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Kultur

Jüdische Kultur sichtbar machen

Am Sonntag startet die Jüdische Woche in Leipzig

  Jüdische Kultur sichtbar machen | Am Sonntag startet die Jüdische Woche in Leipzig  Foto: Capa-Haus

»Unser Selbstverständnis ist nicht nur, Jüdinnen und Juden in Leipzig zu schützen, sondern beides, jüdisches Leben und jüdische Kultur, als festen und wertvollen Bestandteil Leipzigs sichtbar zu machen und zu stärken«, bekräftigte Burkhard Jung in seinen einleitenden Worten im Programm der 17. Jüdischen Woche in Leipzig.

Sie beginnt am kommenden Sonntag und findet anlässlich des Themenjahrs »Tacheles 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen« ausnahmsweise nicht im traditionellen Rhythmus aller zwei Jahre, sondern bereits nach der 16. Ausgabe im vergangenen Jahr dieses Jahr wieder statt.

130 Veranstaltungen können zwischen dem 21. und 28. Juni besucht werden: von Ausstellungen bis Lesungen, Workshops zur aktuellen Situation, Konzerten und Theateraufführungen. Vor allem Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde, betonte beim Pressetermin in der vergangenen Woche seine große Freude, dass die jüdische Gemeinde als Akteur und nicht nur als Statist auftritt.

Seit 1995 findet zur Festwoche auch das Besuchsprogramm statt, bei dem ehemalige Leipzigerinnen und Leipziger jüdischen Glaubens sowie ihre Familien in die Stadt eingeladen werden. In diesem Jahr haben sich über 80 Gäste aus Israel, den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Australien und Neuseeland angemeldet.

Die Eröffnung findet am 21. Juni um 15 Uhr in der Oberen Wandelhalle des Neuen Rathauses mit Küf Kaufmann und Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke statt, die beim Pressetermin besonders hervorhob, dass in dem Veranstaltungsprogramm mehr als 70 Vereine und Institutionen involviert seien. Sie versteht dies »als ein starkes Zeichen für das breite gesellschaftliche Engagement und für die Bedeutung dieses Fests für die Stadt.«


Ein Ausblick auf ausgewählte Veranstaltungen

Zu den 130 Veranstaltungen gehören traditionellerweise Führungen – etwa durch die Brodyer Synagoge in der Keilstraße (21.6., 23.6., 25.6.), über den Alten Israelitischen Friedhof in der Berliner Straße (21.6., 23.6., 25.6.) und den Neuen Israelitischen Friedhof in der Delitzscher Straße (22.6.). Ebenso können die Henriette-Goldschmidt-Schule oder die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek in der Deutschen Nationalbibliothek besucht werden.


Verlegung von Stolpersteinen

Am 25. Juni werden Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern – beispielsweise um 11.15 Uhr in Wahren Am Hirtenhaus 5. Hier vor dem ehemaligen jüdischen Schußheim’schen Altersheim werden die Stolpersteine der Eheleute Lesser, die in den vergangenen Jahren immer wieder geschändet wurden, mit denen für die zwei Schwestern Elise und Rosa Beermann neu verlegt. Um 14 Uhr bekommen im Ranstädter Steinweg 15 die Familie Rosenstein zehn Steine. Sie wurde im Zuge der sogenannten Polenaktion Ende Oktober 1938 nach Polen abgeschoben. Von den acht Kindern überlebten nur zwei den Holocaust. In der Dresdner Straße 82 wird ab 15.45 Uhr ein Stolperstein an Max Ferda erinnern, der Ferda’s Lesezirkel organisierte. Geboren 1886 in Leipzig, wurde der Kaufmann am 9. September 1941 verhaftet und am 5. Februar 1942 wegen staatsfeindlicher Äußerungen vom Sondergericht Leipzig zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt undnach Auschwitz deportiert, wo er am 24. Januar 1943 starb.


Konzerte

Jeden Tag finden an der Gedenkstätte am Ort der Großen Gemeindesynagoge in der Gottschedstraße um 17 Uhr Musikaufführungen statt.

Am 21. Juni gastiert in der Grieg-Begegnungsstätte Ben Cruchley. Der kanadische Pianist spielt unter anderem Werke von Hanns Eisler. Einen Tag später findet das 3. Jüdische Straßenmusikfestival von 15 bis 18 Uhr in der Innenstadt statt.


Ausstellungen

Die im Stadtgeschichtlichen Museum zu sehende Ausstellung über das Fotoarchiv Mittelmann erzählt über die Geschichte des Fotostudios und dessen Ende der 1980er Jahren auf dem Dachboden im Haus Petersteinweg 15 gefundenen 2.000 Aufnahmen auf Glasnegativen, die vor allem Menschen porträtierten. Über 860 konnten mittlerweile identifiziert werden. Die Ausstellung zeigt neben den Biografien der Familie Mittelmann die Lebensgeschichten der Abgebildeten anhand ausgewählter Beispiele. Im Rahmen der Jüdischen Woche lädt das Museum am 24.6. und 27.6. zu Führungen ein.

Mit »You are looking at one! Lebenswege ungarischer Jüdinnen« stellt der Kulturbahnhof Markkleeberg im Rathaus von Markkleeberg bis zum 26. Juni die Recherchen von Mandy Gehrt zu den Biografien der Insassinnen des KZ-Außenlagers am Equipagenweg aus. Die Künstlerin stellt das Projekt zudem am 24. Juni um 18 Uhr in der Galerie für Zeitgenössische Kunst vor. Am 25. Juni eröffnet die Ausstellung zu 25 Jahre Jüdische Gedenkstätte Gottschedstraße in der Alten Nikolaischule


Lesungen und Vorträge

Zu einer szenischen Lesung mit dem Titel »Jüdische Selbstzeugnisse aus der Riebeckstraße« lädt die Riebeckstaße 63 am 23. Juni um 18 Uhr ein. Über jüdische Identitäten in der DDR dreht sich die Lesung am 23. Juni um 19 Uhr Frauenkultur oder um 19.30 Uhr im Literaturhaus, wenn die Autoren Alexander Walther und Philipp Graf ihre jeweiligen Bücher zur Shoah in der DDR und zum Umgang mit jüdischer Geschichte in Halberstadt vorstellen. Im Capa-Haus und in der Deutschen Nationalbibliothek sind aktuell Arbeiten des jüdischen Fotografen Fred Stein zu sehen. Am 23. Juni stellt Daniel Siemens seine Biografie über ihn vor.

Über jüdische Migration aus der ehemaligen Sowjetunion handelt der Vortrag in der HTWK am 24. Juni um 17.15 Uhr im Trefftz-Bau. Ihr Buch »Gefeiert und vergessen? Jüdischn und im Nationalsozialismus verfolgte Künstler an der Leipziger Oper 1890–1933« stellt Allmuth Behrendt am 25.6. um 18 Uhr Capa-Haus vor. Wer am 27. Juni am Workshop »Antisemitismus reloaded« teilnehmen möchte, der melde sich unter der Emailadresse an info@goase-ev.de.


> Jüdische Woche, 21.-28.6., verschiedene Orte
> Das komplette Programm gibt es unter www.leipzig.de


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