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Stadtleben

Leerstellen in der Gesellschaft

Eine Ausstellung über Wohnungslosigkeit im Hallenser Stadtmuseum

  Leerstellen in der Gesellschaft | Eine Ausstellung über Wohnungslosigkeit im Hallenser Stadtmuseum  Foto: Britt Schlehahn

Drei Menschen erzählen von ihrer Situation im Haus der Wohnungshilfe in Halle. Ein Mann, der aufgrund von Krankheiten nicht mehr arbeitsfähig ist, hat das Gefühl, dass die Leute von der Straße aus auf das Grundstück wie in ein Zoogehege schauen.

In der Unterkunft am Böllberger Weg können Menschen Zimmer beziehen und zahlen dafür Miete. Wie ein Film anhand der drei Geschichten erzählt, können die Umstände, dieses Angebot der Stadt Halle anzunehmen, ganz unterschiedlich sein. Der halbstündige Film mit den Interviews und den Ansichten aus der Unterkunft ist in der Ausstellung »tagsüber bin ich woanders (hier bin ich nur nachts)« im Stadtmuseum Halle zu sehen. Sie thematisiert Wohnungslosigkeit und unsicheres Wohnen in Halle. Entstanden ist sie als Kooperationsprojekt des Studiengangs Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Evangelischen Stadtmission Halle und dem Stadtmuseum Halle.

Der Ansatz bestand darin, eine Ausstellung mit Wohnungslosen zu konzipieren und ihre Positionen aktiv einzubringen, sie nicht als am Rand der Gesellschaft lebend vorzuführen, sondern als Teil der Gesellschaft zu zeigen. Und so auch die Lösung dieser Zustände als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu vermitteln. Wohnungslosigkeit soll in Halle bis 2030 nicht mehr existieren. Modelle – wie Trainingswohnen seit September 2024 oder Housing First seit Dezember 2024 – geben Hilfestellungen, können aber das Problem nicht ganzheitlich lösen.

Die Ausstellungen, das Veranstaltungsprogramm und das Begleitheft zeigen viele Perspektiven in Bild, Ton und Wort auf, die zur Vielschichtigkeit der Wohnungslosigkeit gehören. Neben dem Video sind Fotografien von öffentlichen Orten und Porträts von Betroffenen zu sehen, die zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 entstanden. Auch Interviews im Hallenser Stadtraum, bei der Sozialberatung, in der Jugendwerkstatt, in Wärmestuben, im Haus der Wohnungshilfe sowie eins am Leipziger Hauptbahnhof sind nachzulesen gezeigt. Sozialarbeitende erzählen von ihrer Tätigkeit ebenso wie Museumsmitarbeitende über Lücken, die in Bezug auf Wohnungslosigkeit in der musealen Sammlung der Stadtgesellschaft bestehen. Sie alle berichten von den Herausforderungen, den vielen Gründen für Wohnungslosigkeit und den Träumen. Gleichzeitig dokumentiert die Ausstellungen sehr genau die zahlreichen, alltäglichen Ausgrenzungen durch andere, nicht betroffene Menschen, die sich als Norm innerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse sehen.

Das Begleitheft fasst zudem zusammen, welche Aufgaben wem in Bezug auf Obdachlosigkeit zufallen, welche Hilfestellungen existieren und warum in Halle wohnungslose Menschen keine Wohnung finden. Sozialarbeiter berichten von den Herausforderungen, mit wenigen Stellen dem steigenden Bedarf an Betreuung und Beratung zu begegnen.


> »Tagsüber bin ich woanders (hier bin ich nur nachts)«: bis 31.5., Stadtmuseum Halle, Große Märkerstr. 10, 06108 Halle, Mi-So, Feiertage, 10-17 Uhr

> »Leben und Sterben auf der Straße: Obdachlosigkeit in Halle«: Filmvorführung und Gespräch mit dem Filmemacher Daniel Tautz: Druckerei, Große Märkerstr. 10, 06108 Halle, 30.4., 16 Uhr




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