anzeige
anzeige
Stadtleben

Mit vollem Körpereinsatz

Leipziger Team gewinnt Goalball-Finale bei Jugend trainiert

  Mit vollem Körpereinsatz | Leipziger Team gewinnt Goalball-Finale bei Jugend trainiert

Das Team der Leipziger Wladimir-Filatow-Schule hat in diesem Jahr den Bundeswettbewerb von» Jugend trainiert für Olympia und Paralympics« im Goalball gewonnen. Die Sportart ist die beliebteste Ballsportart für Menschen mit Sehbehinderung. Sie müssen sich dabei ganz auf ihren Gehör- und Tastsinn verlassen.

»Brillen runter, Ruhe bitte, Play«, ruft Holger Eckardt, es hallt in der Turnhalle der Wladimir-Filatow-Schule, wo jede Woche das Goalball-Training stattfindet. Sieben Jugendliche sind gekommen – gerade so genug, um zu spielen. Die Spieler setzen ihre Brillen auf und das Spiel geht los. Der erste Ball rollt auf das Tor zu, die beiden Jungs davor schmeißen sich auf den Boden und halten ihn auf. Direkt darauf spielen sie ihn auf die Gegenseite, das erste Tor ist gefallen. Die sechs Spieler auf dem Feld zeigen vollen Körpereinsatz. Dabei hört man nichts außer den Ball und die Spieler, wenn sie auf dem Boden aufkommen. Rollt der Ball aus dem Spielfeld, reichen Eckardt oder Tino Thomas, die die Mannschaft trainieren, ihn wieder rein.

Goalball ist die beliebteste Ballsportart für Menschen mit Sehbehinderung. Ziel ist es, den Ball in das gegnerische Tor, das neun Meter lang ist, zu spielen. Die drei Spieler einer Mannschaft haben dabei feste Plätze auf dem Spielfeld, zwei sind direkt vor dem Tor positioniert, ein Spieler steht vor ihnen in der Mitte. Damit das Spiel für alle gleich fair ist, tragen die Spieler lichtundurchlässige Brillen, sodass sie nichts sehen. Dafür sind an dem Ball Glöckchen befestigt. So hören die Spieler, wo sich der Ball befindet. Mit Händen und Füßen ertasten sie außerdem die Markierungen, mit denen das Feld abgeklebt ist.

Goalball ist ein sehr schneller Sport, was unter anderem mit der zehn-Sekunden-Regel für den nächsten Angriff zusammenhängt.  Die zehn Sekunden beginnen, wenn der Ball in Besitz eines Teams kommt. Überschreitet das Team die Zeit, gibt es »Penalties«, was einem Elfmeter beim Fußball gleichkommt. Ganz ungefährlich ist Goalball nicht, die Spielerinnen werfen sich ständig auf den Boden, um den Ball des generischen Teams zu halten. Deswegen wird Goalball auch mit Schutzausrüstung gespielt, wie Knieschutz, Ellbogenschutz, Tiefschutz und für Frauen gibt es noch einen Brustschutz. Eine blutende Nase, umgeknickte Finger oder blaue Hüften sind vor allem für Einsteiger nichts Ungewöhnliches. Zusammenstöße kämen aber trotz Blindheit aller auf dem Feld eher selten vor, erzählt Tino Thomas.

In der Ersten Bundesliga beim Goalball spielen gerade mal sechs Mannschaften, in der Zweiten sind es zehn. Es ist ein noch relativ kleiner Sport. Der Verein »L.E. Sport« ist der einzige Goalball-Verein in Leipzig und war ursprünglich nur eine AG an der Schule. Er deckt drei Altersklassen ab: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Bis zum vergangenen Jahr spielte sogar ein Nationalspieler in der Erwachsenen-Mannschaft in Leipzig, verließ sie jedoch, als sie in die zweite Liga abstieg.

Auf die Frage, ob man als Profi vom Sport leben könne, schüttelt Thomas den Kopf. Die Wettbewerbe hätten aber trotzdem eine große Bedeutung für die Mannschaften. Thomas erzählt von deutschlandweiten Turnieren, aber auch von Reisen nach Griechenland, Litauen und Tschechien.  »Die zehren lange von den Reisen, vor allem deswegen versuchen wir auch Sponsoren zu finden«, sagt Thomas.

Das Training ist für heute vorbei und die Tore werden wieder abgebaut. Leon, ein Schüler der Wladimir-Filatow-Schule, erzählt, dass Goalball für ihn vor allem Spaß bedeute, weil alle gleich seien und niemand einen Vorteil habe. 


Kommentieren


0 Kommentar(e)