anzeige
anzeige

Wider die berauschte Sachlichkeit

Technoveranstaltungen sehen oft nach sachlicher Pflicht aus - wo ist das der Spaß?

  Wider die berauschte Sachlichkeit | Technoveranstaltungen sehen oft nach sachlicher Pflicht aus - wo ist das der Spaß?  Foto: Adobe Stock

Gut möglich, dass ich keine Ahnung habe und alt geworden bin. Aber kann es sein, dass vor allem große und etablierte Tanzveranstaltungen, die Techno auf die Ohren geben, immer noch nach sachlicher Pflicht, nach rhythmischem Arbeitseinsatz säuberlich distanzierter Einzelwesen aussehen? Die typische Gesprächseröffnung am Einlass, die an die Frage »Sind Sie Terrorist?« auf den Dokumenten zur Einreise in die USA erinnert, weist bereits die Richtung. Bestenfalls handelt es sich um eine spontane Übung in Affektkontrolle, weil dieser Feiertauglichkeitstest so durchschaubar und trivial ist, dass die innere Stimme (Magnum) vehement nach Eskalation verlangt. Getragen wird der Abend von mehr oder weniger zur Musik passenden Bewegungen, die von den meisten Gästen mit ausgestellter wie kategorischer Distanziertheit vollführt werden. Womöglich macht das Spaß, man weiß es nicht so genau. Hin und wieder wird für den Flüssigkeitshaushalt und gegen die Überhitzung ein Bier auf die Amphetamine (ist das Zeug noch in?) gestellt oder gemeinsam auf dem Klo nachgelegt – was anschließend mit einer expressiven Geste, weil die Nase juckt, allen mitgeteilt wird. Ein zugeneigt-sachliches Gespräch über die Krise bei Oatly (»Beste!«) und gute Hafermilchalternativen runden die Tanzpause ab. Eine aufmerksame Beobachterin stünde am Rand und würde nach den Hinweisen für Spaß suchen. Angesichts der Dauer der Veranstaltung und der Ausdauer ihrer Gäste muss der sich schließlich irgendwo versteckt halten. Viel gelacht wird in Läden des Typs IfZ oder Berghain jedenfalls nicht.


Kommentieren


0 Kommentar(e)