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Steinzeit-Hirn

Nicht Männer, Quoten-Fuzzis bringen die CDU um den Verstand

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In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung spricht Volker Schmipff von »Quoten-Tussis«, die daran Schuld seien, dass innerhalb der Leipziger CDU nicht mehr Frauen politische Mandate inne hätten. kreuzer-Autor Tobias Prüwer kommentiert.

Die Wissenschaft müsse sich vor der Gesellschaft rechtfertigen, meinte neulich Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Es ginge nicht, sinnlose Forschung ohne Anwendungscharakter durch die Allgemeinheit finanzieren zu lassen. Da ist die sächsische CDU schon weiter und nahm etwa Sinnlos-Wissenschaftler Volker Schimpff gleich nach der Wende im Parteibetrieb auf. So als geschichtswissenschaftlicher Quoten-Fuzzi sollte er die Blume am Revers der Partei sein. Man schmückt sich ein bisschen mit dem Intellekt humanistischer Bildung, auch wenn er im Falle Schimpff nur auf dem Papier steht.

Für ihn selbst war diese Quotenregelung zugleich eine Chance. Denn damit musste er nicht mehr in der Museologie und Ur- und Frühgeschichte herumtheoretisieren, sondern konnte sein Unwissen in handfeste politische Arbeit umformulieren. Das klingt zum Beispiel so: »Als Archäologe denke ich da auch an die Männer, die aus der Höhle stürzten und das Mammut angriffen, ohne zu wissen, wer am Schluss wen erlegt.« Männer der Tat schreiten eben bis heute planlos voran, scheint das anzudeuten. Da kann es ihn auch nicht jucken, dass der Steinzeitvergleich vorsintflutlich und wissenschaftlich nicht haltbar ist. Denn eines ist gewiss: So gewiss wie uns das noch in der Schule vermittelt wurde, ist die Verteilung der Geschlechterrollen in der Prähistorie nicht. Auch wenn sich bürgerliche Vater-Mutter-Kind-Projektionen hartnäckig halten. Dass Schwangere oder Stillende nicht unbedingt auf Mammutjagd gingen – geschenkt. Danach hören viele Gewissheiten aber auch schon auf. Was übrigens im Wesen der Wissenschaft liegt. Das mag den sich im Wissen sattelfest glaubenden Herren Unbehagen bereiten, aber so ist das. Die Frühmittelalter-Forschung streitet zum Beispiel gerade darüber, ob der bekannteste Wikingerhelm nicht einer Frau gehört haben mag. Auch das scheint Menschen vom Schlage Schmipffs unerhört. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf:  Das Seufzen alter weißer Männer zeigt sich hier einmal mehr als Grundrauschen der Gegenwart. White Noise halt.

Und selbst wenn Schimpffs Vorstellung der Steinzeit – oder nennen wir es besser »steinzeitliche Vorstellung«? – stimmte: Davon auf heutige Verhältnisse abzuleiten, ist wissenschaftlich unlauter. Man nennt das einen genetischen Fehlschluss: Nur weil mal etwas so war, muss es nicht besser sein oder gar bis heute gelten. Oder sollten wir dem Beispiel alter Kulturen folgen und funktionsuntüchtige, bloß salbadernde Altherren über die Klippe springen lassen.

Ein Mammut bringt Schimpff jedenfalls nicht zur Strecke. Immerhin nett von der CDU Leipzig, diesem Quoten-Fuzzi lange schon eine warme Höhlengemeinschaft zu bieten. Hier ist er außer Gefahr für sich selbst, mag sich höchstens beim Rennen gegen die Wände eine blutige Nase holen.

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