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Kultur

Grenzüberschreitend

Die Kinostarts der Woche

  Grenzüberschreitend | Die Kinostarts der Woche  Foto: Filmstill »Amoeba«/ Akanga Film

 Zurück in den Mai, zurück in die Nato: Das Festival für den chinesischen Film »Chai« widmet sich der Suche nach Sinn im urbanen Leben und zeigt neun Dokumentar- und Spielfilme frisch von den Festivals zum ersten Mal in Leipzig. Darunter die Animationsfilme »Art College 1994« und »Light Pillar«, die ihre Premiere bei der Berlinale feierten. Eröffnet wird das dreitägige Festival mit dem grenzüberschreitenden Drama »Amoeba«, das in einer strengen, leistungsorientierten Mädchenschule in Singapur spielt.

»Chai – Chinesisches Filmfestival Leipzig«: 2.–4.5., Cinémathèque in der Nato, Konfuzius-Institut Leipzig

Der Start des Sommerkino Open Air in der Spinnerei muss leider verschoben werden!


Film der Woche:

»Rose«
AT/D 2026 R: Markus Schleinzer, D: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, 94 Min.

Dreißig Jahre Krieg. Undenkbar. Inmitten dieses »ersten großen Krieges« im 17. Jahrhundert taucht der Soldat Rose in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Rose behauptet, der rechtmäßige Erbe eines seit langer Zeit verlassenen Gutshofs zu sein. Seinen Anspruch macht er mit einem Dokument geltend. Rose strebt nach Anerkennung und Integration in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Sein Erscheinen zieht jedoch deren Misstrauen auf sich. Den Fremden umgibt ein Geheimnis – tatsächlich steckt hinter Rose eine Frau, die eine falsche Identität und ein anderes Geschlecht angenommen hat, um ihr Glück zu finden.
Mit der Figur des Soldaten Rose hat die Charakterdarstellerin Sandra Hüller eine neue Herausforderung gefunden. Nach der Frau eines SS-Kommandanten in »Zone of Interest« und einer angeklagten Witwe in »Anatomie eines Falls« stellt sie in Markus Schleinzers »Rose« eine »Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein« dar, wie Hüller im Rahmen der Pressekonferenz der diesjährigen Berlinale betonte. »Ich spiele keinen Mann.«. Und doch ist diese Rolle für sie auch eine auch körperliche Transformation. Nicht nur die Stimme wirkt fester, betonter, auch ihr Schauspiel trägt männliche Züge, solange sich Rose als Mann ausgibt. Auch Robert Gwisdek und Godehard Giese gehören zum Ensemble. Caro Braun ist als Roses Partnerin Suzanna eine Entdeckung. Marisa Growaldt führt als Erzählerin durch die Geschichte. Dadurch gewinnt der Film die Hoheit der Narration, die Distanz des Blicks auf die Ereignisse. Vor allem Hüllers Spiel geht unter die Haut. Mehr zum Film und seiner Entstehung gibt es hier.

»Rose«: ab 30.4., Passage-Kinos, Schauburg, Kinobar Prager Frühling


»Der Frosch und das Wasser«
D/J 2025 R: Thomas Stuber, D: Aladdin Detlefsen, Kanji Tsuda, Bettina Stucky, 100 Min. 

Stefan Busch (Aladdin Detlefsen), den alle nur »Buschi« nennen, lebt in einer betreuten Wohngruppe. Bei einem Ausflug nach Köln macht sich Buschi selbständig und steigt in den Bus einer japanischen Reisegruppe. An Bord ist der schweigsame Hideo Kitamura (Kanji Tsuda). Obwohl die beiden einander nicht verstehen können, entwickelt sich eine behutsame Freundschaft zwischen ihnen. Buschi, der sich sein ganzes Leben lang geweigert hat, über Sprache mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, blüht in dieser fremden Umgebung auf. Hideo wiederum hat persönliche Gründe für diese Reise, den Verlust seines Bruders. Gotthard Kuppel, Seiltänzer, Kabarettist, Theaterschauspieler und -regisseur, reiste 1972 als Teil der Olympiaauswahl im Judo nach Japan. Als er einmal im Zug sitzend beobachtete, wie sich zwei Reisegruppen begegneten, eine deutsche und eine aus Japan, stellte er sich vor, wie es wäre, wenn einer der Touristen plötzlich kehrt machen und sich der anderen Gruppe anschließen würde. Aus dieser Tagträumerei entstand ein Drehbuch. Mit Kuppels Engagement im Bremer Blaumeier-Atelier, einer Institution, in der seit vierzig Jahren Menschen mit und ohne körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen Theater und Musik machen, wurde aus dem Protagonisten seiner Geschichte ein Held mit Downsyndrom. Gemeinsam mit dem Leipziger Regisseur Thomas Stuber (»In den Gängen«) erzählt Kuppel ein lakonisches Roadmovie in der Tradition von Filmemachern wie Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und nicht zuletzt Takeshi Kitano. Der Blaumeier-Schauspieler Aladdin Detlefsen und der japanische Charakterdarsteller Kanji Tsuda (»Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel«) entwickeln eine wundervolle Chemie auf der Leinwand. Wer sich auf den ruhigen Ton und das gemächliche Tempo dieser charmanten Reisegesellschaft einlässt, findet eine berührende Komödie mit leisem Humor. Hintergründe zum Film und ein Gespräch mit Regisseur Thomas Stuber gibt es hier.

»Der Frosch und das Wasser«: ab 30.4., Passage-Kinos, Regina-Palast


Weitere Filmtermine der Woche

Ja, Andrei Iwanowitsch
D 2018, Dok, R: Hannes Farlock

Andrei ist einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, und unter ihnen einer der wenigen, die geistig und körperlich noch mitten im Leben stehen.

Schaubühne Lindenfels, 30.04. 17:00 (Eintritt frei, Mit Filmgespräch mit Regisseur Hannes Farlock und Protagonist Andrei Iwanowitsch Moiseenko)

Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour
USA 2026, Dok, R: James Cameron

Konzertfilm von Billie Eilish, gefilmt in 3-D von James Cameron.

Cinestar, 05.05. 16:30 (3D, OmU), 20:15 (3D, OmU)
Cineplex, 05.05. 17:00 (3D, OmU), 19:45 (3D, OmU)
Regina-Palast, 05.05. 17:00 (3D, OmU), 20:30 (3D, OmU)

Die drei Tage des Condor 
USA 1975, R: Sydney Pollack, D: Robert Redford, Max von Sydow, Faye Dunaway

Intelligenter und hochspannender Politthriller, der zu den Klassikern des Paranoia-Kinos der 70er Jahre gehört. Mit seinem kritischen Blick auf die zweifelhaften Moralvorstellungen der Geheimdienste wirkt er auch heute noch aktuell.

Regina-Palast, 05.05. 18:00 (Best of Cinema, OF), 20:00 (Best of Cinema)
Cinestar, 05.05. 19:30 (Best of Cinema)
Cineplex, 05.05. 20:00 (Best of Cinema)

Das Ding aus einer anderen Welt
USA 1982, R: John Carpenter, D: Kurt Russell, T.K. Carter, Wilford Brimley, 108 min

In einer Forschungseinrichtung in der Antarktis ergreift eine außerirdische Lebensform nacheinander Besitz von den Beschäftigten. John Carpenters finsteres Remake des Klassikers von 1951 war seinerzeit zu glückseligen »E.T.«-Zeiten ein Kino- und Kritikerflop, gilt heute aber zu Recht als spannender Meilenstein und Kultfilm des Sci-Fi-Horror-Genres.

Passage-Kinos, 03.05. 20:30 (mit Einführung, OmU)

Fred Stein – Out of Exile
USA 2021, Dok, R: Peter Stein, Dawn Freer

Das bewegte Leben des deutsch-jüdischen Fotografen Fred Stein, der nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten in Paris und New York zum Pionier der Kleinbildfotografie wurde.

Schaubühne Lindenfels, 03.05. 18:00

Girls Don‘t Cry
D 2026, Dok, 90 min, Sigrid Klausmann

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von sechs Teenagern, ihrem selbstbewussten, weiblichen Handeln in erschütterten Lebensumständen, ihrem Wunsch, sich zu verlieben, sich zu befreien und für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen, von Hoffnung getragen, von der Lust zu leben, trotz Verlust und Trauma.

Passage-Kinos, 07.05. 18:00 (mit Filmgespräch)

International Ocean Film Tour Volume 12

Die neuesten Meeresabenteuer und Wassersportfilme auf der großen Leinwand mit viel Action auf und unter Wasser, Geschichten rund ums Meer und Salz in der Luft.

Werk 2, 07.05. 19:30

Kunst kommt aus dem Schnabel, wie er gewachsen ist
D 2020, Dok, R: Sabine Herpich, 106 min

16 Künstlerinnen und Künstler gehen in der Spandauer Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung ihrer Lohnarbeit nach. Viele von ihnen sind mittlerweile bekannt. Kunst zu machen, ist hier eine gleichberechtigte Arbeit. Ein humorvoller Film, der beiläufig zeigt, wie Behinderung und Ermöglichung eine große Freiheit schaffen.

Cineding, 02.05. 19:30 (mit Regiegespräch)

Luru Archive: Wolfsblut / Verdammt zu leben – verdammt zu sterben
I 1975, R: Lucio Fulci, D: Franco Nero, Virna Lisi, Fernando Rey / Fabio Testi, Lynne Frederick, Michael J. Pollard, 192 min

Zwei Filme von Lucio Fulci nacheinander: Eine Jack-London-Adaption und ein Western.

Luru-Kino in der Spinnerei, 04.05. 20:00

Now and Then – Damals und heute
USA 1995, R: Lesli Linka Glatter, D: Demi Moore, Melanie Griffith, Rosie O’Donnell, 100 min

Vier Freundinnen treffen sich als Erwachsene wieder und erinnern sich an den Sommer 1970, in dem sie als zwölfjährige Mädchen unzertrennlich waren und wichtige Erfahrungen über Freundschaft, Verlust und Erwachsenwerden sammelten.

Passage-Kinos, 05.05. 20:30 (Passagen-Werke, OmeU)

Nürnberg
USA/HUN 2025, R: James Vanderbilt, D: Rami Malek, Russell Crowe, Michael Shannon, 148 min

Hervorragend gespielt, bis in die Nebenrollen glänzend besetzt und stilvoll in Szene gesetztes, aber auch sehr dick aufgetischtes Psychoduell zwischen Hermann Göring und dem Armeepsychiater Douglas M. Kelley.

Passage-Kinos, 06.05. 19:00 (Preview mit Darsteller Andreas Pietschmann)

Sirens Call
D/NL 2025, Dok, R: Miri Ian Gossing, 121 min

Dokumentarfilm im Format eines experimentellen Roadmovies über Meermenschen, Sirenen und hybride Wesen.

Schaubühne Lindenfels, 03.05. 20:00 (mit Regiegespräch, OmU)

Souleymanes Geschichte
F 2025, R: Boris Lojkine, D: Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse, 93 min

Der Pariser Lebensmittellieferant und Asylbewerber Souleymane hat nur zwei Tage Zeit, um sich für ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten, bei dem es um den Erhalt eines legalen Aufenthaltsstatus geht.

Ost-Passage-Theater, 06.05. 20:00 (OmU)

The North Drift – Plastik in Strömen
D 2022, Dok, R: Steffen Krones, 94 min

Eine deutsche Bierflasche, die auf einer unerreichbaren Insel der Lofoten angeschwemmt wird, regt die Neugier des Filmemachers Steffen Krones an. Wie weit reist Müll tatsächlich? Zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlern entwickelt er eine GPS-Boje, die sie auf der Elbe aussetzen.

Passage-Kinos, 03.05. 13:00

Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen
AT 2025, Dok, R: Nicole Scherg, 92 min

»Geburt folgt keinem Drehplan« – dieser zentrale Gedanke zieht sich durch den Film, der fünf Hebammen in Äthiopien, Brasilien, Marokko, Nepal und Österreich begleitet.

Schauburg, 05.05. 17:00, Passage-Kinos, 05.05. 18:00 (Special zum Hebammen-Tag)


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