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Kultur

»Hier trieb der Lustmönch sein Unwesen«

Slawist Hans-Christian Trepte über helle und dunkle Seiten der Magie

  »Hier trieb der Lustmönch sein Unwesen« | Slawist Hans-Christian Trepte über helle und dunkle Seiten der Magie

Wo zeigt sich schwarze Magie in Osteuropa? Und wo hat slawische Mythologie in Sachsen ihre Spuren hinterlassen? Hans-Christian Trepte spricht mit dem kreuzer über schwarze Hunde, weiße Berge und den sorbischen Faust.

Magie meint die Idee, mit einem »Abrakadabra« die Realität zu ändern?

Ja. Ich blicke aus der Literatur- und Kulturwissenschaft auf diese Phänomene. Nehmen Sie »Harry Potter« oder »Der Herr der Ringe«, da finden Sie alle diese Elemente, die mit Magie verbunden sind, die ganze Bandbreite: Zaubertränke, Tarnmäntel, magische Ringe, Talismane, Totenzauber, Orakelsprüche, Teufelspakte...
 

Wie bei »Faust«?

Ja, darüber werde ich in meinem Vortrag nicht sprechen, aber Leipzig ist mit Mephisto und Faust natürlich der Ort dafür. Aber ich werde den sorbischen Faust erwähnen, den Krabat. Jurij Brězan ist den Ostdeutschen vielleicht bekannt, aber die meisten kennen sicherlich die »Krabat«-Version von Ottfried Preußler. Und die unterscheiden sich stark voneinander.
 

Wie?

Brězans Erzählung ist pro-sorbisch, da hilft Magie den Sorben. Der Name »Krabat« ist abgeleitet von chorwat/chrowat. Der kam aus Kroatien, war quasi ein slawischer Bruder, der den Sorben geholfen hat. Die Magie ist mit Schwarzkollm, der schwarzen Mühle als Ort überall verarbeitet.
 

Die schwarze ist böse Magie?

Schwarz wird immer mit dem Teufel verbunden. Aber im slawischen Bereich, vor allem in Polen, gibt es auch gute Teufel, etwa Hausteufelchen. Es gibt eben auch gute Magie.
 

Das ist dann die weiße.

Ja. Dieses Schwarz-Weiß kommt aus dem Dualismus der heidnischen Götter. Es gab die bösen Götter, wie wir den Berg Czorneboh (Schwarzer Berg, Anm. d. Red) haben in der Lausitz, und es gab die weißen Götter, den Bieleboh,
 

...verkörpert im Weißen Berg bei Bautzen...

Genau. Die Frau des Czorneboh, Mara, war die Göttin des Todes. Das ist bis heute in der Lausitzer Landschaft präsent.
 

Stammt der Dualismus nicht aus dem Christentum?

Da kommt hinzu, dass vieles um- und anders interpretiert wurde durch das Christentum. Nehmen Sie den Nobelpreisträger Czesław Miłosz. Der stammt aus Litauen, das letzte christianisierte Land Europas. Hier war die heidnische Magie sehr lebendig und ist es heute wieder. Das alles hat man in Miłosz' Roman »Tal der Issa«, etwa Untote und ihre Pfählung.
 

Sie stellen eine Renaissance der Magie in Osteuropa fest?

Es gibt hier eine neuheidnische Bewegung, die teilweise stark mit Nationalismus verbunden ist, besonders in Russland. Aber man hat sich zum Beispiel in Litauen auch auf heidnische Wurzeln besonnen im Zuge der Unabhängigkeit und gegen die Sowjetisierung. In Polen gibt es eine Menge von Vereinen, die sich damit beschäftigen. Diese Versuche der Wiederbelebung sehe ich positiv, diese nationalistischen Strömungen nicht.


Was wäre ein Beispiel für eine solche Wiederbelebung?

In Polen gibt es so genannte Flüsterhexen, die mit Heilkräutern und -wässern beschwören. Die werden von Leuten aufgesucht, die verzweifelt sind, weil die Medizin ihnen nicht helfen kann. Das ist vergleichbar mit Pilgern zu christlichen Stätten wie zur schwarzen Madonna. Das sind ähnliche Mechanismen, wo man sich Heilung verspricht.
 

Sachsen ja auch eine slawische Geschichte, gibts hier auch schwarze Magie?

Im Gebiet zwischen Elbe und Oder sind ja fast alle Stadt- und Flussnamen slawischer Herkunft. Da gibt es zahlreiche Sagen heidnischen Ursprungs und solcher, die Schwarze Magie enthalten.
 

Zum Beispiel?

Der schwarze Benno war ein lüsterner Mönch, der erst in Meißen sein Unwesen trieb, dann noch schlimmer in Bautzen, bevor er nach Leipzig kam. Hier hat man diesen Lustgreis in eine Flasche hinein gezaubert, um ihn zu bannen. Er wurde zum Flaschengeist, den man in einem Keller vergrub. Eines Tages entdeckt ein schönes Mädchen diese Flasche mit dem leuchtenden Geist und stellt sie als Lampe an ihr Bett. Im Endeffekt wird der Benno durch einen anderen Spruch in einen schwarzen Hund verwandelt. Der treibt bis heute an Pleiße und Parthe sein Unwesen.
 

Den Schlusssatz entwende ich von den »Gespenstergeschichten«: Seltsam, aber so steht es geschrieben.

> »Schwarze Magie«, 27.5., 18 Uhr, Budde-Haus, Lützowstr. 19


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