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Stadtleben

Ping-Pong gegen Parkinson

Wie Erkrankte in Leipzig gegen die Krankheit anspielen

  Ping-Pong gegen Parkinson | Wie Erkrankte in Leipzig gegen die Krankheit anspielen  Foto: Beim Tischtennis sind Kopf und Körper automatisch in Bewegung/Christiane Gundlach

Klick, klack, klack, klack« – das typische Tischtennisball-trifft-auf-Platte-Geräusch hört man schon deutlich, wenn man im kleinen Vorraum des Fuchsbaus steht. Die ebenso genannte Sporthalle in Kleinzschocher wird vom Tischtennisverein Leutzscher Füchse bespielt. Und vormittags, so wie an diesem Tag, von den »Silberfüchsen« – der Hobbygruppe des Sportvereins. Hier spielen etwa siebzig Mitglieder regelmäßig, ungefähr fünfzig von ihnen sind an Parkinson erkrankt, schätzt Bernhard Wiedemann, der für die Silberfüchse zuständig ist. »Aber ich müsste jetzt wirklich überlegen, wer das ist«, sagt er mit Blick in die gut gefüllte Halle.

Das ist besonders, denn die körperlichen Symptome von Parkinson lassen sich eigentlich schwer verbergen: »Die Erkrankung kann sehr viele Einschränkungen im Alltag mit sich bringen: Parkinson ist oft damit verbunden, dass die Erkrankten zittern, sehr kleinschrittig laufen und gelegentlich stürzen. Viele haben Probleme mit der Feinmotorik oder Schwierigkeiten, im Alltag eine Bewegung zu starten, etwa beim Durchqueren einer Tür. Oft sind Gestik und Mimik verlangsamt und die Gesichter wirken maskenartig«, erklärt Laura Gutschow. Sie ist Ergotherapeutin an der Leipziger Uniklinik und möchte mit der AG Wissenschaft und Forschung der Physikalischen Therapie in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Neurologie in einem Projekt erforschen, wie sich Tischtennis auf die Parkinson-Erkrankung auswirkt. Denn offensichtlich hilft die Sportart Erkrankten, das stellen auch die Mitarbeitenden am UKL fest: Klassischerweise üben Parkinson-Erkrankte in der Ergotherapie Aktivitäten des täglichen Lebens, zum Beispiel den Geschirrspüler auszuräumen oder Kreuzworträtsel zu lösen, um das Gehirn zu trainieren. »Wir üben ganz gezielt, große Bewegungen zu machen, auch, um sich im Falle eines Sturzes abfangen zu können«, erzählt Gutschow. »Wichtig für eine zielführende Therapie sind viele Wiederholungen an der persönlichen Leistungsgrenze. Aber wer macht schon gerne hundertmal dieselbe Übung? Beim Tischtennis passiert das dagegen automatisch und man hat auch noch Spaß dabei.«

Die positiven Aspekte des Sports für die Therapie von Betroffenen hebt auch Frank Neubert hervor, Physiotherapeut an der Uniklinik, Schwerpunkt Neurologie: »Man braucht einen festen Stand, beim Ballwechsel muss man reaktionsschnell sein und wenn man Rundlauf spielt, müssen die Patienten große Schritte machen.« Das geht über den körperlichen Aspekt hinaus, erzählt er, »gleichzeitig merken wir, dass es auch einen psychischen Effekt hat: Die Patienten blühen geradezu auf, wenn sie spielen. Egal ob mit uns oder mit Angehörigen, zum Beispiel mit ihren Enkelkindern.«

Es ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht, inwiefern Tischtennis bei Parkinson hilft. Weitere Erkenntnisse soll deshalb das Forschungsprojekt im UKL liefern. »Wir wollen vor allem untersuchen, wo die Unterschiede zur klassischen Ergo- und Physiotherapie liegen«, erklärt Gutschow. »Und wir wollen schauen, ob die Gruppenkomponente beim Tischtennis auch ein ausschlaggebender Faktor für das langfristige Nutzen des Trainingsangebotes sowie Lebensqualität und Stimmung ist.« Denn auch das kann eine Folge von Parkinson sein: Erkrankte ziehen sich zunehmend aus der Gesellschaft zurück, haben teilweise depressive Schübe. Die körperlichen Symptome können zu Stigmatisierung führen, oft wird der wankende Gang mit einer Alkoholsucht assoziiert. Auch hier kann Sport helfen – egal ob es nun Tischtennis, Tai-Chi oder Boxen ist. Feste Termine in der Woche, die Struktur geben, können motivieren und zu neuem Selbstbewusstsein verhelfen. Gerade niederschwellige Sportarten wie Tischtennis erleichtern den Einstieg.

So war es auch bei Sabine Petzold und ihrem Mann Manfred. Seit Februar 2026 sind beide bei den Silberfüchsen, trainieren dort zweimal die Woche. Sabine Petzold bekam 2022 die Diagnose Parkinson, über einen Fernsehbeitrag erfuhren sie und ihr Mann von der Möglichkeit, der Krankheit mit Tischtennis entgegenzuwirken. »Ich bin auf alle Fälle beweglicher geworden, und solange ich mich bewege, habe ich auch keine Schmerzen. Zu Hause würden wir nicht zwei Stunden um den Tisch rennen«, erzählt die 69-Jährige. Auch ihrem Mann gefällt der regelmäßige Sport: »Man bewegt sich genug und Spaß macht es auch noch. Wir müssen ja keine Profis mehr werden«, fügt er lachend hinzu. Profi ist auch ihre Teamkollegin Viola Eberlein nicht – seit Oktober 2025 aber immerhin Weltmeisterin im Ping-Pong-Parkinson. 


> www.leutzscher-fuechse.de, www.pingpongparkinson.de


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