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Kultur

Ästhetik und Abakus

Die Oper kämpft mit einem Finanzdefizit – und hat sich einen harten Sparplan auferlegt

  Ästhetik und Abakus | Die Oper kämpft mit einem Finanzdefizit – und hat sich einen harten Sparplan auferlegt  Foto: Kirsten Nijhof


»Leipzigs Oper droht Pleite«, titelte die LVZ. Im Artikel selbst kam die Oper allerdings nicht zu Wort. Dem kreuzer sagte Intendant Tobias Wolff: »Das Skandalon gibt es nicht, ein Nachtragswirtschaftsplan ist nichts Besonderes.« Diesen hatte die Oper im Stadtrat eingereicht, weil die Rücklagen nicht mehr ausreichten, um das entstandene Defizit auszugleichen. Darauf bezog sich der LVZ-Text. »Wir stehen mit dem Stadtrat im Austausch und wir haben die Finanzsituation immer kommuniziert«, sagt Wolff. »Wir sagen seit vier Jahren, dass das Problem besteht. Das kam alles also nicht überraschend.«

Ein strukturelles Defizit führte zum Aufbrauchen der Rücklagen. Für dieses sind gestiegene Kosten vor allem für Personal, Material und Energie verantwortlich. Damit haben deutschlandweit viele Häuser zu kämpfen. Die Kürzung der Stadt Leipzig für 2026 fällt zusätzlich ins Gewicht. Bis 2028 werden sich nicht gedeckte Fehlbeträge von rund 7,6 Millionen Euro anhäufen, so die Prognose der Oper.

Mit einem Maßnahmenpaket steuert das Haus dagegen. Es sind zwei Premieren an der Musikalischen Komödie sowie an der Oper gestrichen worden. Zusätzlich werde bei der Häufigkeit von Reinigung sowie der Bewachung gespart. Die Kosten beim Festpersonal sollen in diesem Jahr um eine Million Euro gesenkt werden – allein 2025 wurden zwölf Vollzeitäquivalente nicht besetzt. Gespart werden soll bei den Honoraren von künstlerischen Gästen, Aushilfen und Dienstleistern. Die Ticketpreise will man zur Spielzeit 26/27 um durchschnittlich zehn Prozent anheben, sofern der Stadtrat dem zustimmt.

»Die Kürzungen tun schon weh«, sagt Tobias Wolff. »An dieser Stelle muss die Stadtgesellschaft diskutieren, was für eine Oper sie möchte.« Denn irgendwann gehe sparen nicht mehr, müssten grundsätzlichere Entscheidungen gefällt werden. »Ich habe das Vertrauen, dass die Leipziger und Leipzigerinnen zu ihrem Haus stehen. Jedenfalls habe ich keine Signale vernommen, es ganz in Frage zu stellen.« Dieser Aufgabe müssen sich dann seine Nachfolger stellen. Wolffs Intendantenvertrag läuft 2027 nach einer Amtszeit aus und wurde nicht verlängert.


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