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Kultur

Neuer Film über das Konzentrationslager Dachau

Macherinnen stellen den Film an der HGB Mittwochabend online vor

  Neuer Film über das Konzentrationslager Dachau | Macherinnen stellen den Film an der HGB Mittwochabend online vor

In 38 Minuten erzählt der neue Film »Das Konzentrationslager Dachau« die Geschichten von der Entstehung im Frühjahr 1933 bis heute. 38 Minuten für zwölf Jahre Lagergeschichte von 41.500 Toten bei insgesamt 200.000 Gefangenen sind eine große Herausforderung. Maya Schweizer, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens von Wedemeyer nahmen sie an, nachdem sie das Auswahlverfahren gewannen – ihr Film ist in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau seit vorigen Sommer zu sehen. Schweizer und von Wedemeyer legten jeweils mehrere Filme zur Erinnerungskultur vor, doch ein Einführungs- bzw. Lehrfilm beim Besuch einer Gedenkstätte bildet doch eine andere Form der Vermittlung. Darüber und über ihre Recherchen sprechen sie am Mittwochabend online auf dem Kanal der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Material aus über 40 Archiven sichteten Schweizer, Meyer-Krahmer und Wedemeyer zum am längsten existierenden Konzentrationslager im Nationalsozialismus. Es entstand im Frühjahr 1933 auf dem Gelände einer ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik auf Geheiß des damaligen Münchner Polizeipräsidenten Heinrich Himmler. In der Folge entwickelte sich hier eine  Musteranstalt einschließlich der damit verbundenen nationalsozialistischen Bildpropaganda. Als die US-Armee am 29. April 1945 die 32.000 Gefangenen befreite, entstanden ebenfalls Filme und Fotografien. Doch was bildet das Lager und die Geschehnisse darin ab?

»Wie können wir uns ein Bild davon machen, was hier geschehen ist?«, bildet die Ausgangsfrage der Filmemacherinnen. »Diese Frage ist für den Film zentral, kann von ihm aber nicht beantwortet werden«, notieren Schweizer, Meyer-Krahmer und Wedemeyer im Booklet zur DVD. Mit dem Film beginnt zudem eine grundlegende Neukonzeption der Gedenkstätte. »Relativ trocken« beschreibt von Wedemeyer, der an der HGB die Klasse Expanded Cinema leitet, die Auseinandersetzung mit dem historischen Material. Er sieht ihre Herangehensweise in der Tradition von Chris Marker oder Harun Farocki und deren Vorstellung von Geschichten.

Der erste Film zum Konzentrationslager erschien 1969 und wurde vom Comitè Internatinoal de Dachau initiiert. Er basiert vor allem auf den Bildern der US-Armee von 1945. 50 Jahre später kommen nun auch Perspektiven der Häftlinge zur Sprache wie heimlich aufgenommene Fotografien, Zeichnungen oder Objekte aus der Zeit von 1933-45 sowie Zeitzeugeninterviews, die die Gedenkstätte seit den 1980er-Jahren aufnahm.

Auch die Geschichte des Erinnerungsortes findet Eingang in den Film. Nach der Befreiung und den Dachau-Prozessen über nationalsozialistische Akteure in den Konzentrationslagern entstanden in den ehemaligen Lagerbaracken Wohnungen. Die DDR eröffnete 1958 erste KZ-Gedenkstätten. Ein Jahr später wurden auch Forderungen laut, um der Zeit in Dachau zu erinnern. Es folgt 1960 die Errichtung der Todesangst-Christi-Kapelle durch den Münchner Weihbischof und ehemaligen Lagerhäftling Johannes Neuhäusler.

1965 wurde die Gedenkstätte in Dachau eingeweiht. 30 Jahre später besuchte Edmund Stoiber als erster bayrischer Ministerpräsident die Gedenkstätte. So ist das Lagergelände selbst ein wichtiges Beispiel von bundesrepublikanischer Erinnerungskultur.

Am Mittwoch um 18 Uhr sind die Filme von 1969 und 2021 auf dem Webkanal der HGB zu sehen. Im Anschluss sprechen die Filmemacherinnen Maya Schweizer, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens von Wedemeyer mit der Berliner Filmwissenschaftlerin Gertrude Koch über ihre Arbeit.

Anmeldung unter: anmeldung@hgb-leipzig.de

Die DVD ist über das Comité de Dachau zu beziehen, 17,50 Euro

 

Titelbild: Filmstill aus »Das Konzentrationslager Dachau« von Maya Schweizer, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens von Wedemeyer


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1 Kommentar(e)

Jutta Schubert 22.01.2022 | um 06:39 Uhr

Danke an das Filmteam. Ich war im Oktober in der Gedenkstätte des Konzentrationslager Dachau und tief beeindruckt. Mein Großvater war in Dachau fast ein Jahr inhaftiert. Gut, dass es die Gedenkstätte gibt. Gut, dass ihr den Film gemacht habt.