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Politik

Olympische Vorfreude

In Krisenzeiten gute Laune und Zuversicht verbreiten – so lässt sich die Kampagne zu den Olympischen Spielen 2036, 2040 und 2044 in Berlin beschreiben

  Olympische Vorfreude | In Krisenzeiten gute Laune und Zuversicht verbreiten – so lässt sich die Kampagne zu den Olympischen Spielen 2036, 2040 und 2044 in Berlin beschreiben  Foto: Britt Schlehahn


Die Botschaft wirkt mehr als banal und sieht auch so aus: » LEIPZIG BEWEGT«. Weiße Schrift auf schwarzem Untergrund, um Bewegung zu suggerieren, wird das Wort kursiv angeordnet, an der rechten Seite ein paar Farbstreifen. Unten ist das übergeordnete Motto der Kampagne zu lesen: »BERLIN GEWINNT OLYMPIA«.

Damit wirbt Leipzig nun als Mitstandort von Berlin für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Anfang Juni muss das Bewerbungsschreiben an den Deutschen Olympischen Sportbund abgegeben werden. Auf seiner Mitgliedsversammlung am 26. September entscheidet er dann wer für Deutschland in den internationalen Wettbewerb geworfen wird. Zur Auswahl stehen neben Berlin+ (kreuzer 7/2025), München, Hamburg sowie die Region Köln-Rhein-Ruhr.


Der Berliner Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand ist sich sehr sicher, dass nur Berlin eine Chance haben wird, wie er am vergangenen Mittwoch bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stadt Leipzig und der Initiative Gold für Leipzig ausführt. Egal, ob München einen positiven Volksentscheid oder im Gegensatz zum Gelände von 1936 im Westen von Berlin vielleicht auch die schöneren olympischen Stätten von 1974 herzeigen kann. Politische Zusammenhänge und Geschichte werden aus Berliner Perspektive ebenso vermieden wie die Minusrechnungen von solchen Großveranstaltungen wie die letzten Olympischen Sommerspiele in Paris 2024 ebenso bewiesen wie Verdrängungen aus dem öffentlichen Raum.

Vielmehr strotzt der Berliner Vertreter vor Selbstbewusstsein. Von »Berlin als die hippe Stadt« oder »Berlin, die einzige Weltmetropole in Deutschland« ist zu hören. Nach Niroomands Idee könnten die Olympiagäste Latte Macchiato im Prenzlauer Berg trinken und dann (einfach so) zu einem Wettbewerb nach Leipzig fahren. Seiner Erfahrung nach dauert eine Strecke nicht mal zwei Stunden. Spätestens bei der Story dürften einige Menschen, die sich öfter auf der Strecke zwischen Berlin und Leipzig befinden und/oder Großveranstaltungen besuchen, müde abwinken. Aber: Olympische Spiele bieten für Größenwahn schon immer wunderbare Projektionsflächen.

Zudem hat die Berliner Bewerbung gerade Aufwind. Die Umfragewerte in Berlin kippten vor einigen Tagen in Richtung »Jein« zu Olympia, das muss ausgenutzt werden. In einer Berliner Telefonumfrage im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes gaben 38 Prozent der Menschen ihr »Ja« für die Spiele, 22 Prozent antworteten mit »eher ja«. Ein »Nein« gaben 18 Prozent und ein »eher nein« 16 Prozent ab. Diese Zahlen schreiben sich die Olympiabeauftragten ihrer seit Anfang des Jahres wahrzunehmenden Werbekampagne »Berlin gewinnt Olympia«, verbunden mit Botschaften wie »Olympia ist ein Berliner«, zu. Nun steigt auch Leipzig ein, um sich als olympischer Zusatzstandort in der Berlin-Bewerbung zu etablieren. Neben Leipzig gehören Rostock-Warnemünde (Segelsport), Brandenburg (Rudern), Bad Saarow (Golf) und – was auf dem Pressetermin nicht genannt wird – Aachen für den Pferdesport dazu. Leipzig wird in der Berliner Bewerbung mit dem Kanupark Markkleeberg und dem Sportforum berücksichtigt.

Die Stadt selbst stellt bei ihrer Präsentation am Mittwoch noch mehr Orte vor. Dazu gehören das Messegelände mit dem Verweis auf Spielsportarten, das auf der Karte ebenso zu sehen ist wie der Kohlrabizirkus, die in der offiziellen Berlin-Bewerbung fehlenSportbürgermeister Heiko Rosenthal zeigt unter anderem eine Messehalle beim Partner Pferd-Event.

Markkleeberg steht für Kanu-Slalom sowie Kajak-Cross und ist für die Leipziger Bewerbungsgeschichte immens wichtig. Einerseits sollen die Emotionen aus der international gescheiterten Leipziger Olympiabewerbung für das Jahr 2012 erneut aufgekocht werden. Andererseits steht der Kanupark der zur damaligen Bewerbung entstand, für Nachhaltigkeit. Neben dem Neuen Messegelände und dem Kohlrabi-Zirkus stellen das Sportforum und die Innenstadt weitere wichtige Orte in der Bewerbung da. Die beiden letzteren dienen Spielsportarten sowie Fanzonen. Was Rosenthal besonders betont: Im Sinne der vom Internationalen Olympischen Komitee favorisierten Nachhaltigkeit werden keine Neubauten errichtet. Erst im vergangenen Jahr beschloss der Stadtrat den Rahmenplan für das Stadionumfeld. Er umfasst die Sanierung und Erweiterung der bisherigen Arena auf 12.000 Plätze und in deren unmittelbarer Nähe den Bau einer Ballsporthalle mit 5.000 Plätzen. Wenn alles nach Plan läuft, wären die also 2035 und damit vor möglichen Spielen fertigt. Die geplante große Ballsporthalle in Nähe der heutigen Arena wird bis dato offensichtlich schon gebaut sein werden.

Im Mai soll sich der Stadtrat zu der Bewerbung bekennen. Bei den nächsten Massensportveranstaltungen in der Stadt tragen die Rathausangestellten schon mal das Trikot zur Bewerbung. Spätestens in einem halben Jahr kann der ganze Rummel aber auch schon vorbei sein und wenn nicht – international werden Deutschland sowieso geringe Chancen eingeräumt.


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