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Stadtleben

»Es geht nicht um bloße Nahrungsmittelaufnahme«

Aktionswochen für Ernährungskultur starten in Plagwitzer Markthalle

  »Es geht nicht um bloße Nahrungsmittelaufnahme« | Aktionswochen für Ernährungskultur starten in Plagwitzer Markthalle  Foto: Christiane Gundlach

Bei der Plagwitzer Markthalle laufen seit Mittwoch die »Aktionswochen für Lebensmittelkultur«. Dafür haben Schaubühne Lindenfels und Akteure der Plagwitzer Markthalle ein Programm mit Filmen und Veranstaltungen zum Thema Lebensmittel organisiert. Mitorganisator Kristian Luda von »Egenberger Lebensmittel« im Gespräch über die Veranstaltungsreihe.
 

Was muss man sich unter dem Begriff »Lebensmittelkultur« vorstellen?

Der Begriff soll zeigen, dass es nicht um bloße Nahrungsmittelaufnahme geht. Er betont stärker das Drumherum, also die Frage wie isst man, mit wem isst man, wo kommt das Essen eigentlich her und was hängt da vielleicht noch alles dran. Man verdeutlicht die kulturelle Dimension von Lebensmitteln und hebt Aspekte wie Teilhabe hervor: Wer hat eigentlich Zugang zu was und wie kann man Lebensmittel zelebrieren und zugänglich machen?

Wer steht hinter den Aktionswochen für Lebensmittelkultur?

Die Schaubühne Lindenfels organisiert auf dem Hof der Plagwitzer Markthalle dieses Jahr schon zum vierten Mal ihr Sommerkino. Es hat sich dann einfach ergeben, dass »Egenberger Lebensmittel« und die Akteure der Plagwitzer Markthalle Lust hatten, eine Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen, woraus sich letztendlich das Format der »Aktionswochen« entwickelt hat. Die Idee ist, dass jeweils ein Film gezeigt wird, der einen thematischen Bezug zum Thema Essen, Lebensmittel oder Ernährung hat. Anschließend haben wir geschaut, was wir als Rahmenprogramm mit den Akteuren der Plagwitzer Markthalle anbieten können, auch um zu zeigen, was hier in den letzten Jahren entstanden ist.

Wie bringt man Lebensmittelkultur und Sommerkino inhaltlich zusammen?

Wir haben zusammen mit der Schaubühne Lindenfels im Austausch ein Filmprogramm entwickelt. Das sind zum Teil Dokus, aber auch Spielfime verschiedener Genres, die immer etwas mit Gastronomie oder Essen zu tun haben. Wir haben vor allem geschaut, was es in unserem Umfeld schon gibt, zum Beispiel einige Leute aus der japanischen Community.  Daher veranstalten wir am 05.06 einen Japanischen Abend, an dem es japanische Speisen geben wird und anschließend der Film Jiro und das beste Sushi der Welt gezeigt wird, der das Thema Sushi recht anspruchsvoll behandelt.

Das Rahmenprogramm steht also inhaltlich in Verbindung zu den gezeigten Filmen? Am 30. Mai wird etwa der Film »The Old Oak« gezeigt und der Mitmachgarten »Wirrwuchs« gibt vorher einen Workshop.

Wenn es möglich ist. Aber es gibt nicht zu jedem Film ein entsprechendes Rahmenprogramm. Bei dem Film The Oald Oak geht es darum, dass Geflüchtete in Großbritannien in einem Dorf ankommen und mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert sind.  Gleichzeitig thematisiert der Film, wie das Dorfleben in einem alten Gasthaus wiederbelebt wird und wie über das Thema Essen ein verbindendes Element zwischen den Menschen hergestellt werden kann. Deswegen haben wir für diesen Abend auch den »Mitmachgarten Wirrwuchs« angefragt, weil die sich viel mit den Themen Teilhabe und Ernährung auseinandersetzen und dort viele Menschen mit Migrationsgeschichte involviert sind.

Was passiert in den Plagwitzer Markthallen eigentlich abseits der Aktionswochen?

Im Prinzip ist die Plagwitzer Markthalle ein Überbegriff, der für verschiedene Aktivitäten steht, die hier stattfinden. Zum einen gibt es hier den Lebensmittelgroßhandel »Egenberger«, der einige regionale Produkte vertreibt und bis 2018 noch im Westwerk ansässig war.  Es gibt hier auch Produktionsküchen, in denen sich Leute einmieten können, die etwas nach Hygienestandards herstellen müssen und keine eigene Küche besitzen. Dann sind hier auch noch die »Stötteritzer Werkstätten« ansässig, die mit Menschen mit Beeinträchtigung zusammenarbeiten, es gibt den wöchentlichen Samstagsmarkt, außerdem ist die Gründungsküche hier angegliedert, in der wir gemeinsam mit der Uni-Leipzig GründerInnen im Lebensmittelbereich unterstützen. Und dann gibt es hoffentlich in der Zukunft noch eine Kantine, die den in der Gegend arbeitenden Menschen mit leckeren regionalen Angeboten zur Verfügung steht.

Die Aktionswochen stehen unter dem Motto: „Entdecken, Austausch und Sommerkino. An wen richten sich die Aktionswochen, wer kann sich dort austauschen?

Grundsätzlich richten sich die Aktionswochen an alle, die am Thema Lebensmittel interessiert sind und die Lust haben, das zusammen zu zelebrieren. Man muss sich nicht anmelden, sondern kann spontan dazu kommen. Für das Sommerkino kann man die Karten auch online kaufen. Ansonsten gibt es eben thematische Schwerpunkte: Wer sich für eine Gründung im Lebensmittelbereich interessiert, kann zum Stammtisch der Gründungsküche am 6. Juni kommen, und wer sich für japanische Küche interessiert sollte am 5. Juni ab 18 Uhr beim Japanischen Abend vorbeischauen.


> Mehr Informationen zu den Aktionswochen für Lebensmittelkultur in der Plagwitzer Markthalle vom 29.05. - 12.06.2024.


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