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Wunderkind und trotzdem Nazi

Zur Darstellung des Leipziger Komponisten Helmut Bräutigam in der Ausstellung »Hakenkreuz und Notenschlüssel«

  Wunderkind und trotzdem Nazi | Zur Darstellung des Leipziger Komponisten Helmut Bräutigam in der Ausstellung »Hakenkreuz und Notenschlüssel«

Titelbild: Christiane Gundlach

Obwohl Deutschland in anderen Ländern als »Erinnerungsweltmeister« gilt, klafft noch immer eine große Lücke zwischen öffentlicher und privater Erinnerung. Vor der Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte – vorausgesetzt, die Vorfahren gehörten nicht zu den Verfolgten – drücken sich die meisten. Zwei Drittel der Bio-Deutschen glauben, dass ihre Großeltern oder Urgroßeltern keine Täter und Täterinnen waren, wie aus der Studie »Multidimensionaler Erinnerungsmonitor 2019« von der Universität Bielefeld hervorging. Es dominiert also die kollektive Unschuldsvermutung. Gleichzeitig nimmt der Wunsch nach »Wiedergutwerdung« zu, den der Journalist Eike Geisel bereits in den Achtzigern attestierte.

Auch die Ausstellung »Hakenkreuz und Notenschlüssel« im Stadtgeschichtlichen Museum, die Machtmissbrauch und Korruption in der Musikstadt Leipzig zwischen 1933 und 45 aufarbeiten will, stolpert über die familiäre Schuldabwehr. In neun thematischen Schwerpunkten – von Gleichklang bis Paukenschlag – ergibt sich darin ein facettenreiches Bild. Allerdings hat sich den gezeigten Figuren und Notenheften ein ungewöhnliches »Ausstellungsstück« hinzugesellt.


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