anzeige
anzeige
Editorial

Der August-kreuzer ist da!

  Der August-kreuzer ist da! |   Foto: Harald Kirschner/Tanja Kirmse

»Und so wohnen wir in Sachsen

auf modernden Matratzen

immer gut drauf
auch ohne Kohle in den Taschen«

– Kraftklub, am 15.8. bei der letzten Ausgabe des Highfield-Festivals (13.–16.8.)

Fragen Sie sich auch manchmal, wie es jetzt mit Leipzig weitergehen soll? Also finanziell? Die Zeiten sind schließlich kompliziert genug und jetzt ist auch noch die Karlbrücke zwischen Plagwitz und Schleußig wieder ganz normal befahr- und begehbar. Womit der Stadt Leipzig eine der wichtigsten Einnahmequellen fürs gebeutelte (!) Stadtsäckel weggebrochen ist: genau, die Bußgelder der dort während der rund dreijährigen Bauphase illegal, ach was: kriminell langsam auf dem Fußweg Rad Fahrenden. Was nun, Herr Bonew?

Denn ja, die einfachen Lösungen taugen mal wieder nicht. Natürlich könnte man im selben Maße wie an der Karlbrücken-Baustelle die Straße des 17. Juni patrouillieren. Dort fahren ja traditionell mehr Autos falsch­rum die Einbahnstraße lang als richtig­rum, ohne dass deren Fahrzeugführerinnen und -führer dafür belangt werden. Das würde das entstandene Einnahmenloch mehr als füllen. Aber so einfach ist es eben nicht! Denn nun wird ja die Harkortstraße gebaut, wodurch die Straße des 17. Juni gesperrt ist. Also noch mal: Was nun, Herr Bonew?

Klar, wenn es mit den Einnahmen schwierig ist: Kosten sparen! Und hier kommt die Schaubühne Lindenfels ins Spiel. Die hat für ihren Neubau gegenüber dem Felsenkeller gerade einen Pachtvertrag über 99 Jahre mit der LWB geschlossen. »Wir erhalten dadurch regelmäßig eine Pacht und können zugleich die Kultur in Leipzig unterstützen«, ließ sich LWB-Sprecherin Samira Sachse dazu in der LVZ zitieren. Geniale Idee! Die Schaubühne füttert einfach die Kultur mit durch. Da spart die Stadt Leipzig! Und das Land gleich mit.

Falls Sie sich übrigens fragen, warum die Schaubühne überhaupt am Felsenkeller baut und nicht etwa auf der Baulücke direkt neben der Schaubühne: Der frisch sanierte »Josephkonsum« auf der anderen Seite der Baulücke braucht Parkplätze! Sie haben richtig gelesen: Statt eines mehrgeschossigen (Kultur-)Hauses (wie der Entwurf wohl ausgesehen hätte, wenn er direkt neben der historischen Schaubühnen-Fassade gestanden hätte?) blockieren dort jetzt Autos auf fünfzehn durchnummerierten Lücken den Raum bis zum Himmel.

Womit wir quasi bei der Titelgeschichte dieser Ausgabe wären.

Ich wünsche Ihnen allzeit gute Fahrt – zum Beispiel am 8. August, wenn die Parkeisenbahn am Auensee ihren 75. Geburtstag feiert, oder ab 28. August beim Stadtradeln.

Benjamin Heine

chefredaktion[at]kreuzer-leipzig.de


Kommentieren


0 Kommentar(e)