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Kultur

Alle 19 Minuten Kultur

Dass die Förderung freier Kultur wichtig ist, unterfüttert eine Analyse der Stadt Leipzig erstmals numerisch

  Alle 19 Minuten Kultur | Dass die Förderung freier Kultur wichtig ist, unterfüttert eine Analyse der Stadt Leipzig erstmals numerisch  Foto: Julia Kluge

Das Lob für die »enorme Leistungsfähigkeit der freien Kunst- und Kulturszene« kommt von Amts wegen und von weit oben. Kulturamtsleiter Tobias Kobe spricht die Worte aus, die natürlich auch als Lob der eigenen Behörde formuliert sind. Das ist nicht ehrenrührig, denn wie wichtig und richtig die Förderung der Freien Szene ist, hat das Kulturamt gerade selbst mit Zahlenmaterial belegt: »Kultur – zahlt sich aus« heißt die entsprechende Analyse.

»Es ist keine eigene Studie, sondern das Kulturamt hat die vorhandenen Zahlen aus Verwendungsnachweisen herangezogen und ausgewertet«, erklärt Sebastian Göschel dem kreuzer. Der Kulturamts-Sachbearbeiter hat das Zahlenwerk selbst erstellt. »Daher stellen manche Kennzahlen nur Näherungswerte dar. Aber wir wollten das selbst ausführen. Eine Berliner Agentur für 150.000 Euro dafür zu engagieren, wie das sonst oft gemacht wird, ist für uns nicht nur in Zeiten knapper Kassen nicht vermittelbar.«

Wobei ein Blick von außen manchmal hilfreich ist. Derzeit sind ökonomische Faktoren oft wichtiger als ästhetische bei der Beurteilung von Kultur. Für diese Perspektive liefert die Analyse, die auf Daten aus den Jahren 2023 und 2024 beruht, gute Argumente. Natürlich sind die Zeiten prekärer für die freien Akteure geworden. Immerhin betrug das Budget 2024 aber noch 11,5 Millionen Euro (nach 11,2 Mio. 2023), für 2026 hätten es 12 Millionen Euro sein sollen – die derzeitige Haushaltslage ist bekannt.

Die Reichweite der Freien Kunst- und Kulturszene ist immens. So besuchten 2024 rund 1,4 Millionen Menschen Angebote der Freien Szene in Leipzig. Im Jahr davor waren es 1,3 Millionen. Das ist bei einer Einwohnerzahl von rund 630.000 schon eine Kennmarke – auch wenn darunter natürlich auch auswärtige Besucherinnen und Besucher sind und ein Drittel der Leipzigerinnen und Leipziger die Angebote der Freien Szene ausschlägt, wie gleich noch zu sehen sein wird.

Bei insgesamt rund 27.500 Veranstaltungen beginnt statistisch gesehen alle 19 Minuten in Leipzig eine städtisch geförderte Veranstaltung der Freien Szene. Täglich kommen durchschnittlich rund 3.800 Menschen in den Genuss solcher Projekte oder besuchen geförderte Einrichtungen. Die städtisch getragenen Kosten pro Besuch fallen mit 8,20 Euro gering aus im Vergleich zur Kulturförderung insgesamt.

Das ist beachtlich und hebt die Bedeutung der Szene hervor. Erstaunlich ist eine Zahl: 702.867 Besuche, also grob die Hälfte aller, entfallen auf den Bereich Soziokultur. Der wird manchmal herablassend beäugt, gilt als pädagogisch. Dabei meint er nichts anderes als Kultur mit Beteiligung. Und in der Bewertung ihres Stellenwerts ist die Analyse deutlich: »Die Soziokultur ist eine stabile Säule in der freien Kulturszene«, sagt Zahlenauswerter Göschel. »Dass sie aber so wichtig ist, wie die Zahlen zeigen, hat uns überrascht.«


Folgeeffekte der Kulturförderung sind messbar

Messbar sind auch Folgeeffekte der Kulturförderung: Für jeden Euro amtlicher Kulturförderung werden zusätzlich 3,20 Euro weitere Mittel generiert. Das können Eigenmittel sein oder eine andere Förderung, etwa von Land oder Bund, aber auch Sponsoring. Allein die institutionell geförderten Einrichtungen warben demzufolge rund 30 Millionen Euro ein. Das untermauert den Stellenwert der Kulturamtsarbeit, so Leiter Kobe zum kreuzer: »Die Ergebnisse zeigen, welche Wirkung eine kontinuierliche und verlässliche Kulturförderung entfalten kann, und erbringen den oft geforderten Nachweis der Effekte der öffentlichen Förderung von Vereinen und Verbänden. Für das Kulturamt ist die Auswertung deshalb zugleich Bestätigung und Auftrag, die kulturelle Infrastruktur der Stadt weiterhin strategisch zu stärken und sichtbar zu machen.«

Die Ergebnisse würden in der politischen Debatte helfen, warum Kulturförderung wichtig ist, so Sachbearbeiter Sebastian Göschel: »In diesen Zeiten muss man ja seine Bedeutung oft ökonomisch begründen. Darüber hinaus ist unsere Auswertung eine Selbstvergewisserung für die Freie Kulturszene – aber auch für die Arbeit des Kulturamtes. Sie zeigt, wie essenziell ihre Arbeiten und Projekte für die Lebensqualität, ja: sogar die Identität der Stadt sind.«

Letzteres belegt tatsächlich die kommunale Bürgerumfrage 2025: Für 70 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger ist die Freie Szene wichtig für das kulturelle Leben, ganze 75 Prozent halten sie für einen »wichtigen Teil der kulturellen Identität« Leipzigs. Zwei Drittel aller Leipzigerinnen nehmen das Angebot regelmäßig wahr – 34 Prozent (»Besuche ich nicht.«) sind noch zu überzeugen.


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