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Politik

Motoren auf dem Cossi ausgebootet

Episode aus dem Stadtrat vom 27. Mai 2026

  Motoren auf dem Cossi ausgebootet | Episode aus dem Stadtrat vom 27. Mai 2026  Foto: Stefan Ibrahim

Das Eis tropft langsam an der Waffel herunter, das Gras kitzelt an den Beinen und die Sonne scheint ins Gesicht. In den Ohren nichts als Vogelgezwitscher und Kindergelächter. Und dann, plötzlich, aus dem Nichts: ein unüberhörbares, anhaltendes Dröhnen, kleine Wellen schwappen ans Ufer, Vögel fliegen verschreckt aus dem Schilf auf. Ab dem 1. Februar 2026 wurde der Cospudener See von der Landesdirektion Sachsen offiziell für Sportboote ohne Motor, aber eben auch für Fahrgastschiffe und motorangetriebene Sportboote freigegeben, zumindest theoretisch. Der Umweltschutzverbund Ökolöwe hat im Januar 2026 Widerspruch gegen die Allgemeinverfügung eingereicht und das Inkrafttreten dieser damit auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch die Grünen wollen nun gegen die Allgemeinverfügung vorgehen. Tobias Peter (Grüne) merkt insbesondere an, dass Lärm, Wellenschlag und Emissionen die Tierwelt stören und langfristig dafür sorgen könnten, dass geschützte Vogelarten vertrieben werden. Und das sei noch nicht alles: Luftschadstoffe und »Einträge von Öl und Kraftstoff« seien eine Gefahr für das vergleichsweise junge Ökosystem. Und weil die Schifffahrtsverordnung zwar Beschränkungen zulässt, nicht aber in der Antriebsart der Motoren, brauche es eine Novellierung dieser Verordnung. Für die soll sich Oberbürgermeister Burkhard Jung vor der Landesdirektion Sachsen aussprechen, heißt es im Antrag der Grünen. Tobias Peter betont, er sei dankbar für den Widerspruch des Ökolöwen, merkt allerdings auch an, dass aufgeschoben nicht aufgehoben sei.

Sabine Heymann (CDU) bezieht ebenfalls Stellung. Sie wolle auf keinen Fall gegen den Naturschutz reden, betont sie – auch wenn das, was auf diese Beteuerung folgt, ein wenig anders klingt: Es führe an der Praxis vorbei, über ein Verbot von Verbrennermotoren auf dem Cospudener See zu diskutieren. Schließlich gebe es sowieso keinen Platz mehr an den Anlegestellen. »Und wer auf die Idee kommt, man könnte ja mitten auf dem See ankern: Der ist 45 Meter tief, das ist nicht ganz so einfach!« Stattdessen solle man sich im Stadtrat mit einer Ausdifferenzierung der Seen in und um Leipzig beschäftigen. Einige von ihnen sollten natürlich mehr der Natur zugeführt werden. Andere sollten aber durchaus auch eine intensivere Nutzung durch sportbegeisterte Menschen zulassen. Peter, der grundsätzlich bereit zur Ausdifferenzierung sei, merkt an, dass das Eine das Andere ja gar nicht ausschließen müsse. Vielmehr erlaube eine Novellierung der Schifffahrtverordnung nur einen größeren Handlungsspielraum, um die Nutzung der Seen längerfristig zu modellieren.

Was aus der Abstimmung mit 38 Ja-Stimmen und 24 Nein-Stimmen folgt, lässt das Herz aller Grünen, Ökolöwen und Vögel im Schilf höherschlagen: Ob per See-, Land- oder Postweg: Die Landesdirektion Sachsen wird von Burkhard Jung hören.


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