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Stadtleben

»Es gibt Tage, da tut alles weh«

Triathlonstar Rico Bogen über seinen ersten Marathon –
 nach ordentlichen Schwimm- und Radrunden

  »Es gibt Tage, da tut alles weh« | Triathlonstar Rico Bogen über seinen ersten Marathon –
 nach ordentlichen Schwimm- und Radrunden  Foto: Marcel Noack

Nach einem starken dritten Platz bei der »Challenge Roth« sprach der Leipziger Sportler Rico Bogen mit dem kreuzer über seine Langdistanzpremiere, Training mit Schwester Bianca und die Herausforderungen des Profilebens.

Glückwunsch zum sensationellen Langdistanzdebüt: auf Anhieb dritter Platz, bestes Debüt und schnellste Radstrecke. Haben Sie damit im Vorfeld gerechnet?

Nein, das hatte ich nicht erwartet. Mein Team und ich konnten nicht einschätzen, wie es das erste Mal auf der Langdistanz laufen würde, zumal das Starterfeld so gut besetzt war. Die Distanzen waren neu für mich: Ich bin noch nie einen Marathon gelaufen, bin noch nie 180 Kilometer Rad gefahren. Das Rennen sollte eine Art Erfahrung sammeln werden. Dass es so gut läuft, haben wir nicht gedacht.


Wann merkten Sie, dass das was werden kann?

Schwimmen und Radfahren liefen sehr gut. Beim Schwimmen war ich immer vorne dabei, wir haben uns da ein bisschen an der Spitze abgewechselt. Das Tempo im Wasser fand ich moderat, nicht ganz so schnell, wie ich das von der Kurz- oder Mitteldistanz gewohnt bin. Als ich dann gehört habe, dass wir (Bogen und Sam Laidlow, der Erster wurde; Anm. d. Red.) da schon drei Minuten Vorsprung auf Blummenfelt (norwegischer Triathlet, wurde Zweiter; Anm. d. Red.) hatten, war das super. Als wir vom Rad stiegen, war klar: Das kann gut werden. Sicher war ich mir aber nie. Ein Marathon kann extrem lang werden und man kann da viel Zeit verlieren. Ab 20 Kilometer ging’s mir nicht mehr so gut, ich wurde langsamer und hoffte, nicht überrannt zu werden. Aber auf der Langdistanz haben alle nicht mehr so ein hohes Tempo. Dass das mit dem Podium klappt, habe ich erst zum Schluss realisiert.


Wie kam es zur Entscheidung für Roth als erstes Langdistanzrennen?

Mir war schon immer klar, dass ich mal auf der Langdistanz starten will. Ich verfolge das Rennen schon länger und Roth ist einfach ein geiles Event, mit all den Leuten, die das unterstützen. Außerdem ist es ein eigenständiges Rennen, es ging also nicht um eine Ironman-WM-Qualifikation. Das hat Druck rausgenommen. Es hat sich ausgezahlt, die Stimmung war super, die Zuschauer haben einen durch die schwierigen Phasen getragen.


Versuch geglückt. Bleiben Sie bei der Langdistanz?

Dieses Jahr war es erst mal ein Ausflug. Ich gehe jetzt zurück auf die Mitteldistanz, am 13. September trete ich bei der 70.3-Weltmeisterschaft in Nizza an. Das ist das nächste große Ziel. Dann möchte ich noch Punkte in der T100-Serie sammeln, da wäre es super, wenn ich die Reihe auf dem Podium beende. Nächstes Jahr haben wir noch nicht durchgeplant. Ich denke, ich werde nicht komplett auf die Langdistanz wechseln. Kann sein, dass ich die Ironman-WM-Quali nächstes Jahr probiere, dafür muss man zwei Langdistanzen machen. Ich
fahre erst mal zweigleisig weiter.


Ihre Schwester Bianca hat am selben Wochenende die Ironman 70.3-EM im schwedischen Jönköping gewonnen. Tauschen Sie sich vor beziehungsweise nach solchen Rennen aus?

Wir stehen in engem Kontakt. Meine Schwester und ich machen auch Trainingslager zusammen. Das ist natürlich cool, dass sie am selben Wochenende Europameisterin geworden ist. Wir waren davor gemeinsam im Höhentrainingslager in der Schweiz, unsere Mutti war auch dabei und hat auf die beiden Kinder meiner Schwester aufgepasst, damit Bianca Zeit zum Trainieren hatte. Da habe ich schon gemerkt: Bianca ist richtig fit! Während meines Rennens habe ich natürlich nichts mitbekommen, aber als ich von ihrem Sieg gehört habe, habe ich mich sehr gefreut.


Wie Ihre Schwester wohnen Sie in Leipzig. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Mein Hauptwohnsitz ist in Leipzig, ich bin aber viel im Trainingslager unterwegs. Im Sommer oft in der Höhe in der Schweiz und anschließend auf Wettkampfreisen. Die Hälfte des Jahres bin ich in Leipzig. Ich genieße es, nach harten Wettkämpfen mal etwas Ruhe zu Hause zu haben. Da treffe ich mich mit Freunden zum Volleyballspielen, um etwas Ausgleich zu haben. Man kann in Leipzig auch gut trainieren, ich habe hier Schwimm- und Laufgruppen, die Angebote sind super. Nur die Berge fehlen.


Sie sind seit 2023 Profi-Triathlet. Ist das Profi-Leben so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ja. Ich arbeite gern jeden Tag hart und sehr zeitintensiv. Wenn dann der Erfolg kommt, bin ich fast immer hochmotiviert und brauche keinen sportfreien Tag. Schwer für den Kopf wird es immer dann, wenn mich eine Verletzung ausbremst. Es gibt auch Tage, da tut mir alles weh. Dann frage ich mich, warum ich keinen Job habe, bei dem ich nur meinen Kopf anstrengen muss. Vor allem das Reisen ist sehr anstrengend. Da wäre es cool, wenn man sich teleportieren könnte. Ich würde meine Wahl, Profi zu werden, aber immer sofort wiederholen.



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