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Inka Bause

Vom Teenie-Star zur Fernseh-Moderatorin

  Inka Bause | Vom Teenie-Star zur Fernseh-Moderatorin  Foto: Annabell Goldacker

Inka Bause? Ernsthaft? Ja, ganz unironisch intendiert gehört Inka Bause in dieses Buch. Einerseits, weil ihr Sich-Durchschlagen so typisch ist für Ostbiografien. Denn was viele nicht wissen: Bause war ein gefeierter Jugendstar, bis Helmut Kohl kam. Sie war hüben das, was man drüben einen »Teeniestar« nannte. Falls das nicht reicht als Begründung: Ihr gebührt Anerkennung dafür, sich im Schlagerbusiness politisch zu positionieren. Das passiert dort selten genug.

Man muss die Einspieler-Witze in »Bauer sucht Frau« nicht mögen, aber diese Sätze sind bemerkenswert, gerade weil Bause weiß, dass sie damit finanzielle Einbußen riskiert: »Ich bin Schlagersängerin und Moderatorin und Politik ist nicht meine Kompetenz – die Zeiten sind allerdings vorbei. Ich kann nicht mehr im Restaurant sitzen und mir rassistisches Geschwätz anhören oder dumme Witze über queere Menschen.« (T-Online) »Spielverderber – Spielverderber / Komm raus aus deinem Schneckenhaus / Spielverderber – Spielverderber / Wenn mir was Spaß macht, rückst du aus.« Das Lied krachte ins Jahr 1984 und machte Inka Bause, 1968 in Leipzig geboren, schlagartig als INKA berühmt. Also in der DDR. Dort war ihr Vater, der Komponist Arndt Bause, eine feste Größe. Er schrieb auch den Song »Spielverderber«, den sie in der Silvestershow des DDR-Fernsehens sang. INKA wurde mehrmals zur Nachwuchsmusikerin des Jahres gekürt. Das Album »INKA« erschien 1987.

Die junge Frau begann, zusätzlich als Moderatorin zu arbeiten. Die Weichen für einen geradlinigen Karriereweg schienen gestellt. Dann kamen Kohl und Kapitalismus. Das bedeutete wie bei so vielen Künstlerinnen und Künstlern ostdeutscher Herkunft auch für Inka Bause eine Reise ins Unbekannte – und zwar als Unbekannte.

Zwischenfrage an die Lesenden: Wie viele Musikschaffende aus der DDR fallen euch ein? Und wie viele hatten nach der Wende auch irgendwann im Westen Erfolg? Eben.

Bause hatte immerhin die Chance, unter anderem in der ZDF-Hitparade aufzutreten und veröffentlichte Songs. Ihre musikalische Karriere blieb aber bescheiden. Vor allem konnte sie sich als Moderatorin etablieren. Und das in und ab den 2000ern mit Pannenformaten wie »Bauer sucht Frau« und als Sidekick von Ross Antony. Vor einigen Jahren belegte sie als »Toastbrot« in der achten Staffel von The Masked Singer den fünften Platz. Was man halt so macht.

Immerhin gründete sie ein eigenes Plattenlabel, um 2020 ihr neuntes Album »Lebenslieder« herauszubringen. Das soziale Engagement für ein Kinderhospiz und verschiedene Kinder- und Jugendprojekte hängt Bause nicht an die große Glocke, kann man ihr also als ehrlich gemeint abnehmen. Solche Bonmots ohnehin: »Und warum lasse ich für einen Hungerlohn jemand anderen mit dem Fahrrad durch den halben Bezirk radeln, weil ich vergessen habe, Minze für den Caipi zu kaufen?« (T-Online)

Bause ist damit ein Beispiel, gewiss: ein prominentes, dafür, wie es ist, sich plötzlich umzuorientieren, wenn die Welt um einen herum zusammenbricht. Und das Weltbild wahrscheinlich gleich mit. Aber Bause ist noch mehr. Für Mädchen und junge Frauen in der DDR war sie ein starkes Vorbild. Die etwas Älteren hörten gewiss »die anderen Bands«. Aber das keck-kesse, wie man damals sagte, Lied »Spielverderber« traf den Nerv. Darin wird ein Typ von der Sorte beleidigte Leberwurst vorgeführt. Schon im Sandkasten habe er nur seinen Kopf durchsetzen wollen, »sonst bist du davongelaufen«. Er ist sauer, wenn das singende Ich mit anderen tanzt, ihm scherzend zuprostet und die Nase dreht. Dass der Text nicht ganz ohne war, unterstreicht die Ablehnung einer anderen Sängerin, für die der Song ursprünglich geschrieben wurde.

Man merkt Inka Bause nicht an, dass sie nur zweite Wahl für den Song war. Scheint er ihr doch auf den Leib geschrieben zu sein. Sie selbst wirkte ebenso kess wie der Text. Die kürzeren Haare waren damals schon ihr Markenzeichen – manche Fotos zeigten sie auch mit wilder Achtzigermähne – und unterstützen die Wirkung. Das roch nach Emanzipation, auch wenn es Schlager war. Erst später erzählte Bause, dass sie sich die Haare aufgrund des Sexismus in der Branche abschnitt. Besonders ein Produzent vergab demnach Jobs für Sex. Dem wollte sie sich entziehen.

Übrigens lehnte sie als 16-jähriger DDR-Star ab, als der Playboy bei ihr anklopfte und nach Nacktbildern fragte. Und 15 Jahre darauf erntete das Magazin erneut eine Absage von Bause. Dem Chefredakteur habe sie, so erzählte sie im MDR, gesagt: »Wenn Sie mir ein Argument für meine kleine Tochter geben, warum ich mich ausziehe vor aller Welt, es darf aber nicht Geld sein, dann mache ich es.« Sympathisch überdies sind Bauses Pläne, mit sechzig Schluss zu machen mit dem Promi-Rummel und auszuwandern. Sie halte nichts in Deutschland. 


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