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Politik

Keine antizionistische Raumnahme

Handala & Co. wollten am 17. Januar die Palästinafrage nach Connewitz bringen – Gewalt und Popcorn blieben aus

  Keine antizionistische Raumnahme | Handala & Co. wollten am 17. Januar die Palästinafrage nach Connewitz bringen – Gewalt und Popcorn blieben aus  Foto: Gegendemo in Connewitz/Tim Wagner


Tausende Menschen haben am 17. Januar in Connewitz demonstriert. Unter dem Motto »Antifa means: Free Palestine« wollten rund tausend Menschen unter Führung der antisemitischen Gruppe Handala gegen das Conne Island und Linxxnet ziehen. Die zwei- bis dreifache Menge an Gegenprotest stellte sich ihnen am Connewitzer Kreuz entgegen.

Was auswärtige Medien als »Migrantifa vs. Antifa« labelten, beruhte in Wahrheit auf einem linken Szenekonflikt – die meisten bei Handala Beteiligten waren weiß und die Instagruppe »Migrantifa Leipzig« ist erst wenige Wochen alt. Handalas propalästinensische Position findet in der israelsolidarisch geprägten Szene des Leipziger Südens wenig Anklang. 

Zu befürchteten Ausschreitungen kam es nicht. Aus dem Handala-Umfeld hatte es im Vorfeld Gewaltaufrufe wie »Zionisten jagen« gegeben. Die »Antifa means: Free Palestine«-Demo zog binnen fünf Stunden die Karli stadteinwärts und bis zum Augustusplatz. Einige Parolen sprachen dabei Israel das Existenzrecht ab und entmenschlichten die Gegenseite: »Zionisten sind Schweine!« Begleitet wurde die Demo immer wieder von Gegenprotest. Dieser blieb friedlich, allerdings fielen aus diesem auch zweifelhafte Einzelaussagen wie: »Netanjahu ist ein Antifaschist«. Eine Kundgebung der extrem-rechten Freien Sachsen, sie hatten sich mit Popcornstand angekündigt, fiel aufgrund fehlender Teilnehmer aus.

Trotz bundesweiter Mobilisierung blieb die Unterstützung für Handala relativ gering. Sie konnten ihre für größere antiimperialistische Kreise attraktive Demoroute nicht durchsetzen, womit die antizionistische Raumnahme scheiterte. Gestört hatten sich einige auch an einer Personalie: Einer der Handala-Köpfe ist als Vizegeschäftsführerin der BSW-Stadtratsfraktion angestellt. Ein Querfronteindruck drängt sich auf, zumal Demonstrationsteilnehmende rechten Streamern wie Sebastian Weber und dem Compact-Magazin Interviews gaben, sich aber gegenüber anderen Medien verwehrten. Ein MDR-Mitarbeiter wurde verletzt.

Trotz aufgeheizter Stimmung und gegenseitiger Provokationen verlief das Geschehen gewaltlos. Die Polizei nahm auf Handala-Seite einige Personalien wegen Verstoß gegen das Vermummungsverbot auf.


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