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Diese Kandidaten treten für die FDP an

Die Direktkandidatinnen und -kandidaten für die beiden Leipziger Wahlkreise im Porträt

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Im September wird ein neuer Bundestag gewählt. Bis dahin stellen wir die Leipziger Direktkandidatinnen und -kandidaten der verschiedenen Paretein vor. Heute: FDP.

Vertreter der Eigentümer

René Hobusch ist ein Freier Demokrat, wie er im (Partei-)Buche steht

Klingelt man bei René Hobusch, öffnet ein Mann die Tür, der auf den ersten Blick alle Klischees eines Freien Demokraten in sich vereinigt: Lässig, aber schick im Polo-Hemd gekleidet, empfängt der selbstständige Rechtsanwalt zum Interview in seiner großräumigen Kanzlei in der Leipziger Innenstadt. Hobusch kandidiert für die FDP bei der Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis 152 (Leipzig Nord). Erfahrung hat er vor allem kommunalpolitisch: Er gehörte zehn Jahre lang dem Leipziger Stadtrat an, bis er 2019 nicht mehr genug Stimmen auf sich versammeln konnte. 2013 kandidierte er für den Posten des Oberbürgermeisters – erfolglos, genau wie seine Kandidatur für den sächsischen Landtag 2014. Und jetzt strebt er nach einem Amt im höchsten politischen Gremium, dem Bundestag? »Wir leben in herausfordernden Zeiten. Die Pandemie hat gezeigt, dass viel schlecht läuft, besonders in den Bereichen Bildung, Digitalisierung, Städtebau, die bundespolitisch gesetzt werden«, begründet Hobusch seine Kandidatur und nennt mit Wohnen auch gleich sein Kernthema. Dabei ist er ganz auf Parteilinie. Mietpreisbremse und Mietendeckel lehnt er ab: »In einen bestehenden Markt sollte man nicht regulatorisch eingreifen«, außerdem lägen die rechtlichen Voraussetzungen weder in Leipzig noch in Dresden vor. Von den emotionalen Debatten darüber hält er noch weniger: »Wenn wir nach Lösungen suchen, müssen wir das für die Menschen machen, mit Augenmaß und nicht ideologisch.« Für Hobusch heißt das, schnell, günstig und nachhaltig zu bauen, außerdem müsse man »das Verhältnis zwischen denen, die mieten, und denen, die vermieten, neu justieren«. Bittet man ihn, seine eigene Politik zu beschreiben, antwortet er zügig: zukunftsorientiert, zielstrebig, an den Interessen aller orientiert. Seine Chancen auf das Mandat schätzt er als gut ein: »Ich habe ein Thema, das viele sehr bewegt und das auch in den nächsten zehn bis 15 Jahren noch aktuell ist.«

René Hobusch, Foto: Christiane Gundlach

Seit 2015 ist Hobusch Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund Sachsen. Man könnte ihm also vorwerfen, seine Sicht beim Thema Wohnen sei einseitig. Hobusch beteuert, dass es ihm immer wichtig gewesen sei, sein politisches Mandat und seine ehrenamtliche Arbeit sauber voneinander zu trennen. Er gibt aber auch zu: »Bei den Positionen, die ich politisch für die Freien Demokraten vertrete, und den Positionen unseres Verbandes gibt es ganz viele Schnittmengen. Geht es den Eigentümern dieses Landes gut? Ich meine damit nicht die schwarzen Schafe, über die immer alle reden, sondern die vier Millionen privaten Vermieter in Deutschland.« Es gehe aber auch darum, fügt er in einem Nebensatz hinzu, ob es den Mietern gut gehe.

Er redet schnell, aber ruhig, kennt sein Thema gut. »Es vergeht kaum ein Tag, wo ich mich nicht mit den Themen Bauen, Wohnen oder Mieten auseinandersetze«, sagt Hobusch. Erst als es um Bildung geht, wird er emotionaler, man merkt ihm auch Wut an. Das Home-Schooling seiner zwei Töchter, beide im Grundschulalter, schockiere ihn. »Home-Schooling heißt doch nicht, dass ich mich einmal am Tag ins Internet einlogge, mir mein Aufgabenblatt runterlade, es ausdrucke, löse und wieder einscanne«, empört er sich. Stattdessen sollte es regelmäßige Videokonferenzen geben, dafür müssten die Schulen aber generell digital besser aufgestellt werden. »Und selbst, wenn alle Zugang hätten, würden vermutlich alle Leitungen zusammenbrechen, weil die Voraussetzungen für die nötige schnelle Datenübertragung nicht gegeben sind«, fährt er fort.

In einer Sache weicht er doch noch von der Mehrheitsmeinung seiner Partei ab, auch wenn er es nicht als Meinung, mehr als »Beschreibung« deklariert. So hat er sich im zweiten Wahlgang der vergangenen Oberbürgermeisterwahl für Burkhard Jung (SPD) ausgesprochen – und gegen den CDU-Kandidaten. Damals schreibt er auf Facebook: »Ich habe viele Stadträte der Linksfraktion wie auch bei der Grünen-Fraktion in den letzten Jahren menschlich schätzen gelernt und ich habe als Stadtrat bei aller Gegensätzlichkeit in politischen Fragen Verlässlichkeit erfahren. Eine Erfahrung, die in Bezug auf die mir nach reiner Farbenlehre vermeintlich näher stehende CDU-Fraktion viel zu oft enttäuscht worden ist.« Ob er diese Einschätzung auch mit in den Bundestag nehmen wird, könne er noch nicht beurteilen. Eins steht für Hobusch aber fest: Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er in allen Fällen aus.

SOPHIE GOLDAU

Fleißiger Zimmermann

Peter Jess will die FDP für Handwerker attraktiv machen

Peter Jess ist gelernter Zimmermann. Darauf legt er Wert. Der 41-Jährige trägt auf seiner Webseite Zimmermannskluft und tritt im Wahlkampf offensiv als Handwerker auf. Die werden nicht als Erstes mit der FDP assoziiert – warum also diese Partei? »Ich habe schon immer gesagt, wer was erreichen möchte, muss auch was bringen«, sagt Jess. Und selbstverständlich ist er davon überzeugt, dass Leistung belohnt werden muss. Im Handwerk könne man viel schneller etwas erreichen als anderswo und in keinem Bereich nur mit Hauptschulabschluss so schnell eine eigene Firma gründen. »Wenn Sie auf dem Bau fragen, ›wen würdest du wählen?‹, eiern die zwischen CDU, FDP und AfD herum«, erzählt Jess. Da sei die FDP genau richtig, da sie für Bürokratieabbau stehe. Hier könne die FDP die Handwerker unterstützen – zumal Jess für sie keine richtige politische Heimat sehe.

Peter Jess: Foto: Christiane Gundlach

Jess wurde 1980 in Eilenburg geboren, wuchs in Gohlis und Großpösna auf. Nach seiner Lehre 2001 arbeitete er anschließend in Ulm und Stuttgart. Weil er sich nach seiner Heimat sehnte und die Baubranche vor Ort wieder anzog, ging es für ihn 2014 zurück nach Leipzig. Hier absolvierte er auch die Meisterschule für Zimmererleute. Weil die Pandemie die geplante Übernahme des Handwerksbetriebes verhindert habe, für die er jahrelang gearbeitet hat, ist er seit einem Jahr im Holzgroßhandel angestellt. 2019 wurde er in den Kreisvorstand der Partei gewählt, zur Bundestagswahl tritt er für die FDP im Wahlkreis 153 als Direktkandidat an.

Dabei sind Jess’ Themen keine, mit denen man normalerweise sofort einen FDP-Politiker, geschweige denn einen Handwerker in der FDP charakterisieren würde. Jess tritt zum Beispiel für ein flexibleres Renteneintrittsalter ab 60 an. Seine Erfahrungen auf dem Bau haben ihm gezeigt, dass ein starres Alter nicht den Ansprüchen der Betroffenen gerecht werden würde: »Einen Handwerker, der oben auf dem Dach ist mit 67 oder 68, kann ich mir nicht vorstellen. Die sind kaputt.« Mit diesem flexiblen Angebot mache sich die Partei auch attraktiv für junge Leute.

Im Bereich Mobilität setzt er sich beispielsweise für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in die Leipziger Randregionen ein. Das stehe bei ihm auf der Themenliste, weil Lehrlinge nicht so viel verdienen, dass sie sich sofort ein Auto leisten könnten, sagt Jess. Und illustriert das mit einem Beispiel aus der eigenen Vita: Seine ehemalige Firma war in Störmthal und er hatte die Wahl zwischen einer 15-minütigen Autofahrt oder einer 40-minütigen Bahnfahrt. Der Fahrplan habe ihm nur zugelassen, entweder 15 Minuten zu spät oder 45 Minuten zu früh da zu sein. Da war die Entscheidung klar. Wie wolle man sonst junge Leute in die Betriebe außerhalb kriegen, wenn es keine Möglichkeit für sie gebe, ohne großen Aufwand dorthin zu kommen? Warum sollte man sich aber für die FDP entscheiden, wenn viele der Themen, die er anspricht, schon länger von anderen Parteien besetzt werden? »Die freie Entscheidung, sich selbst zu verwirklichen, finde ich sehr wichtig«, antwortet Jess. Da stünden bei anderen Parteien immer Hürden im Weg. Seinen Meister habe er sich damals mit einem Nebenjob in der Gastro finanziert. Den mache er immer noch, weil es ihm Spaß bereite: »Ich gehe lieber zweimal abends arbeiten, als zu Hause RTL2 zu gucken und zu verblöden.« Die Regierung feiere die Mindestlohnerhöhung. Das klinge wunderbar, aber was dabei nicht bedacht wurde, sei, auch die 450-Euro-Grenze für Nebenjobs anzuheben. »Die ist damals eingeführt worden, als der Stundenlohn bei sieben Euro lag«, erklärt Jess. »Wir sind jetzt bei zehn Euro.« Das werde als Erfolg verkauft. Aber eigentlich sei das keiner. Man habe vielleicht mehr Freizeit, aber wirklich mehr Geld habe man damit am Ende nicht.

Die FDP regiert in den unterschiedlichsten Koalitionen gerade in drei Bundesländern mit. Jess hat den Traum, mit der CDU zu regieren. Selbst mit den Grünen könnte er sich eine Koalition vorstellen, wenn die noch »vernünftiger« werden würden. Aktuell kämen sie aber mit Forderungen, wie einer weiteren Benzinpreiserhöhung, die er nicht teilen könne. Und dabei vertritt er die Ansicht, dass es richtig war, 2017 nicht mitregiert zu haben. Die Umsetzung der FDP-Ziele sah er nicht gegeben. Würde er das auch vertreten, wenn die FDP wieder die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung ausschlagen würde? »Es kommt dann auf die Kompromisse an.«

EDGAR LOPEZ

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