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Stadtleben

Seltene Scheiben

Puk Records in der Hermann-Liebmann-Straße verkauft Raritäten der elektronischen Tanzmusik

  Seltene Scheiben | Puk Records in der Hermann-Liebmann-Straße verkauft Raritäten der elektronischen Tanzmusik  Foto: Timo Krügener

Die Voyager Golden Record wurde am 20. August 1977 von der NASA ins Weltall geschossen. Der vergoldete Datenträger, in zweifacher Ausführung gepresst, enthält Klang-Botschaften der Menschheit. Sie sind an Außerirdische gerichtet, in der Hoffnung, dass diese die Platte irgendwann finden. Grußfloskeln in 55 Sprachen, das Brüllen eines Schimpansen, Beethovens Fünfte, Chuck Berrys »Johnny B. Goode« und viele weitere Audios sollen den Außerirdischen ein Porträt der menschlichen Kultur und Zivilisation präsentieren. Die Voyager Golden Record ist die wohl seltenste Platte der Galaxis.

Auf Raritäten in kleiner Presszahl hat sich auch der neue Leipziger Plattenladen Puk Records spezialisiert. Die goldene Voyager Record haben sie nicht vorrätig – sie schwirrt irgendwo in mehr als 20 Milliarden Kilometern Entfernung durchs Weltall. Aber sonst führt der Laden ein vielfältiges Angebot an Second-Hand-Schallplatten, vor allem elektronische Tanzmusik, aber auch Akustisches. Aktuell stehen im Laden rund 2.000 »Scheiben«, wie die Betreiber Max Eichenlaub und Lennart Siekierski sie nennen. Der Plattenladen ist ihr Herzensprojekt, nebenbei gehen sie einem Brotjob nach, erklärt Eichenlaub und gießt ein Glas Grüntee ein.

Im Laden bieten er und Siekierski auch einen Reparaturservice für Plattenspieler und einen sogenannten Dubplate-Service an: Kundinnen und Kunden können selbst komponierte Tracks auf Platte schneiden lassen. »Beides gibt es meines Wissens bei keinem anderen Leipziger Plattenladen«, erzählt Siekierski. Den Dubplate-Service realisiert ein befreundeter Produzent in Frankfurt, die Reparaturen laufen in Kooperation mit der Berliner Werkstatt Modnics. Im Laden selbst finden außerdem kleinere Veranstaltungen statt.

Plattenläden gibt es im Leipziger Osten bereits mehrere: Im Vary findet man neben Techno auch Hip-Hop, das Sleeve veranstaltet feministische DJing-Events und verkauft Platten von House bis Italo Disco. Ob es da wirklich einen dritten braucht? »Gute Scheiben, gute Drinks, gute Musik – wieso sollte es davon weniger geben?«, antwortet Eichenlaub, eine der schwarzen Plattenkisten sortierend. Überschneidungen mit dem Sortiment der anderen Läden gebe es kaum, ergänzt sein Kollege. Tatsächlich steigt die Nachfrage nach Schallplatten: Laut dem Bundesverband Musikindustrie verkaufte sich Vinyl im letzten Jahr so gut wie lange nicht.

Mit strahlendem Gesicht zieht Eichenlaub eine Platte aus der Kiste: »Die hat uns mal ein DJ aus Lyon in die Hand gedrückt!« Dass die beiden jahrelange Erfahrungen in der Techno-Szene gesammelt haben, überrascht nicht. Als DJs spielten sie bundesweit in vielen Clubs, im südhessischen Offenbach betrieb Eichenlaub einen Plattenladen auf Zeit, im Rahmen einer dreimonatigen Zwischennutzung.

Ihre Ware haben die beiden Betreiber bewusst nicht nach Genres sortiert, sondern nach Erscheinungsjahr: »Bei vielen Scheiben ist so diverses Zeug drauf, dass du die nicht nur unter ›Techno‹ reinstellen kannst«, erklärt Siekierski. Das soll dazu einladen, ungewöhnliche Kombinationen innerhalb eines Jahrgangs zu entdecken. An den Vorhörstationen testen die Kundinnen und Kunden, was ihnen gefällt. Einige stöbern im Laden sogar, bis die Sonne untergeht.

Wenn Aliens die Voyager Golden Record hören und auf die Erde blicken würden, sähen sie so einiges: Umweltzerstörung, KI-generierte Jesus-Videos, Atombomben – Unschönes, Grausames, Absurdes. Aber sie sähen auch einen kleinen feinen Plattenladen in der Hermann-Liebmann-Straße 9. 

> Puk Records, Hermann-Liebmann-Str. 9, 04315 (Neustadt-Neuschönefeld), wechselnde Öffnungszeiten (Mi–Sa Nachmittag bis später Abend), https://t.me/pukrecords


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