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Kultur

Ausgezeichnetes Kino

Die Kinotipps der Woche

  Ausgezeichnetes Kino | Die Kinotipps der Woche  Foto: Filmstill »Kalter Hund«/ Milk Pictures

Im Rahmen der Filmkunstmesse wurden in der vergangenen Woche auch die Gilde-Filmpreise verliehen. Hier wird ausgezeichnet, was aktuell oder in den kommenden Monaten sehenswert ist. Als bester Spielfilm wurde »Vaterland« geehrt, der gerade Kassenrekorde bricht. Ebenso heiß erwartet wird der Spielfilm »La Bola Negra« von Javier Calvo und Javier Ambrossi, die in Cannes den Regiepreis erhielt und als bester internationaler Film ausgezeichnet wurde. Der Film erzählt queere Identität über drei Epochen hinweg und startet am 19. November. Als bester Dokumentarfilm wurde die Wolf »Biermann« Doku von Jens Meurer geehert (Start: 29.10.). Den Publikumspreis der Filmkunstmesse erhielt die Doku »Eine Krankheit wir ein Gedicht« (Start: 8.10.).


Film der Woche:

Kalter Hund
D 2026, R: Pauline Roenneberg, D: Corinna Harfouch, Lea Drinda, Karoline Eichhorn, 144 min

Hermann Mann, der großzügige Stiftungsgründer und Gnadenhof-Unterstützer, wird hundert Jahre alt. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern und neben einigen offiziellen Gratulanten ist selbstverständlich auch die gesamte Familie erschienen, um dem Jubilar ihre Aufwartung zu machen. Allerdings gibt es ein kleines Problem, das Hermanns Ehefrau Marianne zunächst gar nicht bemerkt, als sie sein Zimmer betritt und distanziert um ihn herumwuselt: Der Patriarch liegt nämlich tot und fahl in seinem Bett, ein Barbiturat in einer Hand und ein Testament in der Schublade, das Haushälterin Joy flugs unbemerkt verschwinden lässt. Eine Weile wird das Ableben des Geburtstagskinds zwar noch vertuscht, doch irgendwann fliegt die Scharade auf und zwischen den Familienmitgliedern offenbaren sich Dynamiken, die man so nicht unbedingt vermutet hätte. Regisseurin Pauline Roenneberg ist mit ihrem Spielfilmdebüt eine schwarzhumorige Tragikomödie geglückt, deren Dialoge während des Drehs improvisieren wurden – eine ungewöhnliche und mutige Herangehensweise, die sich dank des starken Schauspielensembles mehr als auszahlt. Zuzuschauen, wie diese vollkommen dysfunktionale, herrlich überzeichnete Sippschaft sich verbal oder mit Blicken zerfleischt, ohne eine gewisse Ernsthaftigkeit aufzugeben, das ist ein großer Satirespaß, wie man ihn im oft betulichen deutschen Kino viel zu selten genießen darf. PETER HOCH

»Kalter Hund«: ab 18.9., Passage-Kinos, Schauburg



Gentle Monster
AT/F/D/S 2026, R: Marie Kreutzer, D: Léa Seydoux, Catherine Deneuve, Jella Haase, 115 min

Als die erfolgreiche Pianistin Lucy eines morgens erwacht, steht die Kriminalpolizei in der Wohnung und verhaftet ihren Mann Philip. Das Paar war gerade erst mit ihrem neunjährigen Sohn aus der Stadt aufs Land gezogen, wollte einen Neustart wagen. Lucy versteht nicht, was vor sich geht, bis sie bei der zuständigen Beamtin Elsa vorstellig wird – in der Ermittlungsabteilung gegen Kinderpornographie. Lucy weiß nicht mehr, was oder wem sie glauben soll. Ihrem Mann, der jede Schuld von sich weist, oder den erdrückenden Beweisen? War sie blind all die gemeinsamen Jahre lang? Marie Kreutzer (»Corsage«) schildert die Ereignisse konsequent aus Lucys Perspektive. Ähnlich wie Justine Triet ihre Hauptdarstellerin Sandra Hüller im Cannes-Gewinner »Anatomie eines Falls«, lässt Marie Kreutzer auch Léa Seydoux durch einen Albtraum aus Ungewissheiten und Gesetzen irren. Die Realität des Betrachters hängt dabei immer von Lucys Erkenntnissen und Zweifeln ab. Zweifel schleichen sich ein und zersetzen die gemeinsamen Erinnerungen. Über zwei Stunden entwickelt sich ein geschickt geschriebener Spannungsbogen, der voll und ganz auf Seydoux’ Präsenz setzt. Die französische Charakterdarstellerin trägt das packende und bis in die Nebenrollen glänzend besetzte Beziehungsdrama auch durch einige inszenatorische Schlenker, die vom eigentlichen Kern eher ablenken.

»Gentle Monster«: ab 18.9., Passage-Kinos


Weitere Filmtermine der Woche:

Gegenkino

Das Festival für abseitiges Kino präsentiert wieder zehn Tage voll mit spannenden Vorführungen, Musik und Gästen.

Luru Kino, Schaubühne Lindenfels, UT Connewitz, Milieu Kino im Rabet, 10.–20.9.


Filmriss Filmquiz 

Seit 2009 präsentiert kreuzer-Redakteur Lars Tunçay gemeinsam mit André Thaetz das Leipziger Filmquiz. Nach der Sommerpause gibt es wieder monatlich in der Moritzbastei Fragen, Clips und Preise rund um Filmklassiker und aktuelle Kinohighlights.

Moritzbastei, 23.9., 20 Uhr

Moretones
MEX 2023, Dok, R: Ginan Seidl, Daniel Ulacia Balmaseda, 89 min

Eine poetische Reise in die mexikanische Costa Chica: Der Dokumentarfilm erzählt von einer Region, deren einzigartige Kultur und Natur durch Klimawandel und Umweltzerstörung bedroht sind.

Cinémathèque, 22.9., 19.30 Uhr (mit Regiegespräch)

Hard Boiled
HKG 1992, R: John Woo, D: Chow Yun-Fat, Tony Leung Chiu-Wai, Teresa Mo, 130 min

John Woos brutalem Krimi über Undercover-Cops in der Hongkonger Unterwelt wird eine Wiederaufführung spendiert.

Luru-Kino in der Spinnerei, 23.9. 21.15 Uhr (OmU)

Shorts Attack: Kontrollverlust

Durch Systemfehler und Überforderung ereignet sich Merkwürdiges in neun Filmen in 85 Minuten.

UT Connewitz, 25.9. 20 Uhr

Erich Mendelsohn − Visionen für die Ewigkeit 
D/ISR 2011, Dok, R: Duki Dro, 71 min

Das Leben und architektonische Werk von Erich Mendelsohn, einem der bedeutendsten und visionärsten Architekten des 20. Jahrhunderts.

Grassi-Museum Leipzig, 22.9., 18 Uhr (Architektur im Film)

Chihiros Reise ins Zauberland
J 2001, R: Hayao Miyazaki, 125 min

Eines der schönsten Meisterwerke aus dem Anime-Studio Ghibli: Die kleine Chihiro wird in eine seltsame Parallelwelt voller merkwürdiger Wesen und Gottheiten hineingezogen. Dort versucht sie, ihre Eltern von einem Fluch zu erlösen, der sie in Schweine verwandelt hat.

Kinobar Prager Frühling, 22.9. 19.15 Uhr (OmU)

Becoming Kim 
D/KOR 2026, Dok, R: Susanne Kim, 89 min

Sehr persönlicher Dokumentarfilm der Leipzigerin Susanne Kim, der einen ungeschönten Blick auf eine Beziehung zwischen familiären, emotionalen und gesellschaftlichen Konflikten wirft.

Cinémathèque, 23.9., 19.30 Uhr (mit Regiegespräch)


Das geträumte Abenteuer  
D/F/BG/AT 2026, R: Valeska Grisebach, D: Jana Radewa, Syuleyman Alilov Letifov, Stoycho Kostadinov, 164 min

Die Archäologin Veska kehrt für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad in der spannungsreichen Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei zurück. Dort trifft sie überraschend auf Said, einen alten Bekannten, der in Geschäfte mit einem Schmuggler verwickelt ist.

Passage-Kinos, 23.9., 19.30 Uhr (Premiere mit der Regisseurin Valeska Grisebach, OmU)

Demenz − Ein Schrecken ohne Gespenst
D 2013, Dok, R: Günter Roggenhofer, Anna Dalle, Thomas Bogner

In privaten Videoaufnahmen zeigt der Film ungeschönt, aber frei von Panikmache, wie eine Familie mit der Schockdiagnose Demenz umgeht und im Laufe der Jahre eine völlig neue Nähe zueinander findet.

Passage-Kinos, 24.9., 18 Uhr (Special mit Filmgespräch, Woche der Demenz)


Ein superheißes Ding
USA 1974, R: Doris Wishman, D: Chesty Morgan, Frank Silvano, Saul Meth, 74 min

Eine Geheimagentin, die einen Drogenring zerschlagen soll, bekommt eine Kamera in ihren riesigen Busen implantiert. Damit schießt sie dann undercover Beweisfotos von den Gangstern, indem sie ihren Busen anhebt.

Luru-Kino in der Spinnerei, 21.9., 20 Uhr (Luru Archiv – 35mm Doppel)


Teuflische Brüste
USA 1974, R: Doris Wishman, D: Chesty Morgan, Harry Reems, Greg Reynolds, 72 min

Sexploitation total: Eine Frau rächt sich an den Mördern ihres Freundes, indem sie sie mit ihren überdimensionalen Brüsten erstickt.

Luru-Kino in der Spinnerei, 21.9., 20 Uhr (Luru Archiv – 35 mm Doppel)


Shorts Attack: Sundance Shorts 2026

Eine Auswahl der preisgekrönten Kurzfilme beim Sundance Film Festival 2026.
Kinobar Prager Frühling, 21.9., 19.45 Uhr


To My Sisters 

D 2026, Dok, R: Faek Falak, 95 min

Ein erschütternder Blick in den Norden Syriens, wo die YPJ-Armee der Frauen gegen ISIS kämpft. Der eindrucksvolle Dokumentarfilm beleuchtet die Geschichten der Frauen und ihren Weg zur Waffe.

Schaubühne Lindenfels, 25.9., 18 Uhr (Kooperation mit Seebrücke Leipzig, mit Einführung)

Trainspotting – Neue Helden 
GB 1996, R: Danny Boyle, D: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Robert Carlyle, 94 min

Episoden aus dem Leben des heroinabhängigen Renton: Die Adaption des Kult-Klassikers der Drogenliteratur von Irvine Welsh wurde selbst zum Kultfilm.

Schaubühne Lindenfels, 22.9., 21 Uhr (OmU)

Wo die wilden Kerle wohnen 
USA 2009, R: Spike Jonze, D: Max Records, Catherine Keener, Pepita Emmerichs, 101 min

Der neunjährige Max, wird von seiner Mutter vernachlässigt und flüchtet sich in fantastische Traumwelten. Fantasievolle Verfilmung des Bilderbuch-Klassikers von Maurice Sendak.

Schaubühne Lindenfels, 19.9., 16 Uhr

Tatis herrliche Zeiten (Playtime) 
F/I 1967, R: Jacques Tati, D: Jacques Tati, Reinhard Kolldehoff, Rita Maiden, 108 min

Monsieur Hulot reist in ein futuristisches Paris, das vor lauter Stahl, Glas und Beton sein Gesicht verloren hat. Er kämpft in einem Büro- und Ausstellungskomplex gegen die Tücke des modernen Objekts. Klassiker voll tragikomischer Modernismuskritik.

Cinémathèque, 19.9., 19.30 Uhr

The Big Lebowski 
USA 1998, R: Joel Coen, Ethan Coen, D: Jeff Bridges, Julianne Moore, John Goodman, 117 min

Jeff Bridges in seiner Paraderolle als Alt-Hippie Jeffrey Lebowski, der durch eine Verwechslung in einen absurd-witzigen Thrillerplot verwickelt wird.

Schaubühne Lindenfels, 21.9., 21.30 Uhr (Apero Kino, OmU) 


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