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Kunst als Waffe

Die Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst stellen aus

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Die Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) proben den gesellschaftlichen Aufstand mit der Unterstützung eines Immobilienhändlers. Ihre Arbeiten zeigen sie bis zum 1. November in der a&o Kunsthalle.

Wer das Diplom an der HGB ausgezeichnet besteht, der darf zur Meisterschaft antreten. Nach bestandener Prüfung gibt es den Titel »Meisterschülerin« oder »Meisterschüler«. Die dazu führenden Arbeiten werden zu Beginn des Wintersemesters ausgestellt. So ist es auch dieses Jahr geschehen. Die a&o Kunsthalle gibt ihnen einen echten – das Internet einen virtuellen Raum.

Am Eingang der Kunsthalle kann sich das Publikum vor der Eingangstür mit einem Orientierungsplan für den Ausstellungsraum ausstatten. Auf ihm finden sich Standort, Name des Kunstschaffenden und Werkangabe. Auf der Außenseite der Tür sind zudem noch genauere Angaben zu lesen wie sie sich bereits beim Diplomrundgang in der direkten Nähe der Arbeiten fanden. Warum also hier außerhalb des Ausstellungsraumes?

Prinzip Konzept
Das Prinzip Konzept lässt sich schnell vermuten. Die ausgestellten Kunstschaffenden haben sich zum »Kollektiv 2020« zusammengetan und wollen als Einheit wahrgenommen werden. Sie bewarben sich so auch für den Meisterschüler-Preis. Er wird seit 2017 von Immobilienhändler Steffen Hildebrand (vormals Hildebrand & Jürgens, heute Hildebrand & Partner) in Absprache mit einer Jury vergeben. Bisher ging er an einen Menschen, der für seine Abschlussarbeit 10000 Euro und die kostenlose, einjährige Nutzung eines Ateliers erhielt.

»Solidarität statt Wettbewerb: Die G2 Kunsthalle fördert das Kollektiv 2020 der HGB-Meisterschüler*innen« so gab die Kunsthochschule am Montag bekannt. Sie erklärte, dass die Jury den Preis an das »Kollektiv 2020« vergibt. Sie möchte damit die »in der Bewerbung formulierte Idee der Meisterschüler*innen gesellschaftlicher Spaltung und Segregation entgegenzuwirken« würdigen. Was hat das zu bedeutet?

Kunst als Waffe
Die Gruppe der Auszustellenden verzichtete bewusst auf die Informationen im Ausstellungsraum gemäß ihrem Motto: »Unsere Ausstellung greift die aktuellen Bedingungen künstlerischer Produktion auf und zeigt wie augenscheinlich Disparates neue Verbindungen eingehen kann.« Das klingt sehr engagiert, sollte allerdings ganz selbstverständlich jeder Ausstellungsidee zugrunde liegen.

Es erinnert zudem an künstlerische Interventionen, die einige Jahrzehnte zurückliegen. Bei der Zweiten Großen Kunstausstellung 1932/33 im Leipziger Grassimuseum zeigten die Mitglieder der Ortsgruppe Leipzig der Assoziation revolutionärer Künstler Deutschlands (Asso) ihre Arbeiten wie Max Schwimmer in der LVZ berichtete unter »kollektivistischen Absichten«. Sie benannten lediglich die Titel aber verschwiegen die Autorenschaft. Die Kunstschaffenden verstanden das laut Selbstaussage als »Kunst als Waffe für den Kampf der revolutionären Arbeiterklasse«. Der kollektive Auftritt schützte nicht vor unterschiedlich wahrgenommenen künstlerischen Qualitäten. Das war den Kunstschaffenden damals egal. Ihnen ging es um die Idee. Dafür organisierten sie ein modernes Vermittlungsprogramm mit Führungen. Außerdem konnten die Besucher kleine Postkarten mit Reproduktionen der Arbeiten kaufen. Es ging darum – ihre Bildideen verbunden mit gesellschaftlichen Engagement unter die Menschen zu bringen und aktiv den Ausstellungsraum zu verlassen.

Das kann das 16-köpfige »Kollektiv 2020« nun auch, denn es erhält 10.000 Euro zur »Umsetzung konkreter Projektvorhaben« gegen die Spaltung der Gesellschaft sowie einen gemeinschaftlich zu nutzenden »Denk- und Atelierraum«.

»M20/ Ausstellung der Meisterschüler*innen» bis 1.11. in der a&o Kunsthalle, Brandenburger Str. 2, Di-Fr 15-19, Sa-So 12-18 Uhr

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