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Stadtleben

Felsen, Wald und Maler

Der Kleine Bärenstein in der Sächsischen Schweiz ist ein Tafelberg in hübscher Landschaft

  Felsen, Wald und Maler | Der Kleine Bärenstein in der Sächsischen Schweiz ist ein Tafelberg in hübscher Landschaft  Foto: Tommy Michel

Zwischen Königstein und Pötzscha fließt die Elbe in weiten Bögen, die S-Bahn braucht für den Weg zehn Minuten. Zu Fuß über den Kleinen Bärenstein sind es sieben Kilometer, für die sich zweieinhalb Stunden veranschlagen lassen; der höchste Punkt liegt in 337 Metern Höhe. Die Tour ist moderat mit leichten Steigungen und durchaus für Gruppen mit Kindern geeignet. Außerdem lässt sich über reizvolle Abstecher nachdenken. Zum Beispiel muss man an der Festung Königstein nicht einfach nur vorbeilaufen, sondern kann sich oben um- und vor allem: runterschauen.

Von der Festung aus geht es in nordwestlicher Richtung auf dem Malerweg nach Thürmsdorf, gequert werden die Burgstraße und der Waldbach. Dessen Name passt ganz gut, weil der Weg bis zur Ortschaft überwiegend durch Wald führt. Zum Ort gehört die Malerwegkapelle. Die wurde vor gut hundert Jahren am Elbhang errichtet, und zwar eigentlich als Mausoleum für die Familie, die zu der Zeit auf Schloss Thürmsdorf lebte. Deren sterbliche Überreste sind längst nicht mehr dort, die Kapelle steht der Öffentlichkeit offen. Der Park des Schlosses – eigentlich eher ein Herrenhaus – ist ebenfalls frei zugänglich. Unterhalb vom Schloss stellt eine Manufaktur Schokolade her. Die Produkte verkauft das Schokoladencafé. Unweit der Malerwegkapelle lässt sich die Thiele-Aussicht genießen. Sie hat ihren Namen vom Landschaftsmaler Johann Alexander Thiele (1685–1752), der den Blick auf die »Elblandschaft mit Königstein« von hier in Öl auf Leinwand verewigte. Möglicherweise hat Adrian Zingg (1734–1816, in Leipzig gestorben) ebenfalls hier gestanden, als er den Königstein und auch den Lilienstein mit Feder und Pinsel verewigte.

Die Thiele-Aussicht ist Teil des Malerwegs. Der 112 Kilometer lange Fernwanderweg führt entlang der Lieblingsplätze von Malern überwiegend der Romantik und nimmt die beliebtesten Naturziele mit. Sein Name verdankt sich vielleicht Caspar David Friedrich (1774–1840) und Co., vielleicht auch der malerischen Umgebung. Ein weiterer der hier tätigen Maler war Robert Sterl (1867–1932). In seinem einstigen Wohnhaus in Naundorf – nicht weit von Thürmsdorf – widmet man sich Sterls Nachlass. Der Steinmetz-Sohn hielt Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Elbsandsteinbrüche und die harte Arbeit der Steinbrecher auf Leinwand fest. Er dokumentierte damit einerseits Technologiegeschichte und das Leben im sächsischen Teil des Elbsandsteingebirges, andererseits seine eigene künstlerische Entwicklung zwischen Realismus, Impressionismus und Expressionismus.

Der Sandstein aus der Sächsischen Schweiz prägte bei Weitem nicht nur die Architektur Dresdens, er wurde auch in Berlin, Potsdam, Hamburg, Magdeburg oder Senftenberg verbaut. Und der Sandstein ist der Grund, warum Menschen Ausflüge in dieses Gebirge machen, denn er besorgt die Landschaft: Vielgestaltige Felsformationen, Tafelberge, tiefe Schluchten und Wälder sind Garanten für gute Aussichten und dramatische Ansichten. Den Malerweg als Wanderweg in Etappen gibt es seit zwanzig Jahren; seither markiert ihn ein wie schwungvoll hingetuschtes schwarzes M auf weißem Grund.

Ebenfalls zu Thürmsdorf gehört die Götzingerhöhle. Hier kann man gut Verstecken spielen, außerdem eines Mädchens gedenken, das sich während des Dreißigjährigen Krieges der Verfolgung durch schwedische Soldaten entzogen haben soll, indem es sich vom Felsen stürzte. Hier erinnert auch eine Tafel an Wilhelm Leberecht Götzinger (1758–1818), einen Theologen, der die Sächsische Schweiz als Erster umfassend heimatkundlich beschrieb. Am Dorfrand von Thürmsdorf befindet sich mit dem Pehnafall der höchste Wasserfall in der Sächsischen Schweiz. Einer der schon erwähnten Tafelberge ist der Kleine Bärenstein, der sich hinter Thürmsdorf erhebt. Hinauf führen Treppen, von oben zu sehen: Felsen und weitere Berge – Bastei, Pfaffenstein und natürlich die ebenfalls schon erwähnten Lilienstein und Königstein. Nach Pötzscha hinunter sind es nun noch zwei Kilometer. Ein Abstecher über Naundorf zu Robert Sterl ermöglicht den Blick auf Kleinen und Großen Bärenstein, Einkehr in der Gaststätte Schöne Höhe ist in diesem Jahr leider nicht möglich.


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