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»Das Lofft muss raus!«

Warum das Lofft aus dem Lindenauer Theaterhaus geworfen wird – und doch erst einmal bleibt

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Das Lofft bleibt die nächsten zwei Jahre im Haus des Theaters der Jungen Welt. Einfach, weil es keinen geeigneten Ort gibt. Denn eigentlich würde das junge Theater gerne umziehen, wie es am Dienstag spielerisch deutlich machte.

Kurz jault der Lautsprecher auf, dann sind klärende Worte zu vernehmen: »Schon lange will das Lofft raus aus dem Lindenauer Theaterhaus und auch wir brauchen den Platz«, ruft der Intendant des Theaters der Jungen Welt (TdJW), Jürgen Zielinski, ins Megafon. »Heute nun ist es soweit!« Er bittet die Anwesenden im Foyer des Theaterhauses, neben Kulturbürgermeister Michael Faber sind das überwiegend Medienvertreter, sich am Auszug zu beteiligen und bereitstehende Kisten mit auf den Lindenauer Markt zu hieven. Dort steht ein 7,5-Tonner für den Abtransport des Loffts bereit, Bier gibt’s auch, der eigentlich für einen Umzug obligatorische Mettigel fehlt. Jeder fasst mit an, auch Faber lässt sich nicht lumpen – auf der Transporter-Rampe findet dann eine Pressekonferenz statt, die eine neue Variante des Raus- und Reinspiels verkündet: Denn TdJW-Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert, Zielinski und Lofft-Geschäftsführer Dirk Förster besiegeln eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre.

Lofft und TdJW residieren seit 2003 im Theaterhaus am Lindenauer Markt. Der bisherige Mietvertrag für das Lofft endet am 31. Dezember 2012 – aber noch immer gibt es keine zufriedenstellende Raumlösung. Das Vorhaben, mit der Schaubühne, dem Leipziger Tanztheater und dem Westflügel eine gemeinsame Spiel-, Produktions- und Probenstätte an der Karl-Heine-Straße zu schaffen, ließ sich noch nicht realisieren. Der Wille der Stadt hierzu bestehe weiterhin, erklärt Lofft-Geschäftsführer Förster, aber angesichts des finanziellen Drucks auf die Eigenbetriebe gerate solch ein Projekt etwas in den Hintergrund. Man bleibe aber dran. Er freue sich daher, dass das Off-Theater noch weitere zwei Jahre TdJW-Nachbar sein darf.

Einer Mieterhöhung erteilte Verwaltungsdirektorin Schubert mit dem Hinweis auf die angespannte finanzielle Lage aller Leipziger Theaterbetriebe eine klare Absage. Dabei hätte der Lofft-Auszug dem TdJW dringend benötigte räumliche Kapazitäten gegeben. Dem Haus fehlt nämlich eine Spielstätte für 100 Personen – in die kleinen passen nur 55 und 66 Zuschauer, wodurch sich das TdJW-Pensum auf rund 700 Vorstellungen per anno summiert. Schubert meint zudem, dass es schön wäre, einfach mal Krimskrams irgendwo herumstehen zu lassen, wie es in einem eigenen Haus eben möglich wäre. Am Rande der Veranstaltung sprach sich Kulturbürgermeister Faber immerhin für die Unterstützung der Pläne eines Theaterhauses an der Karl-Heine-Straße aus. Zuletzt hatte er die Erhöhung der Gelder für die Freie Szene versprochen – ohne anzugeben, wie er dies finanzieren möchte (s. kreuzer 07/2012, der am 27. Juni erscheint).

Gegangen, um zu bleiben: Das Lofft wird also weiterhin ein Dach über dem Kopf und eine Bühne haben. Wunderbar also, dass sich beide Theater einigen konnten. Ihre öffentlichkeitswirksame Vertragsbesiegelung ist außerdem ein kleines Symbol für den falschen Gegensatz von freiem und städtischem Theater. TdJW-Intendant Zielinski lobte mit Anspielung an das Opernmagazin Dreiklang – Opernchef Uwe Schirmer hatte dort verlautbart, Geld mache nicht glücklich, aber beruhige – den Lindenauer Zweiklang und kündigte – wohl schon für die nächste Spielzeit – eine gemeinsame Tanzproduktion beider Theater an.

http://www.theaterderjungenweltleipzig.de, http://www.lofft.de

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Dein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Ralph Ohligsschläger | 21. Juni 2012 | um 11:46 Uhr

    Das Haus Leipzig wäre ein vorzüglicher Standort gewesen. Doch dort kommt ein weiterer Supermarkt rein. Die Feinkost wäre toll gewesen, doch das hat die Szene selbst vermasselt. Auf der Spinnerei dürfte noch Platz sein. Gibt es schon ein Konzept für die große Halle im Westwerk? Was ist mit Orten wie der Camera Eutritzsch?

    Leipzig war so reich an Bühnen! Dass diese verfallen, während überall an jeder Ecke neue Konsumbunker entstehen, weit über die Nachfrage und Kaufkraft hinaus, das sagt eigentlich alles über die „Kulturstadt“ aus.

    Vital ist hier eigentlich nur die Street-art-Scene. Möge von denen mal einer in Essen den Schriftzug „Die Einkaufsstadt“ stibitzen und in Leipzig gegenüber vom Bahnhof anbringen, idealerweise einen Fischer-Art verdeckend.