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Kultur

Der nimmermüde Überlebende

Der ehemalige HASAG-Zwangsarbeiter und Buchenwald-Häftling Andrei Iwanowitsch Moiseenko besucht kurz vor seinem 100. Geburtstag Leipzig

  Der nimmermüde Überlebende | Der ehemalige HASAG-Zwangsarbeiter und Buchenwald-Häftling Andrei Iwanowitsch Moiseenko besucht kurz vor seinem 100. Geburtstag Leipzig  Foto: Christian Rothe

Einhundert Jahre alt wird Andrei Iwanowitsch Moiseenko am 1. Mai und kurz vorher kommt er wieder einmal nach Leipzig. Seine erste Anreise liegt einige Jahrzehnte zurück. Mit 15 Jahren musste er aus der Ukraine kommend ab 1941 zwei Jahre als Zwangsarbeiter bei der HASAG in der Produktion und später im Ersatzteillager schuften. Die im Nordosten der Stadt gelegene HASAG – die Hugo Schneider AG – als größter sächsischer Rüstungsbetrieb war unter anderem auf Panzerfäuste spezialisiert.

Unter Verdacht, Anführer von widerständigen ausländischen Arbeitern zu sein, kommt Moiseenko für zwei Monate in ein Gestapo-Gefängnis in Leipzig und muss weiter Zwangsarbeit verrichten. Im Mai 1944 wird er ins KZ Buchenwald deportiert, erlebt dort dessen Befreiung – und geht nach Minsk.

2018 entsteht der Dokumentarfilm »Ja, Andrei Iwanowitsch« unter der Regie von Hannes Farlock und Sinie Gory, der ihn in seinem Alltag ebenso begleitet wie zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Gemeinsam gehen Moiseenko und Farlock damals auf Film- und Gesprächstour. Mittlerweile entsteht ein weiterer Film mit dem Titel »Alles, was ich immer wollte, war alles«, der Moiseenkos Lebens in unterschiedlichen Zusammenhängen dokumentiert – etwa in Asien oder auch bei der Eröffnung des Museums für Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar 2024.

In diesem Jahr besucht Andrei Iwanowitsch Moiseenko wieder die Feierlichkeiten zur Befreiung im KZ Buchenwald als einer der letzten Überlebenden – und wird im Anschluss vom 20. bis 22. April in Leipzig und Umgebung bei drei Filmvorführungen anwesend sein, organisiert von der Gedenkstätte für Zwangsarbeit, die sich seit 2001 auf dem ehemaligen HASAG-Gelände befindet.

Am 23. April empfängt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung Andrei Iwanowitsch Moiseenko, der sich bei dieser Gelegenheit auch ins Goldene Buch der Stadt eintragen wird.

Eine Woche später wird im Westflügel in seinen 100. Geburtstag reingefeiert. Am anschließenden Nachmittag geht die Feier im Deutschen Nationaltheater in Weimar weiter.


> 20.4., 19.30 Uhr, Passage-Kinos, 21.4., 18 Uhr, Kulturkino Zwenkau, 22.4., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling


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