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»Denk mal an die Fans«

Nach der Trainerentlassung beim 1. FC Lok Leipzig wird über die Gründe spekuliert

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Lok Leipzig erfindet sich mitten in der Saison neu, entlässt sein Trainergespann Björn Joppe und Ronny Surma und sucht nun Führungskräfte ab 2020 – um dann vielleicht doch die Dritte Liga entern zu wollen. Für Außenstehende und Fans erschließt sich der logische Zusammenhang nicht so richtig.

Als am Samstagmittag Bild die Trainerentlassung beim Regionalligist 1. FC Lokomotive Leipzig vermeldete, folgte 31 Minuten später das offizielle Statement des Vereins: »Aus persönlichen Gründen« legte der Teamchef Björn Joppe »sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder«. Ihm folgte auch Co-Trainer Ronny Surma. In der sehr knapp gehaltenen Mitteilung gab Lok ebenfalls bekannt, dass es weitere Stellungnahmen dazu seitens des Vereins nicht geben werde. Über die Gründe kann also nur spekuliert werden. Besonders verwunderlich: Noch am Freitag hatte Joppe bei einem Pressegespräch seine Erwartungshaltung für das Spiel gegen Babelsberg am Montag bekannt gegeben – Zeichen für einen Abgang gab es dabei keine.

Sehr schmerzliche Niederlage
Zuvor hatte Lok am elften Regionalligaspieltag die erste Saisonniederlage einstecken müssen. Ausgerechnet die hoch motiviert und diszipliniert aufspielende BSG Chemie Leipzig führte dazu, dass Lok als Derbyverlierer den Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark verlassen musste.

Nach der 2:0-Derby-Niederlage hatte Joppe auf der Pressekonferenz betont, dass diese erste Saisonniederlage seiner Mannschaft nichts anhaben könne. Von sich selbst sprach er nicht. Warum auch: Lok stand punktgleich mit Hertha II und Altglienicke an der Tabellenspitze. Eine Woche später gewann Lok souverän im Sachsenpokal gegen Auerbach mit 4:1 und zog ins Achtelfinale ein.

Ein bisschen Abwechslung
Am Montagabend, als es am 11. Spieltag der Regionalliga gegen Babelsberg ging, saß der Sportdirektor Wolfgang Wolf nicht wie seit Saisonbeginn auf der Tribüne und litt ausdrucksvoll mit der Mannschaft, sondern stand eher stoisch als Interimstrainer am Spielfeldrand. Neben ihm nahm der bisherige und aktuelle Cheftrainer Rainer Lisiewicz Platz. Er spielte von 1968 bis 1978 für Lok, trainierte die Mannschaft nach der Neugründung von 2004 bis 2009 und führte sie von der 3. Kreisklasse in die Oberliga. Da Joppe die für die Regionalliga erforderliche A-Trainer-Lizenz fehlte, begleite Lisiewicz seit Jahresbeginn die Mannschaft wieder als Cheftrainer, Joppe war sogenannter Teamchef.

Nach dem Spiel und einem glücklichen 1:0-Sieg betonte Wolf, dass er nur eine Übergangslösung als Trainer sei. Gemeinsam mit dem Stürmer Nicky Adler, der seit Wochen verletzt ist, möchte er das Team bis zum Jahreswechsel trainieren. Bewerbungen für die Trainerstelle liegen ihm schon zur Genüge vor und erste Kandidaten fanden sich bereits am Montagabend auf der Tribüne ein.

»Denk doch mal an die Fans«
»Denk doch mal an die Fans«, trällerten die Fantastischen Vier in »Troy« nach dem Spiel vom Band. »Harmonie und Spannung« wünschte sich Sportdirektor Wolf bei seinem Antritt in Probstheida zu Saisonbeginn. Letztere dürfte es derzeit zur Genüge geben. Ob am Ende der Saison auch harmonisch in Richtung Dritte Liga geschaut werden kann, bleibt abzuwarten. Nach dem Sieg gegen Babelsberg bleiben die Stimmen laut, die von Seiten der Fans eine transparente Kommunikation zum Trainerwechsel erwarten.

Lok sicherte sich am Montagabend mit einem Dusseltor letztlich die drei Punkte.
Von dem Mannschaftswillen, den Mittelfeldspieler Paul Schinke nach dem Spiel ansprach, kam beim Publikum kaum etwas an. Die erste Halbzeit erinnerte an die Stimmung bei einem Testspiel.

Antwort auf die Frage, warum Joppe und Surma ihre Ämter verlassen mussten, gab es nach dem Spiel weder von Spieler- noch von Trainerseite. »Es war nicht alles falsch«, so argumentierte Wolf, von »Kleinigkeiten« in der Taktik und Spielvorbereitung sprach Schinke, die es zu ändern gilt, denn »es muss nicht alles über den Haufen geschmissen werden«.

Am Freitagnachmittag geht es für Lok in der Regionalliga bereits weiter. Um 16 Uhr erfolgt der Anpfiff zur Partie gegen den Tabellenletzten Bischofswerdaer FV. Ob sich die Mannschaft nun anders zeigen wird, kann man im MDR-Livestream beobachten. Wolf hatte zu Beginn der Saison gefordert, dass die Mannschaft bis zum letzten Spiel um den Aufstieg in die Dritte Liga spielen solle, nun hat er einige Wochen Zeit, um die eigene Vorgabe unter Beweis zu stellen.

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