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Stadtleben

Der Ente in die Karte schauen

Im Schloss Altenburg lassen sich Zaubertricks lernen – allerdings nur noch bis zum 8. März

  Der Ente in die Karte schauen | Im Schloss Altenburg lassen sich Zaubertricks lernen – allerdings nur noch bis zum 8. März  Foto: Philipp Hort


Sie waren bestimmt schon mal in einer Zaubershow oder haben anderswo einen Kartentrick gesehen. Möglicherweise waren Sie sogar selbst die Person, die auf der Bühne eine Karte ziehen durfte. Sagen wir, es war die Pik Acht. Sie konnten sich davon überzeugen, dass »Ihre« Karte nicht markiert war und von hinten so aussah wie alle anderen im Kartendeck. Und Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie sie in genau dieses Kartendeck wieder untergemischt wurde, in mehreren Durchgängen. Als der Zauberer anschließend die Karten vor sich ausbreitete, konzentriert betrachtete und dann gezielt Ihre Pik-Acht herauszog, waren Sie verblüfft. Denn das konnte kein Zufall sein. Und Zauberei ja ziemlich sicher auch nicht. Wie also hat er das gemacht?

Wer als Kind einen Zauberkasten hatte, kann sich vielleicht noch grob erinnern, nach welchen Prinzipien so eine Nummer funktionieren könnte. Bei Zaubershows fallen die Tricks natürlich gerne komplexer aus. In Altenburg berichtet davon Maurice Grange. Der ist Zauberkünstler, war darin 2024 Europameister. Im Spielkartenmuseum im Altenburger Residenzschloss erklärt er in Videos seine Arbeit, ohne ihr die Magie zu nehmen. Die Videos sind Teil der Sonderausstellung »Vom Zinken und Zaubern«. Die Videos sind nur ein Teil der bunten Schau, für die das Museum insgesamt 120 Objekte zusammengetragen hat.

Ein bisschen Historie gehört natürlich auch dazu. Kunststückchen und Zaubertricks gab es lange bevor sich Spielkarten verbreiteten, für die es erst entsprechende Drucktechniken brauchte. Spätestens im Spätmittelalter spielte auch Kartenmagie eine Rolle, diese Kunstfertigkeit findet ab dem 16. Jahrhundert Erwähnung. Die Trickkunst wanderte von den Jahrmärkten im 18. Jahrhundert in die Salons, das aufgeklärte Bürgertum fühlte sich unterhalten. Im 19. Jahrhundert betraten die Kartentricks größere Bühnen, Bücher zur Kartenzauberei erschienen, die laut Museum »bis heute eines der umfangreichsten Gebiete der Zauberkunst« ist.

Zu sehen sind unter anderem Notizbücher mit Skizzen für Kunststücke. Oder impossible bottles, Flaschen mit dem bekannten, sprichwörtlich gewordenen schmalen Hals, in deren Bauch sich eine Schachtel mit Kartenspiel befindet. Oder sogenannte Kartenenten, die dem Zauberkünstler dabei helfen, die richtige Karte aus dem Stapel zu ziehen. Auch gezinkte Karten sind ausgestellt, die sich hier in aller Ruhe betrachten lassen – die Zeit dafür bleibt in Zaubershows ja ebenso wenig wie für das Durchschauen von unauffälligen Beeinflussungen oder vermeintlich simplen Ablenkungsmanövern. Vor allem können die Besucherinnen und Besucher selbst anfassen, nachmachen und sich in der Magie probieren. Das Museum arbeitete für die Ausstellung nicht nur mit einem Zauberer zusammen, sondern beispielsweise mit Spielkartendesignern aus sechs Ländern, mit der Stiftung Zauberkunst und mit dem Magischen Zirkel – dort treffen sich Zauberinnen und Zauberer.

Wenn Sie schon mal dort sind, sollten Sie auch das Schloss Altenburg und die Stadt selbst in Augenschein nehmen. Dafür hier nur ein paar Stichworte: Das Schloss auf seinem Porphyrfelsen hat ziemlich beeindruckende Ausmaße, es gehören einige Gebäude aus tausend Jahren architektonischer Geschichte dazu. Apropos Geschichte: Die von Schloss und Stadt wird dort ebenso erzählt wie die der Spielkarte. Das Spielkartenmuseum dort ist kein Zufall, denn: Wer schon mal Skat gespielt hat, hatte bestimmt ein Blatt aus Altenburg in der Hand. Der Spielkartenerlebnispfad führt durch die Altstadt und gibt eine mögliche Route für einen Rundgang durch historische Gassen vor. Die Stadt hat viele Türme, das fällt vom Schlossfelsen aus auf. Ein Wahrzeichen bilden die Roten Spitzen, der backsteinerne Doppelturm der einstigen romanischen Marienkirche. Nördlich davon befindet sich der Skatbrunnen. Hier wurde Skat nämlich erfunden und deshalb sitzt das Internationale Skatgericht in der Stadt.

Damit noch einmal zurück zur Kartenmagie: Ein paar Zaubertricks lassen sich nämlich in der Sonderausstellung auch lernen. Und von Maurice Grange ist zu erfahren, dass vor dem gelungenen Trick und dem bühnenreifen Auftritt viel Übung steht – es ist schließlich noch kein Zauberer vom Himmel gefallen.


> »Vom Zinken und Zaubern – die große Kunst der Kartentricks«: bis 8.3., Di–So, feiert. 10–17 Uhr, Spielkartenmuseum Altenburg, www.residenzschloss-altenburg.de
> Kindermuseumsnacht »Rüdiger verzaubert«: 6.3., 17–21 Uhr, Residenzschloss, Lindenau-Museum, Naturkundemuseum Mauritianum


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