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An keinen Fußballverein gebunden

Christian Kohn leitet seit November das Leipziger Fanprojekt

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Der Sportdirektor des Fußballbundesligisten RB Leipzig Ralf Rangnick erklärte vor einiger Zeit, dass »der Fußball versuchen sollte, unpolitisch zu bleiben«. Fußball und Politik werden sehr gern als Gegensätze aufgebauscht. Ganz im Gegensatz die Initiative »Lernort Stadion«: Hier wird das Interesse am Fußball mit der Stärkung sozialer Kompetenz und politischer Bildung kombiniert. Bereits in 17 Städten finden sich Ableger der Initiative, die unter der Schirmherrschaft des Fernsehstars Oliver Welke (»heute-show«) steht. Allerdings nicht in Leipzig. Darum möchte das Leipziger Fanprojekt auch hier einen Ort für diese Initiative schaffen. Das ist das nächste Ziel, das sich das Leipziger Fanprojekt und mit seinem neuen Leiter Christian Kohn gesetzt hat.

Der promovierte Kulturwissenschaftler leitet seit November das Fanprojekt, welches sich seit der Neugründung 2011 in der Trägerschaft der gemeinnützigen Outlaw Kinder- und Jugendhilfe befindet. Die Mitarbeiter kümmern sich um jugendliche Fußballfans. Die vereinsunabhängige soziale Arbeit geht dabei weit über die Begleitung an Spieltagen hinaus und fordert eine hohe Sensibilität gegenüber den unterschiedlichen Situationen von Klienten, die in der Mehrzahl nicht von einem Tag auf den anderen gelöst werden können. Diese Form der kontinuierlichen Arbeit steht bei Staatsschutz und anderen Organen nicht unbedingt hoch im Kurs, wie zuletzt die Überwachung eines Leipziger Fanprojektmitarbeiters zeigte (siehe kreuzer 6/2017).

Doch das hielt Kohn nicht von einer Bewerbung ab. Zuvor arbeitete er beim Landessportbund im Projekt »Im Sport verein(t) für Demokratie« und organisierte die Ausstellung »Strafraum Sachsen 2.0. Fußball zwischen Ressentiment und Integration« mit.

Bereits während seiner Tübinger Studienzeit beschäftigte sich Kohn mit der Verhandlung von gesellschaftlichen Fragen unter Fußballanhängern. Als er vor zehn Jahren nach Leipzig kam, fielen ihm die vielen Fußballfans auf, ohne dass eine Profimannschaft in der Stadt existierte.

Heute sieht es ganz anders aus und Leipzig wächst. Das geht auch am Fanprojekt nicht spurlos vorbei. Der Organisation kam sehr entgegen, dass das sächsische Innenministerium das Budget aller im Freistaat ansässigen Fanprojekte erhöhte. So ist Christian Kohn als Koordinator beschäftigt, der an keinen Fußballverein gebunden ist.

Von den sechs Vollzeitstellen beschäftigen sich drei mit der Klientel des 2009 gegründeten RB, jeweils ein Mitarbeiter kümmert sich um die Anhänger der Regionalligisten BSG Chemie Leipzig und 1. FC Lok Leipzig.

Und der Fußballstandort ist in Bewegung. Wohin sich die Fankultur beispielsweise beim Bundesligisten bewegen wird, ist da nur eine Frage. Kohn versteht die aktuelle Situation des Findens einer eigenen Identität als eine hilfreiche Zeit für alle.

http://www.fanprojekt-leipzig.de

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