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Konservative Kippfrage

Die CDU-Fraktion in Sachsen wird sich durch die Landtagswahl mindestens personell verändern. Auf die neuen Abgeordneten kommt eine besondere Aufgabe zu: die Demokratie vor der AfD zu schützen

  Konservative Kippfrage | Die CDU-Fraktion in Sachsen wird sich durch die Landtagswahl mindestens personell verändern. Auf die neuen Abgeordneten kommt eine besondere Aufgabe zu: die Demokratie vor der AfD zu schützen  Foto: Alexander Bönninger

Sie habe nicht überrascht, dass mehrere Männer versucht haben, ihr die Kandidatur auf der Landesliste und für das Direktmandat in Nordsachsen streitig zu machen. »Wenn man an einer Parität festhält und sagt, jeder zweite Platz geht an eine Frau, gibt es natürlich einige in der CDU, die das anders sehen«, erklärt Tina Trompter. Dann grinst sie. »Mich hat eher überrascht, dass mein Ergebnis schon im ersten Wahlgang gegen zwei andere Kandidaten gereicht hat.« Die 23-Jährige ist nun die jüngste Kandidatin der sächsischen Union für die Landtagswahl.


Es ist heiß in Sachsen an diesem Donnerstag im Juli. Die Luft ist dick und schwül, das nächste Gewitter lässt sich schon erahnen. Trompter sitzt auf der Couch eines Bäckercafés in Schkeuditz, vor sich einen Milchkaffee. Sie sei jung, sagt Trompter, und bringe trotzdem Erfahrung mit. »Ich war bei der Landtagswahl 2019 dabei, habe zum Teil auch in Dresden gearbeitet. Ich weiß, wie Politik funktioniert, und bin vernetzt.«


Auffällig dabei: Erst wurde die 1994 geborene Bautznerin Elaine Jentsch angegriffen, dann die 34-jährige Jessica Steiner und dann Tina Trompter. Alle drei treten auch per Direktmandat an und würden neu in den Landtag einziehen. Die Freie Presse nannte das »plumpe Attacken auf vermeintlich unerfahrene junge Frauen«. Allerdings hatte keine davon Erfolg.
Was würde sich durch die neuen Gesichter bei der konservativen CDU ändern? Tina Trompter rührt mit dem Löffel in ihrem Milchkaffee und überlegt kurz. »Ich verwende das Wort konservativ nicht so häufig.« Bei einigen Personen sei der Begriff negativ besetzt. »Aber konservativ heißt für mich: das Rad nicht neu erfinden, sondern es weiterentwickeln.« Als junge Frau bringe sie eine neue Perspektive in den Landtag. Genau das brauche ihr Wahlkreis. »Wir haben hier den Flughafen, wir haben das Großforschungszentrum. Für mich ist es eine Zukunftsregion. Als junger Mensch habe ich darauf eine andere Perspektive. Was in 50 Jahren ist, werde ich wahrscheinlich noch miterleben.«


Als große Herausforderung für die Landtagswahl sieht sie den Themenfokus. »Wir müssen den Menschen klarmachen, dass es eine Sachsenwahl ist, bei der es nicht um die Bundesregierung geht.« Allerdings wirbt auch Trompter online für eine bundesweite Obergrenze von 60.000 Geflüchteten pro Jahr. Zur Einordnung: Vergangenes Jahr stellten etwa 350.000 Menschen einen Asylantrag in Deutschland.
Neu in den Landtag könnte auch Sven Eppinger einziehen, Chef der Heimatunion. Als ihn die CDU im vergangenen Jahr in Meißen als Direktkandidaten aufstellte, bezeichnete ihn die rechte Boulevardzeitung Bild als »AfD-Versteher«. Eppinger forderte unter anderem, die CDU Sachsen solle aus der Koalition mit den Grünen austreten und als Minderheit regieren. Dann wäre eine Tolerierung durch die AfD möglich gewesen. Außerdem ging von Eppingers Konto 2016 eine Spende an die AfD. Dem Dresdner News-Portal tag24 erklärte er, seine Frau habe das Geld aus Mitleid mit Frauke Petry überwiesen, die damals durch den rechtsextremen Flügel der Partei in Bedrängnis geriet. Dazu sagte Eppinger: »Frauen sind eben emotional, Männer rational.«


Doch selbst Eppinger sagt, dass er die Abgrenzung zur AfD als Vorsitzender der Heimatunion befürwortet. Deren Ziel sei, die Wählerinnen und Wähler von der AfD fernzuhalten. Der Verein versucht, rechte Themen in der CDU zu setzen, und war ursprünglich Teil der Werteunion. 2022 änderte der sächsische Ableger nach internem Streit seinen Namen.
Tina Trompter möchte eigentlich nicht über die AfD sprechen. Doch auch sie kann der Partei im Wahlkampf nicht aus dem Weg gehen. Am Abend vor dem Gespräch mit dem kreuzer hat sie Plakate aufgehängt. Dabei sei sie von Jugendlichen angesprochen worden. »Sie sagten, dass die Plakate gleich wieder abgerissen werden. Nur die AfD sei ganz toll.«
Trompter ist sich jedoch sicher: Die CDU-Fraktion werde nach der Wahl nicht in Richtung AfD kippen. »Dafür haben wir Michael Kretschmer, einen Ministerpräsidenten, der eine klare Position hat. Er ist die zentrale Zugkraft.«


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