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Der Star ist die Mannschaft

Interdisziplinäre Teamarbeit bestimmt die Forschung am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie – Besuch bei zwei »Vize-Nobelpreisträgern«

  Der Star ist die Mannschaft | Interdisziplinäre Teamarbeit bestimmt die Forschung am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie – Besuch bei zwei »Vize-Nobelpreisträgern«  Foto: Christiane Gundlach

Schlicht mutet der Kubus aus schwarzer und grauer Plastikverschalung an, er wirkt so aufregend wie eine Kopiermaschine mit großem Monitor. »HISeq 4000« steht auf dem Gerät. Der dezenten Optik zum Trotz ist der Apparat ein wesentlicher Baustein für die Neandertaler-Forschung. Denn mit dem Sequenzierautomat lässt sich DNA auslesen. »Das ist das Kernstück, ein Mikroarray«, sagt Evolutionsgenetiker Matthias Meyer. Der enge Mitarbeiter von Svante Pääbo hält ein rechteckiges Glasplättchen mit hauchdünnen schwarzen Linien zwischen den Fingern. »Hier wird das Probematerial aufgetragen, dann fährt der Laser darüber.« Man kann sich das wie einen Objektträger unterm Mikroskop vorstellen, allerdings ermöglicht der Biochip die parallele Analyse vieler Einzelnachweise – bis zu sieben Milliarden DNA-Segmente pro Tag.

Durch den Nobelpreis habe das ganze Forschungsfeld Anerkennung erfahren, sagen beide. Damit ist für sie die Botschaft verbunden, dass diese Arbeit wichtig ist. »Ich war kürzlich in Spanien im Feld«, sagt Matthias Meyer, »und die Archäologen dort sahen den Preis als Anerkennung für die Forschung im gesamten Bereich der menschlichen Vergangenheit.« Überrascht seien sie gewesen, als sie erfuhren, dass der Nobelpreis nach Leipzig geht. Und »aufgeregt«, so Janet Kelso. Sie erfuhren davon aus den Medien, in Chatgruppen verbreitete sich die Nachricht schnell – es war ja Feiertag und niemand auf Arbeit. »Wir sind dann zum Feiern im Institut zusammengekommen«, sagt Meyer, »ich habe dafür meinen Weinkeller geleert. Erstaunt war ich persönlich, wie viel Wahrnehmung mit dem Preis verbunden ist. An einem runden Geburtstag hätte ich weniger Anrufe und Nachrichten bekommen. Dabei habe ich den Preis gar nicht gewonnen. Er hat Gemeinschaft gestiftet, Menschen verbunden. Ich habe jetzt wieder zu alten Schulfreunden Kontakt. Und das geht vielen so.« Auch mit Menschen, die früher im Leipziger Max-Planck-Institut gearbeitet haben, gibt es wieder Verbindung. »Den Teamaspekt unserer Arbeit hat Svante immer betont«, so Meyer. »Ich habe aus Spaß gesagt: ›Ich bin Vize-Nobelpreisträger.‹ So fühlt sich das für einige von uns an.«


Titelfoto: Christiane Gundlach.


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