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Editorial

Der Juli-kreuzer ist da!

  Der Juli-kreuzer ist da! |   Foto: Christiane Gundlach/Chris Schneider

Liebe Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung,

wir begrüßen Sie ganz herzlich hier beim kreuzer und haben vollstes Verständnis dafür, dass Sie Ihr LVZ-Abo gekündigt haben. Denn klar, die fünfzig »Visionen« für Leipzig im Winter waren großer Quatsch und die Click-erheischenden Online-Umfragen werden auch nicht besser. (Wir warten ja schon lange auf »Welches ist Ihre Lieblingstankstelle in Leipzig?« und »Was sind Leipzigs 10 beliebteste leere Ladenflächen in der Innenstadt?«.) Aber die Hofberichterstattung Mitte Juni für die Bösen Onkels rund um deren beide Konzerte in Leipzig war dann einfach zu viel, da haben Sie gesagt: Damit will ich nichts zu tun haben, jetzt kündige ich mein Abo!

Wir verstehen das nur zu gut. Auch wir haben gesehen, dass die LVZ einen Experten gefunden hat, der uns allen erklärt: Die einst wichtigste deutsche Rechtsrockband kann man heute guten Gewissens hören! Sie distanziert sich seit Langem glaubhaft. Und die Nazis selbst hören die auch gar nicht mehr! Also kann die LVZ der Band und ihren zweimal mehr als 50.000 Fans in Leipzig genauso guten Gewissens den roten Teppich ausrollen: Harmloses Umhören bei den Fans vorm Warm-up-Konzert im Haus Auensee? Na klar! Die »wichtigsten« organisatorischen Fragen zu Anfahrt, Einlass etc. vor dem Konzert? Selbstverständlich! Live-Blog an den beiden Konzerttagen? Geht in Ordnung! Foto-Strecke aus dem Stadion? Sowieso! Ellenlanger Konzertbericht, dem nicht viel mehr als »Uff« zum Thema einfällt? Genau!

Aber mal halblang, da war doch auch noch der total kritische Artikel nach den Konzerten! Da kamen sogar besoffene Männergruppen und das Wort Hitlergruß drin vor! – Wie bitte, hat da jemand »Feigenblatt« gesagt? Okay, viele von uns kennen das Œuvre der Bösen Onkels aus erfreulich kleinen, ekelhaft lauten Fetzen auf der Freibadwiese von der Neonazigruppe nebenan oder aus den offenen Fenstern eines (im besten Falle) vorbeirasenden Golf III mit grölender Neonazigruppe, aber heh! Die LVZ sagt uns allen: Mensch, so schlimm war das doch gar nicht, oder? Und es ist doch auch schon so lange her! Irgendwann muss es auch mal gut sein.

Na hoppla, wer hat denn hier Tocotronics »Denn sie wissen, was sie tun« angemacht? Es dreht mal lauter:

Benjamin Heine

chefredaktion[at]kreuzer-leipzig.de


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