann nicht davon leben, weil man das Geld, das man auf Tour verdient, braucht, um weiterzumachen?

S: Es ist bei mir auch so. Es ist wahnsinnig teuer geworden. Vor allem nach der Corona-Phase ist es wirtschaftlich viel extremer. Beim Touren bleibt bei mir ganz selten mal eine schwarze Zahl hängen. Das geht wirklich nur übers Verkaufen von Platten und Merch. Also muss man sich das tatsächlich leisten können. Es ist ein großes Privileg, heutzutage Musik zu machen und eine Band zu haben und nicht nur mit einem Computer aufzutreten. Hinzu kommt, dass viele Menschen sich Konzerttickets nicht mehr leisten können oder wollen und dass nicht mehr so viel ausgegangen wird.

S: Ich weiß nicht, ob das ein Altersphänomen ist, ob es meine Fangruppe betrifft oder ob auch die Teenies weniger für Konzerte ausgeben. Es gibt aber Tiktok-Künstler oder Youtuber, bei denen Schlangen vorm Club stehen. Da wird schon Geld ausgegeben.


Konnten Sie, Frau Brüning, das ganze Leben von der Musik leben?

UB: Nicht gleich am Anfang. Das war die Entdeckungsphase. Da ging es zum Teil darum, dass man sich gegen eine Gesellschaftsordnung durchsetzen muss. Was bei Ihnen das Geld ist, war bei uns die Ideologie, wegen der wir nicht alles verwirklichen konnten. Ich hatte Glück, mein Weg ging dann nach oben und ich bin viel unterstützt worden von Musikern und Bands.


Wenn Sie hören, dass die beiden noch einen zusätzlichen Job machen müssen, um von der Musik leben zu können?

UB: Es ist sehr, sehr schwer. Man will sich ja auch mitteilen und wenn man dafür noch Geld bezahlen muss oder nicht weiterkommt, ist das tragisch. Ich bin froh, dass ich das nie hatte.

S: Möglicherweise liegt es auch am Genre. Jazz ist eine andere Kulturszene, die auch anders gefördert wird.

UB: Das war nicht immer so leicht. Auch Jazz musste sich erst durchsetzen.


Ich glaube, ein Faktor war, dass Sie eine Ausnahmestimme haben.

UB: Das weiß ich nicht einzuschätzen, das ist mir auch immer ein bisschen peinlich. Ich habe eben gesungen und was gewagt. Etwa Free Jazz mit meinem Mann zusammen, da musste ich mich überwinden. Aber solche Nöte, das kann einem richtig wehtun. Musik soll Spaß machen und vielseitig sein. Da soll man keine Angst haben müssen, nicht genug Geld zu haben. Dann kann man ja keine Familie gründen. Gar nichts.

FL: Das kommt auch im Text von »DLF-Kultur will, dass wir brennen« vor. Da lautet eine Zeile: »Ich soll mich vermarkten, nicht vermehren«. Viele Künstlerinnen, die ich kenne, die einen Kinderwunsch haben, sehen gar nicht die Möglichkeit, das zu verwirklichen.

UB: Stimmt, das ist wirtschaftlich und sozial immer noch ein Ungleichgewicht. Das war schon in meiner Jugend so, dass Frauen gehandicapt waren durch den Wunsch, eine Familie zu gründen. Wer bleibt dann zu Hause? Die Frau. Das war ein Hinderungsgrund für viele tolle Musikerinnen.


Frau Lehmann und Safi, Sie haben in den
»These Girls«-Büchern Texte veröffentlicht. Welche Musikerinnen haben Sie vorgestellt und warum?

FL: Ich entschied mich für Melanie oder Melanie Safka. Die gehörte in den Sechzigern zur großen Hippiewelle. Woodstock war eines ihrer ersten großen Konzerte und bekannte Lieder von ihr sind »Look What They’ve Done to My Song, Ma« oder »Beautiful People«. Ihre Musik ist mir sehr wichtig und hat mich in verschiedenen Lebensphasen intensiv begleitet. Der Aufhänger für meinen Text war, dass sie im Januar 2024 verstorben ist und es dazu kaum Berichterstattung gab. Das ist doch erschreckend bei der tollen Musik und ihrem Bekanntheitsgrad. Bei männlichen Kollegen mit dem gleichen Status würde wahrscheinlich ein viel größerer Medienrummel geschehen.


Safi?

S: In Band eins habe ich über Karin Elisabeth Dreijer alias Fever Ray geschrieben. Die hat mich schon immer interessiert. Ihre Musik ist extrem künstlerisch und sie hat ein tolles visuelles Auftreten. Im zweiten Band war es Sevdaliza. Das war für mich sehr fremd, mal kurz in den Hip-Hop einzutauchen. Und es ist mir schwergefallen, mich ihr anzunähern. Aber sie fasziniert mich als Person und auch über ihr visuelles Auftreten. Im aktuellen Band bin ich mit Anja Plaschg alias Soap & Skin vertreten. An diese Künstlerin traute ich mich auch erst nicht ran. Ich habe immer ein bisschen Angst vor ihr gehabt. Dann habe ich mich mit ihr beschäftigt und jetzt kann ich sie auch besser verstehen.


Soweit ich das recherchieren konnte, ha
ben Sie alle drei hauptsächlich mit Männern Musik gemacht. Vermissen Sie manchmal etwas? Oder haben Sie mal gedacht: Wäre cool, mal nur mit Frauen auf Tour zu sein?

UB: Also bei mir nicht. Es war so, dass die Männer immer das Sagen hatten und über das Repertoire und überhaupt bestimmt haben. Ich habe es als angenehm empfunden, als dann die Frauen nachrückten. Und das ist ja nun auf vielen Instrumenten so, und das ist einfach wunderbar.

FL: Bei mir war es nicht so eine bewusste Entscheidung. Ich muss sagen, dass ich mir erst in den letzten vier, fünf Jahren ein Bewusstsein für feministische Aufklärung angeeignet habe. Jetzt kann ich ja schlecht sagen: »Ciao, ich suche mir jetzt drei Frauen, mit denen ich die Band mache.« Aber Toni (Günther, Anm. d. Red.), Felix (Kothe, Anm. d. Red.) und Philipp, mit denen ich Frau Lehmann bin, sind sehr bewusste Menschen. Bei denen denke ich nicht die ganze Zeit, dass ich mit drei Männern unterwegs bin, sondern mit drei Menschen. Wir versuchen aber, Fremdleistungen an weiblich gelesene Personen zu geben. Unser Album hat zum Beispiel die wirklich tolle Sound-Engineerin Enyang Urbiks gemastert. Und es macht für mich schon einen Unterschied, wenn es bei einer Konzert-Location Tontechnikerinnen gibt.

S: Interessant, dass Sie das auch wahrnehmen, dass es mehr Tontechnikerinnen gibt oder junge Männer, die als Frau leben möchten. Ich habe da sehr positive Begegnungen gehabt, in den letzten Jahren. Ich hatte vor einigen Jahren zusammen mit Astrid North, die ja schon verstorben ist, eine Reihe in der Bar jeder Vernunft in Berlin aufgezogen. Frauensommer hieß die. Da haben Frauen aus der Berliner Szene und aus der deutschen Musiklandschaft die
Titel der anderen Frauen gemeinsam auf der Bühne gespielt. Da habe ich zwei-, dreimal mitgemacht. Das war für mich eine sehr interessante Erfahrung, mit Frauen Musik zu machen, weil ich das vorher nicht so kannte.


Bei welcher Musikerin würden Sie sagen, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommt?

S: Ich würde Mia Diekow hervorheben. Mit der habe ich bei den Astrid-North-Konzerten zusammen auf der Bühne gestanden und habe mich in sie und ihre Stimme verliebt. Sie hat seit Corona eine ganz seltene Krankheit und darf sich nicht viel bewegen. Das heißt, sie liegt oder sitzt den ganzen Tag und macht trotzdem Alben. Das ist schöner, frecher Pop-Chanson, sozialkritisch, politisch und sehr menschlich.

FL: Annette Simons von Bärchen und die Milchbubis. Ich bin total verliebt in sie. Wir durften sie 2024 in der Moritzbastei supporten. Die Milchbubis gab es ja in den Achtzigern und dann haben sie dreißig, vierzig Jahre lang Pause gemacht. 2024 brachten sie ein neues Album raus und spielen jetzt einfach wieder – mit der gleichen Energie und genauso cool.

UB: Ich habe Stammliebhaberinnen: Franklin, Fitzgerald und Leute, deren Namen mir jetzt nicht einfallen, die Free Jazz machen. Ich bin mit dem, was ich hören kann, ganz zufrieden. Ich hänge aber auch nicht dauernd am Radio.


Was feministische Musikgeschichte angeht, ist Leipzig ein Ort, an dem viel
passiert ist. Als ich angefangen habe mit Radiomachen, haben wir damals das Veranstaltungskollektiv Die Propellas gegründet. Dann gab es die Ladyfeste. Und heute gibt es verschiedene DJ-Kollektive von Flinta-Artists usw. Wie wichtig sind für Sie solche Netzwerke in einer Stadt?

S: Ich bin irgendwann weg aus Leipzig, weil ich dieses Netzwerk hier nicht gefunden habe. Ich hatte ein bisschen Connections zu den Ilses-Erika-Leuten, bin dann aber über das Label Zickzack sehr schnell an Berlin angedockt. Da konnte ich viel schneller Leute treffen, mit denen ich was zusammen gemacht habe. In Leipzig habe ich den Anschluss irgendwie nicht gekriegt, aber das wird jetzt viel besser geworden sein.


Frau Lehmann, können Sie uns einen aktuellen Einblick geben?

FL: Also, ich finde es tatsächlich immer noch recht übersichtlich. Vielleicht bin ich auch nicht in den richtigen Netzwerken unterwegs. Es gibt das Music S Women*, das heißt jetzt Wellenmachen. Da bin ich Mitglied und die machen regelmäßige Treffen. Da war ich bisher aber auch nur einmal. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich nicht so super gerne netzwerke.

S: Mir fehlt das tatsächlich auch immer noch. Auch in Berlin ist es so, dass man sich eher als Konkurrenzprojekt gegenübersteht. Der Austausch findet sehr selten statt, es sei denn, man arbeitet wirklich zusammen. Ich würde mir da mehr wünschen.

FL: Ja, auch bei ganz pragmatischen Sachen. Wir müssen jetzt mit unserer Band-GbR eine Steuererklärung machen. Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert. Da fände ich so ein Netzwerk super praktisch.

UB: Steuer kriegt man nicht in die Wiege gelegt. Das muss man sich wirklich schwer erarbeiten. Ich kenne leider keine Adresse, die ich euch jetzt nennen könnte. Aber gerade bei so wichtigen Problemen müsste man sich mehr austauschen.


Leipzig ist eine Musikstadt, die neben den bekannten Männern ja auch bekannte Musikerinnen hervorgebracht hat. Jutta Hipp, Fanny Hensel oder – vielleicht neuer – Moritz Fasbender (Pseudonym der Komponistin Friederike
Bernhardt, Anm. d. Red.).
Die Geschichte dieser Musikerinnen ist allerdings weniger bekannt als die von Bach oder den Prinzen. Woran liegt das und was könnten wir machen, damit diese Geschichten bekannter werden?

UB: Da müssen wir die Medien lockermachen und das ist sehr schwer. Die kannst du nicht einfach mal überrumpeln und sagen: »Die hier musst du dir mal anhören, die ist sensationell.« Das ist mit Geld und guten Beziehungen verbunden.

FL: Sammelbände rausbringen zu feministischer Musikgeschichte oder Radiosendungen bei Radio Blau machen.

S: Sich zusammenschließen und gemeinsam kleine Festivals machen, kleine Sammelbände und Bücher rausbringen oder Radiosender gründen. Wenn es die anderen nicht machen, muss man es selber machen.


Zum Schluss würde ich gern wissen: Was wünschen Sie den anderen jeweils für die Zukunft?

UB: Gute Einfälle und gute Möglichkeiten, sie umzusetzen. Einfach den Mut behalten. Und den Hut auch.

S: Neugier. Ich wünsche einfach Neugier.

FL: Neugier finde ich auch super. Und natürlich ganz viel Energie und Freude in dem, was Sie machen und schaffen. Und dass Sie einfach weitermachen können.


> Das Gespräch fand bei Radio Blau statt. Die Sendung kann nachgehört werden: 1.9., 20 Uhr, 9.9., 23 Uhr, www.radioblau.de


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