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Kultur

Transformationsspuren

Eine Ausstellung zur Leipziger Fotoagentur Transit

  Transformationsspuren | Eine Ausstellung zur Leipziger Fotoagentur Transit  Foto: zentrum für optimistische bergbauforschung (zfob)

Jungen stehen in Trainingsanzügen und einfachen DDR-Turnschuhen in Linie aufgereiht vor einem Mann auf einer Terrasse. Als die Fotografin Silke Geister die schwarz-weißen Fotografien im Spezialkinderheim »Weg ins Leben« am Rande des Waldstraßenviertels 1990 aufnahm, finden sich kaum Veränderungen, die im Zusammenhang mit dem Mauerfall stehen könnten. Hier – am Zöllnerweg, im 1939 errichteten Heim – bestehend aus Haupthaus, Aufenthalts- und Schlafräumen sowie einem Küchentrakt – entstand zuerst nach1945 ein Heim für schwer erziehbare Kinder, ab den 1960er Jahren das Spezialkinderheim für geistig behinderte Kinder mit direktem Anschluss an eine Fördergrundschule im Haus. Nach 1990 nutzt die Jugendhilfe den Ort für Tagesgruppen. Später verkauft die Stadt das Areal und heute finden sich dort Wohnungen. Geister zeigte einen bis dahin kaum öffentlich gezeigten und bekannten Alltag und sie arbeitete für die Anfang 1990 in Leipzig gegründete Fotoagentur Transit.

Die Fotoagentur Transit – das sind Anfang der 1990er Jahre: Christiane Eisler, Silke Geister, Thomas Härtrich, Peter Hirth und Martin Jehnichen.

Christiane Eisler (* 1958 in Berlin/ DDR) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Fotografie bei Harald Kirschner und Evelyn Richter. Mit Serien zu Mädchen und Frauen im Jugendwerkhof Crimmitschau sowie zu Berliner und Leipziger Punks schloss sie ihr Studium ab. Eisler ist bis heute Gesellschafterin der Agentur gemeinsam mit Paula Eisler. Martin Jehnichen (*1962 in Karlsruhe) studierte Fotodesign und Visuelle Kommunikation in Bielefeld und 1988/89 in Leipzig per DAAD-Auslandsstipendium. Sein Diplom legte er mit einer Fotoreportage zu einer Zugreise in die Sowjetunion ab. Thomas Härtrich (*1955 in Meinigen) studierte Fotografie bei Helfried Strauß und arbeitete danach vor allem auf dem Feld der Sportfotografie. In der Agentur, die er 2012 verließ, spezialisierte er sich auf das Politikfeld. In Bielefeld studierte Silke Geister Foto- und Film-Design. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit Grenztürmen an der innerdeutschen Grenze. 1993 beendete sie ihre Mitarbeit in der Agentur. Peter Hirth (*1960 in Stade) studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule für Gestaltung Hamburg und arbeitet während des Studiums bereits als Bildjournalist. 1991 kam er nach Leipzig, um das Außenbüro der Neuen Revue aufzubauen, gründete ein Jahr später mit Michael Rücker die Fotoagentur Die Sektion, die 1993 mit Transit fusionierte. 2015 verlässt er die Agentur.

Im Mittelpunkt der Agentur stand das kollektive Arbeiten sowie die organisatorische Bewältigung der Aufträge, und Verwaltung wie die ausgestellten Dokumente und Fotografien in den Vitrinen zeigen und gleichzeitig auch die damalige Situation erklären. Zu sehen sind Fotografien vom Büroalltag, die Menschen dahinter. Eine Abbildung zeigt das voluminöse Funktelephon Mobiltelefon C2 portable, das 1990 benötigt wurde, um jederzeit erreichbar zu sein bei damals noch sehr raren Telefonleitungen in Leipzig. Die Aufträge für die Fotografinnen und Fotografen kamen vom Spiegel und Stern, der Sächsischen Staatskanzlei, Verlagen, Greenpeace, Magazinen wie kreuzer neben vielen anderen nationalen und internationalen Medien. Neben ausgewählten Serien wie etwa die zum Roma und Sinti Lager in Leipzig Taucha von Christine Eisler (1991/92) oder einer Vitrine zum Buch- und Ausstellungsprojekt »Luxus Arbeit« über weibliche Erwerbstätigkeit nach 1990 findet sich im Ausstellungsraum eine Strecke mit Monitoren, die jeweils wichtige Arbeiten der einzelnen Mitglieder über die Jahre hinweg zeigen.

Die vom Zentrum für optimistische Bergbauforschung organisierte sehr interessante wie informative Ausstellung bietet zudem ein Veranstaltungsprogramm. Dazu gehören beispielsweise am Donnerstag, 23. Juli, um 17 Uhr die Führung zu »Welche persönliche Beziehung kann ich zu Bildern aufbauen, die vor meiner Geburt entstanden sind?«, ein Fotoworkshop mit Christiane Eisler und Ramona Schacht am 29. Juli von 14 bis 18 Uhr sowie am 30. Juli um 17 Uhr Führung durch die Ausstellung mit Louisa Fischer und Luca Bublik.

> »Transit. Gesellschaftliche Transformation beschreiben«: bis 12.9., Halle 14, geöffnet Do-Sa von 14-18 Uhr, Sommerpause vom 8.8.-20.8.

> zfob.de


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