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Politik

Nationalistische Tendenzen in Sachsen steigen

Der Sachsenmonitor 2023 gibt keinen Grund zur Hoffnung

  Nationalistische Tendenzen in Sachsen steigen | Der Sachsenmonitor 2023 gibt keinen Grund zur Hoffnung  Foto: Adobe Stock

»Der Sachsenmonitor 2022 weckt leise Hoffnungen auf ein moderateres Klima«, so titelte ein kreuzer-Text vor gut einem Jahr. Damals war eine leichte Aufhellung im sächsischen Stimmungsbild erkennbar im Vergleich zur Umfrage von 2016. Der neuesten durch die Landesregierung in Auftrag gegebenen Erhebung zufolge ist die Stimmung jetzt wieder gekippt.

Damals wie heute halten 83 Prozent die Demokratie ganz allgemein für eine gute Regierungsform – 2022 waren es noch 91 Prozent. Regional zeigen sich große Unterschiede – bei dieser Frage etwa stehen 92 Prozent in Dresden 77 Prozent in Leipzig gegenüber. Am geringsten ist dieser Wert mit 71 Prozent im Erzgebirgskreis. Außerdem  meint heute eine Mehrheit (64 %, 2022: 40 %; 2016: 58 %), dass Deutschland in »gefährlichem Maße überfremdet« sei. In Leipzig sind es 58 Prozent. 30 Prozent empfinden ihr persönliches Wohnumfeld als »gefährlich überfremdet«. Das sind 21 Prozentpunkte mehr innerhalb eines Jahres. Dieses Empfinden steht im Verhältnis zu einem Anteil von 5,7 Prozent von sächsischen Einwohnern ohne deutsche Staatsbürgerschaft.

Anderen Nationen und Ethnien überlegen fühlen sich inzwischen 11 statt einst 10 Prozent (2016: 18 %). Um sechs Prozentpunkte gestiegen ist die Zahl jener, die die geschichtswissenschaftliche Darstellung der NS-Verbrechen für übertrieben halten, von 11 auf 17 Prozent. Insgesamt haben die Zustimmungswerte zu Ressentiments und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zugenommen. Ebenso alarmierend ist die Verbreitung verschwörungsmythischer Vorstellungen. So glaubt ein Drittel der Sachsen, dass Deutschland eher einer Diktatur denn einer Demokratie gleiche (Leipzig: 24 %, Dresden: 16 %, Erzgebirgskreis: 52 %).

Natürlich ist der Monitor nur eine Momentaufnahme: Befragt wurden zwischen Juni und September 2023 gut 2.000 Personen in ganz Sachsen mittels eines standardisierten Fragebogens in persönlichen Interviews. Demzufolge hat die Zahl derer abgenommen, die »eher optimistisch« in die Zukunft schauen (von 73 auf 63 Prozent) – hier liegen die Leipzigerinnen und Leipziger (60 %) etwas unterm Durchschnitt. Eine Mehrheit (72 %, 2022: 72 %) sieht ihre wirtschaftliche Lage zwar als »sehr gut« bis »eher gut« an, trotzdem geben ein Drittel der Befragten an, dass es in Deutschland »eher ungerecht« zugehe (64 %; Leipzig: 65 %), besonders niedrige Löhne und Renten sowie die soziale Ungerechtigkeit werden in diesem Bereich als gravierend genannt. Den Klimawandel schätzen die Sachsen mehrheitlich als besorgniserregend ein (54 %; Leipzig: 67 %) und sehen neben gesellschaftlichen Akteuren auch jeden Einzelnen in der Pflicht, etwas zum Klimaschutz beizutragen.

Geringstes Vertrauen haben die Sachsen in die Medien (15 %) und »Parteien im Allgemeinen« (10 %). Trotzdem vertraut weiterhin gut die Hälfte der Befragten dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der für die meisten (47%) auch noch die primäre Informationsquelle ist. Diese Zustimmung hat allerdings massiv abgenommen (51 %, 2022: 63 %). Tageszeitungen hält ebenfalls nur noch jeder Zweite für glaubwürdig (– 10 %). Zeitschriften und Magazine halten nur noch 29 Prozent der Befragten für vertrauenswürdig. Nur fünf Prozent der Menschen gaben an, sich vorzugsweise über Social Media zu informieren.


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1 Kommentar(e)

Rolf Christian 25.01.2024 | um 09:44 Uhr

Und die CDU in Sachsen glaubt, dass die Ampel an allem schuld ist. Übrigens: Die Hälfte und ein Drittel sind Einzahl, das hat dann auch für das Verb zu gelten. Also die Hälfte/ein Drittel vertraut, nicht vertrauen. Und neuste gibt es im Duden nicht, es heißt neueste.