anzeige
anzeige
Editorial

Der neue kreuzer ist da!

Die Nato eröffnet wieder

  Der neue kreuzer ist da! | Die Nato eröffnet wieder  Foto: Christiane Gundlach/Tanja Kirmse

»I’m sittin’ here in the boring Room

It’s just another rainy Sunday Afternoon

I’m wastin’ my Time, I got nothin’ to do

I’m hangin’ around, I’m waitin’ for you

But nothing ever happens

And I wonder«

– Fools Garden, am 5.3. im Kupfersaal

Und, wann waren Sie das erste Mal in der Nato? Haben Sie ein Konzert besucht oder ein Theaterstück? Einen Film vielleicht? Oder einfach ein Bier trinken wollen? Können Sie sich erinnern oder sind all die Abende danach im Soziokulturzentrum am Südplatz zu einer subkulturellen Gesamtgemengelage verschmolzen?

Tine Zeiler erinnert sich einigermaßen genau: »Das war 1995 oder 96. Ich habe damals viel geschweißt«, hat mir die aktuelle Geschäftsführerin der Nato erzählt – und zwar so, als ob das eine erwartbare Antwort auf meine Frage wäre. Sie habe damals Objekte geschweißt für Aktionen und Konzerte im Nato-Saal, auch riesige Aschenbecher sowie – eine Pointe jagt die nächste – jene vier Buchstaben, die heute an der Fassade des Hauses hängen: ein n, ein a, ein T und ein o.

Auch Torsten Hinger erinnert sich an seinen ersten Besuch erstaunlich gut: Eher zufällig sei er 1982 im für ihn bis dahin als Unort wahrgenommenen Kulturhaus Nationale Front gelandet. Ein Plakat hatte Jazz angekündigt und irgendwie interessant ausgesehen. Was dann auf der Bühne passierte, faszinierte ihn, Hinger kam immer wieder – erst als Gast, dann auch Theater spielend. Mitte Oktober 1989 bot man ihm eine Anstellung in der Nato an. Seitdem hat er so ziemlich jede Funktion im Verein bekleidet, war viele Jahre fürs Programm verantwortlich.

Man kann mit beiden ganz wunderbar in die Geschichte und Geschichten der Nato eintauchen – und damit in die der Leipziger (Sub-)Kultur, für die das Haus am Südplatz so wichtig und so sinnbildlich ist. Nach Monaten des Umbaus öffnet die Nato am 7. März wieder ihre Pforten. Wir haben uns in der Titelgeschichte schon mal für Sie umgesehen und umgehört.

Und weil Sie ja gewohnt sind, dass ich an dieser Stelle auch das nie geschriebene Tagebuch ein bisschen aufklappe: Mein erster Besuch in der Nato war 2004 das Konzert der seinerzeit grandiosen belgischen Band Girls in Hawaii. Wobei die auch 2008 noch mal dort spielte, wie ich jetzt bei setlist.fm lese. Und was weiß ich denn, bei welchem der beiden Konzerte ich nun war? Das ist hundert Jahre her! Und trauen kann man seinen Erinnerungen ja doch nicht. Auch darum geht es übrigens in dieser Titelgeschichte.

BENJAMIN HEINE

chefredaktion[at]kreuzer-leipzig.de


Kommentieren


0 Kommentar(e)