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Rezensionen

Vergiftete Wahrheit

Vergiftete Wahrheit

Im Dienst der Sache

USA 2020, 128 min, R: Todd Haynes, D: Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins Robert Bilott hat etwas Manisches. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er es durch – egal, wie groß die Widerstände sind. In der Anwaltskanzlei hat er es weit gebracht. Er ist die rechte Hand von Kanzleichef Tom Terp, der volles Vertrauen in ihn setzt. Einer seiner vertrauten Klienten ist das Chemieunternehmen DuPont, einer der größten Wirtschaftsmotoren in West Virginia, das sein Hauptgeschäft mit der Herstellung von Teflon macht. Der Gigant wird zum Gegner, als Robert in der Provinz auf den Fall des Rinderzüchters Wilbur Tennant aufmerksam wird. Nahezu 200 seiner Tiere sind auf rätselhafte Weise gestorben. Als Ursache hat er die toxischen Abfälle von DuPont auf dem Nebengrundstück ausgemacht und alles penibel auf Video dokumentiert. Doch niemand will ihm glauben. Bis auf Robert, der den langen und zehrenden Kampf gegen den Multimilliarden-Dollar-Konzern antritt. Todd Haynes erweist sich als kämpferischer Geist für das Gute. Er schildert den unbeirrbaren Weg eines Mannes, der überzeugt ist, das Richtige zu tun. Mark Ruffalo spielt ihn meisterhaft zurückhaltend. Haynes inszenierte ein ruhiges, versiertes Charakterdrama, basierend auf dem New York Times-Artikel von Nathaniel Rich. Auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt. Kameraveteran Ed Lachmann unterstützt die unaufgeregte Inszenierung mit dem Zeitkolorit der neunziger Jahre. Dazu beschwört John Denver den Lokalpatriotismus West Virginias. Lars Tunçay

Sag du es mir

Sag du es mir

Perspektivwechsel

D 2019, 106 min, R: Michael Fetter Nathansky, D: Gisa Flake, Christina Große, Marc Ben Puch So richtig rund läuft es nicht für Silke: Ein junges Mädchen verschwindet in unmittelbarer Nachbarschaft, kurz darauf wird sie von einem Unbekannten über ein Brückengeländer geworfen und dann steht auch noch Moni vor der Tür. Ganz geheuer scheint ihr die Rückkehr ihrer großen Schwester nicht, weiß sie doch, dass Moni nicht freiwillig nach 20 Jahren vom sonnigen Mallorca in die triste Potsdamer Plattenbausiedlung zurückgekehrt ist. Kurz-entschlossen schickt Silke sie lieber ins Hotel, statt sie bei sich auf der Couch schlafen zu lassen. Doch als es Moni durch einen Zufall gelingt, den Nachbarn René als möglichen Brückenschubser zu identifizieren, beschließen die Schwestern, ihn gemeinsam zur Rede zu stellen. Michael Fetter Nathanskys Langfilmdebüt »Sag du es mir« erzählt die Geschichte von Moni, René und Silke aus drei Perspektiven und entwickelt sich dabei von einer Komödie immer weiter ins Dramatische. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel werden scheinbar logische Brüche nach und nach umgekehrt und aufgelöst. Der junge Regisseur nimmt sich aber auch die Freiheit, einige Erzählstränge nicht auszuerzählen oder ins Leere laufen zu lassen. Für ein Debüt ist das eine mutige Entscheidung, über die dadurch entstehenden Längen innerhalb der Handlung kann die sehr gute Besetzung um Gisa Flake und Christina Große aber leider nicht vollständig hinwegspielen. Hanne Biermann

Oeconomia

Oeconomia

Kreislauf

D 2020, Dok, 89 min, R: Carmen Losmann Wie funktioniert unser Wirtschaftssystem? Was hält es am Laufen und – wie entsteht Geld? Grundlegende Fragen, die man sich im Alltag eher selten stellt. Zumindest vertrauen die meisten Menschen darauf, dass die Ökonomie funktioniert. Bis sie kollabiert wie zuletzt beim großen Bankencrash 2008. Wie konnte es so weit kommen und wie weit sind wir von einem endgültigen Kollaps entfernt? Das sind einige der Fragen, die sich Carmen Losmann stellte. Wie bereits in ihrem Debüt »Work Hard Play Hard«, der mit dem Kritikerpreis des Dok Leipzig ausgezeichnet wurde, dringt sie auf der Suche nach Antworten in eine reine Männerwelt vor. Diese Antworten fügt man sich am Ende der rund 90 Minuten schließlich selbst zusammen. Losmann geht es darum, das System dahinter zu begreifen und verständlich zu machen. Eine Herkulesaufgabe, die acht Jahre mühevoller Recherche nach sich zog. Unzählige Türen blieben ihr verschlossen, kaum jemand wollte reden, noch weniger vor der Kamera. Die Gesprächspartner von BMW, Allianz und EZB, die es dann doch wagten, sind so sehr Teil dieses Systems, dass sie sich die Frage nach dem Warum überhaupt nicht stellen, geschweige denn sie verstehen. Losmann rekonstruierte die Dialoge und Telefonate, um ihre Quellen zu schützen. Die Erkenntnisse sind erschreckend. Wir bewegen uns in einem Kreislauf, in dem alle mitspielen müssen, sonst reißt er alles in den Abgrund. Ein dokumentarischer Horrorfilm. Lars Tunçay

Niemals selten manchmal immer

Niemals selten manchmal immer

Ganz allein

USA/GB 2020, 102 min, R: Eliza Hittman, D: Sidney Flanigan, Talia Ryder, Théodore Pellerin Autumn ist allein. Nur ihrer Cousine Skylar kann sie sich anvertrauen, als sie einen Schwangerschaftstest macht, der positiv ausfällt. Skylar gibt ihr Kraft und steht ihr bei, als sie sich entschließt, mit dem Bus nach New York zu reisen. Dort kann sie einen Schwangerschaftsabbruch ohne Einverständnis ihrer Eltern durchführen lassen. Die Stadt überwältigt die beiden jungen Frauen ebenso wie die Abläufe in den Schwangerschaftskliniken. Das Geld ist knapp und kaum jemand begegnet ihnen mit Freundlichkeit und Verständnis. Der Beginn einer langen Nacht, an deren Ende eine Entscheidung steht. Ohne zu kommentieren, zu erklären oder zu werten, begleitet Regisseurin und Drehbuchautorin Eliza Hittman (»Beach Rats«) ihre beiden Protagonistinnen. Es geht ihr nicht um die moralisch richtige Entscheidung. Sie dokumentiert mit Distanz und kommt ihren Figuren dennoch nahe – und damit auch all jenen, die jung sind, allein und missverstanden. Ihre Geschichte erzählt sie mit fein nuancierten Blicken, Gesten und Reaktionen. Eine Entdeckung ist dabei vor allem Hauptdarstellerin Sidney Flanigan, die hier zum ersten Mal vor der Kamera steht. »Niemals selten manchmal immer« ist ein rares Juwel des Independent-Kinos. Eine ähnliche Entdeckung wie Debra Graniks »Winter‘s Bone« vor zehn Jahren. Auch Eliza Hittmans Film debütierte in Sundance und gewann den Spezialpreis der Jury und den Silbernen Bären der diesjährigen Berlinale. Lars Tunçay

Milla meets Moses

Milla meets Moses

Unkonventionell

AUS 2019, 118 min, R: Shannon Murphy, D: Eliza Scanlen, Toby Wallace, Essie Davis Als die 15-jährige, schwer an Krebs erkrankte Milla bei einem Schwächeanfall am Bahnsteig unsanft von Moses aufgefangen wird, nimmt der Rest ihres vermutlich nicht mehr allzu langen Lebens einen unerwarteten Verlauf. Zwar will der dealende Junkie von ihr sogleich Geld für seine Hilfe haben, dennoch verliebt Milla sich in ihn und schockt genüsslich ihre Eltern, als sie ihn mit nach Hause nimmt. Trotz einiger Zwischenfälle entwickelt sich eine mehr als ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Kompliziert ist auch die Ehe von Millas Eltern, dem Psychiater Henry und der tablettenabhängigen Mutter Anna, die nicht wissen, wie sie mit der Krankheit ihrer Tochter und deren Entscheidungen umgehen sollen. Die Australierin Shannon Murphy erzählt in ihrem herausragenden Spielfilmdebüt, das auf einem Theaterstück ihrer Landsmännin Rita Kalnejais basiert, eine bekannte Geschichte auf höchst originelle Weise. Zwar sind die Themen Krankheit, Tod und Sucht stets präsent, letzten Endes aber nur Triebfedern, um die zutiefst menschlichen Verfehlungen, Ängste, Wünsche und Bemühungen der vier Protagonisten offenzulegen. Dabei geht es trotz einiger emotionaler Momente erfreulicherweise nicht bleischwer, sondern überraschend ironisch, ambivalent und warmherzig zu, woran das perfekte Hauptdarstellerensemble mit Eliza Scanlen, Toby Wallace, Essie Davis und Ben Mendelsohn großen Anteil hat. Peter Hoch

Ema

Ema

Körpereinsatz

CL 2019, 102 min, R: Pablo Larraín, D: Mariana Di Girólamo, Gael García Bernal, Paola Giannini Pablo Larraín ist ein Freigeist. Bei seinen Filmen weiß man nie, was einen erwartet. Er rekonstruierte den Widerstand der »No«-Bewegung gegen Pinochet in körnigem VHS-Bild, widmete sich den Biografien von Pablo »Neruda« und »Jackie« Kennedy und dem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche (»El Club«) mit unkonventionellen erzählerischen Mitteln. So ist auch »Ema« schwer in eine Schublade zu packen. Schon im Vorspann wagt der Chilene den Spagat zwischen berauschenden Bildern einer Tanzperformance, erfüllt von Freiheit, Bewegung und Schönheit, und einer unaussprechlichen familiären Tragödie: Das Kind, das Ema gemeinsam mit ihrem Mann, dem Choreografen Gastón, adoptierte, versuchte Emas Schwester umzubringen. Es war offensichtlich nicht das erste Mal, dass Polo auffällig und Ema überfordert reagierte. Für sie ist im ersten Moment klar, Polo muss gehen. Doch ihre Muttergefühle lassen sie nicht ruhen, und so heckt sie einen perfiden Plan aus. So konsequent, wie Ema ihr Ziel verfolgt, inszenierte auch Larraín seinen Film. Als fiebrige Mischung zwischen Tanz und Aktionismus ist »Ema« ein Film über weibliche Selbstermächtigung, kompromisslos bis zum Ende. Ein Film voll Leidenschaft, der sich der rationalen Betrachtung immer wieder entzieht. Das macht den Zugang zu den Figuren nicht immer einfach. Die eindrucksvolle Körpersprache seiner Hauptdarstellerin Mariana Di Girólamo fasziniert aber bis zum cleveren Schlussakt. Lars Tunçay

Enfant Terrible

Enfant Terrible

Der kreative Sadist

D 2020, 134 min, R: Oskar Roehler, D: Oliver Masucci, Hary Prinz, Katja Riemann Ohne Zweifel war Rainer Werner Fassbinder einer der produktivsten und innovativsten Regisseure Deutschlands, nicht nur in der Zeit des Neuen Deutschen Films. Oskar Roehler hat ihm mit »Enfant Terrible« ein Biopic gewidmet, das weniger den Stereotypen des Genres folgt, als vielmehr ganz in der Tradition der Filmarbeiten Fassbinders angelegt ist. In stilisierten Studiokulissen zeigt uns Roehler einen egomanischen Kreativen (sensationell verkörpert von Oliver Masucci), der in den späten 1960er Jahren im Münchner Action-Theater erstmals auf sich aufmerksam macht. Schon bald folgen erste Filme, realisiert mit seinen Theatermitstreitern, zu denen u. a. Kurt Raab und Hanna Schygulla (im Film aus rechtlichen Gründen Martha genannt) zählten und die durch Fassbinder weltbekannt wurden. Privat litten sie jedoch häufig unter den sadistischen Anwandlungen des Autors und Regisseurs, der selbst mit vielen Problemen zu kämpfen hatte und von etlichen Drogen abhängig war, die seinem Leben schließlich ein frühes Ende setzten. Roehler konzentriert sich überwiegend auf den privaten Menschen Fassbinder, was bei weniger gut informierten Fans einige Illusionen zerstören dürfte. Doch er kommt damit dem Phänomen Fassbinder und dessen sehr spezieller Arbeitsweise unglaublich nahe, was durch ein grandioses Casting weiter unterstrichen wird. Eine faszinierende Nabelschau auf das ausbeuterische Verhalten eines kreativen Genies. Frank Brenner

Becoming Black

Becoming Black

D 2020, Dok, R: Ines Johnson-Spain, 89 min

D 2019, Dok, 91 min, R: Ines Johnson-Spain Auch weiße Schafe können schwarze Lämmer kriegen – Iris’ Frage nach ihrer Hautfarbe wird einfach abgetan. Sie wächst in den Sechzigern in einer weißen Familie in der DDR heran, ohne zu erfahren, wo sie herkommt. Erst viele Jahre später findet sie zufällig heraus, dass ihr Vater ein Student aus Westafrika war. Die Mutter hatte eine Affäre. Ihr Mann war abwesend, leistete den Dienst an der Waffe. Als er zurückkehrte, war sie schwanger. Der Antrag auf eine Abtreibung wurde abgelehnt, also schickte man Iris ins Heim. Für ein Jahr, dann kehrte sie in die Familie zurück und niemand sprach ein Wort über das Vergangene. Doch tief im Inneren hat Iris diese Zeit geprägt. Das Wissen, anders zu sein, ohne dafür eine Erklärung zu haben, verwirrte sie. Hinzu kam alltäglicher Rassismus, mit dem sich auch viele andere konfrontiert sahen, die wie sie anders waren. In ihren Zwanzigern begab sich Iris auf Spurensuche und fand ihren Vater. Nun, Jahre später, verfolgt sie diesen Weg und dokumentiert ihn. Sie stellt ihren Ziehvater zur Rede, reist in die Heimat ihres biologischen Vaters. Vieles ist jetzt, mit dem Abstand der Jahre, leichter auszusprechen. Für den Betrachter wirkt es dadurch aber auch weniger dringlich. Die erneute Reise und der Film, der dabei entstand, sind eher Teil einer Verarbeitung, die im Inneren der Filmemacherin stattfindet. Einige Gespräche wirken unwichtig oder unzugänglich, der Blick beengt. Lars Tunçay

Corpus Christi

Corpus Christi

Polnisches Priesterdrama

PL/F 2019, 115 min, R: Jan Komasa, D: Bartosz Bielenia, Eliza Rycembel, Aleksandra Konieczna Schaffen es polnische Produktionen ins deutsche Kino, so sind es meist stimmungsschwangere Dramen voller Hoffnungslosigkeit. Beste Beispiele aus jüngerer Zeit sind etwa Pawel Pawlikowskis preisgekrönte Filme »Ida« und »Cold War«. »Corpus Christi« reiht sich hier perfekt ein: In anderen Händen hätte aus dem Drehbuchstoff wohl eine fröhliche Verwechslungskomödie werden können, bei dem polnischen Regisseur Jan Komasa wird er zur düsteren Parabel über Kirche und Menschlichkeit. Im Zentrum der Handlung steht Daniel, frisch aus der Jugendhaftanstalt entlassen und auf dem Weg in die Provinz. Doch anstatt sich umgehend im örtlichen Sägewerk zu melden, wie es seine Bewährungsauflagen verlangen, steuert er als Erstes die Kirche an. Dort gibt er sich spontan als Priester aus – ein Beruf, der ihm eigentlich durch seine Vorstrafen verwehrt bleibt. Dem örtlichen Geistlichen kommt Daniels Anwesenheit gerade recht. Er übergibt dem vermeintlichen Priesternachwuchs kurzerhand die Gemeinde und fährt auf Kur. Und so muss Daniel schon bald seinen ersten Gottesdienst halten – ohne Vorerfahrung, aber mit einem unerschütterlichen Glauben. Mit seinen unkonventionellen Methoden schafft er es schnell, sich als Priester zu etablieren, und widmet sich auch umgehend den dunklen Geheimnissen des Ortes. Getragen wird die Handlung dabei vor allem vom fantastischen Mienenspiel des Hauptdarstellers Bartosz Bielenia. Hanne Biermann

Fragen Sie Dr. Ruth

Fragen Sie Dr. Ruth

Derwisch

USA 2019, Dok, 100 min, R: Ryan White Es verwundert eigentlich, dass diese Frau nicht längst im Fokus eines (Dokumentar-) Films stand: Dr. Ruth Westheimer ist ein absolutes Original. Die 1,40 Meter kleine Frau ist selbst mit 90 Jahren noch ein Energiebündel. In den Vereinigten Staaten kennt sie jeder als Aufklärerin der Nation und als Persönlichkeit, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihre Geschichte ist die von vielen und dennoch einzigartig: Als jüdisches Mädchen wurde sie in Frankfurt am Main geboren. Als die Nazis an die Macht kamen, musste sie in die Schweiz fliehen und ihre Eltern sowie ihre geliebte Großmutter zurücklassen. Nach dem Krieg ging sie zunächst nach Israel und kämpfte im Palästinakrieg, bevor sie nach Frankreich zog und an der Pariser Sorbonne Psychologie studierte. Sie träumte davon, nach Amerika überzusetzen, und realisierte ihren Traum schließlich im Jahr 1956. An der Columbia University studierte sie Soziologie und machte ihren Doktor. In den Achtzigern wurde sie zunächst im Radio, später auch im Fernsehen zum Star und klärte die verklemmten Amerikaner auf, während sie gleichzeitig in Harvard und Princeton unterrichtete. Mit jüdischem Witz und Chuzpe kam sie durchs Leben, so dass selbst Präsidenten ihre Hand schüttelten. Ein wahrhaft filmreifes Leben, das Dr. Ruth erstmals in ihren eigenen Worten schildert. TV-Regisseur Ryan White machte daraus einen soliden Dokumentarfilm, der voll und ganz von seiner einzigartigen Protagonistin und ihrer bewegten Vita lebt. Lars Tunçay

Jean Seberg – Against all enemies

Jean Seberg – Against all enemies

Verfolgungsangst

USA 2019, 102 min, R: Benedict Andrews, D: Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley Die für Jean-Luc Godards »Außer Atem« gefeierte französische Schauspielerin Jean Seberg will nach einigen Flops 1968 noch einmal ihr Glück in den USA versuchen. Dabei lernt die freigeistige Stilikone den schwarzen Aktivisten Hakim Jamal kennen. Obwohl beide verheiratet sind, beginnen sie eine Affäre miteinander, was dem FBI in die Hände spielt, das zu jener Zeit massiv gegen Funktionäre der Black-Power-Bewegung ermittelt. Seberg treiben die behördlich angeordnete Schmutzkampagne und ihre nicht ernst genommene Angst vor Bespitzelung in eine fatale Abfolge aus Depression, Sucht, einer Fehlgeburt und schließlich ihrem Selbstmord, der noch heute nicht ganz zu Unrecht die Verschwörungstheoretiker beschäftigt. Der letzte Punkt spielt im zweiten Werk von »Una und Ray«-Regisseur Benedict Andrews keine Rolle und auch als klassisches Und-dann-und-dann-und-dann-Biopic funktioniert sein Film nur bedingt. Von der US-Kritik wurde er deshalb – und trotz Kristen Stewarts herausragender Verkörperung der Seberg – in der Luft zerrissen. Dabei greifen die Kollegen aber viel zu kurz, ist der erschütternde Mix aus Momentaufnahme und Psychostudie doch nicht nur das ungewöhnliche Porträt einer selbstbewussten, progressiven Frau, der ihre Berühmtheit zum Verhängnis wird, sondern auch eine höchst aktuelle Warnung vor systematischen Bürgerrechtsverletzungen durch überwachungsstaatliche Institutionen. Peter Hoch

Love Sarah

Love Sarah

Gaumenfreuden

GB/D 2020, 97 min, R: Eliza Schroeder, D: Celia Imrie, Shannon Tarbet, Shelley Conn Am Anfang steht der Schock: Eigentlich wollte Isabella mit ihrer besten Freundin Sarah eine Bäckerei im hippen Londoner Stadtviertel Notting Hill eröffnen. Doch dann stirbt Sarah überraschend bei einem Unfall. Der Schmerz sitzt tief. Aber Sarahs 19-jährige Tochter Clarissa will den Traum ihrer Mutter nicht mit ihr sterben lassen. Sie sieht darin auch eine späte Möglichkeit, sich mit ihr zu versöhnen. Also setzt sie alles daran, Isabella zu überreden, den Plan umzusetzen. Dafür sind sie auf die Hilfe von Sarahs Mutter Mimi angewiesen. Auch zwischen ihr und Sarah gab es ein Zerwürfnis und das Trauma des Verlusts sitzt tief. Doch sie lässt sich überreden. Im Schmerz vereint und mit der Hilfe des Kochs Matthew setzen sie den Plan einer Bäckerei schließlich um – und kommen dabei auf die lukrative Idee, die Küchen der unterschiedlichen Einwanderer des Viertels in ihrem Laden zu vereinen. »Love Sarah« nennen sie ihre Bäckerei, in der sich die Schicksale kreuzen. Freundschaft, Schmerz und eine Liebesgeschichte sind die Zutaten dieser herzerwärmenden Melange britischer Prägung. Die deutsche Regisseurin Eliza Schroeder, die Großbritannien zu ihrer Wahlheimat gemacht hat, spielt leichtfüßig auf der Klaviatur der Emotionen und zaubert daraus eine schmackhafte Mischung, die Herz und Magen berührt. Das überzeugende Ensemble sorgt für einen Feelgood-Film, bei dem man das politische Geschehen in Britannien einmal außen vor lassen kann. Lars Tunçay

Pelikanblut

Pelikanblut

Muttergefühle

D/BUL 2019, 121 min, R: Katrin Gebbe, D: Nina Hoss, Yana Marinova, Murathan Muslu Wiebke ist es gewohnt, die Kontrolle zu haben. Über die Pferde auf ihrem Hof, die für die Reiterstaffel der Polizei ausgebildet werden. Über ihr selbst gewähltes Leben allein mit ihrer Adoptivtochter Nicolina. In diesem Leben hat ein Partner keinen Platz. Wiebke will sich und allen anderen beweisen, dass sie es alleine schafft. Doch als sie sich entscheidet, erneut nach Bulgarien zu reisen und die fünfjährige Raya zu adoptieren, droht alles zu zerbrechen, was sie sich aufgebaut hat. Das Mädchen ist zutiefst traumatisiert und zeigt bald Verhaltensauffälligkeiten. Sie ist aggressiv und übergriffig und kaum zu bändigen. Aber Wiebke ist Widerstand gewohnt und will Raya nicht aufgeben, auch wenn der Preis dafür vielleicht zu hoch ist. Regisseurin Katrin Gebbe, die vor sieben Jahren mit dem verstörenden Drama »Tore tanzt« über religiösen Fanatismus debütierte, setzt sich in ihrem zweiten Film, zu dem sie erneut auch das Drehbuch verfasste, intensiv mit der Resozialisierung traumatisierter Kinder auseinander. Nina Hoss verkörpert die alleinstehende Mutter, die verbissen und bis zur Besinnungslosigkeit für ihre Adoptivtochter kämpft, voller Überzeugung. Die bemerkenswerten Kinderdarsteller sind eine Entdeckung. Allerdings nimmt »Pelikanblut«, der immer wieder Stilelemente des Genrefilms zitiert, im letzten Akt endgültig die Wendung hin zum Horror und die Gratwanderung zwischen den Genres überzeugt nicht vollends. Lars Tunçay

Der See der wilden Gänse

Der See der wilden Gänse

Neon-Noir

CHN/F 2019, auch OmU, 113 min, R: Yi’nan Diao, D: Ge Hu, Lun-Mei Kwei, Fan Liao Eine Eröffnungsszene wie aus einem Wong- Kar-Wai-Film: Regen, eine Frau in Rot mit Schirm an der Straßenecke, an der ein blutender Mann lehnt. Sie bittet ihn um Feuer und so entspinnt sich eine mitreißende Gangsterballade in der Provinz Wuhan, die am »See der wilden Gänse« enden wird. Als Zenong Zhou an einem Abend in sein Hotel zurückkehrt, will er eigentlich nur seine Ruhe. Doch der Abstieg in den untersten Keller des Gebäudes zieht den Kleinkriminellen hinein in eine blutige Auseinandersetzung konkurrierender Motorraddiebe, die in einem Wettstreit gipfelt: Wer in dieser Nacht mit seinen Männern die meisten Maschinen stiehlt, bekommt den lukrativsten Bezirk. Der Beginn einer langen Nacht und einer atemlosen Flucht, in der jeder der Beteiligten nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Regisseur Diao Yin’an, der bereits mit seinem zweiten Spielfilm »Feuerwerk am helllichten Tage« den Goldenen Bären der Berlinale gewann, bleibt der Welt der zwielichtigen Typen verhaftet. Dabei verneigt er sich tief vor dem Film Noir der Frühzeit des Kinos und spielt mit Licht und Schatten, taucht seine Figuren aber auch in das Neonlicht des Hongkong-Kinos. Das alles ist ein Fest für Cineasten und fesselt darüber hinaus mit einem packend erzählten Plot, der zahlreiche Haken schlägt und auch schon mal die Seiten wechselt, mit seiner Sympathie aber immer bei den Underdogs bleibt, die auch nur Opfer der Umstände sind. Lars Tunçay

Vitalina Varela

Vitalina Varela

Im Dunkeln trauern

P 2019, OmU, 124 min, R: Pedro Costa, D: Vitalina Varela, Ventura, Manuel Tavares Almeida Als Vitalina Varela in Lissabon aus dem Flieger steigt, ist ihr Mann bereits verstorben. Auf der Suche nach Arbeit hat er seine Frau Jahre zuvor in Kap Verde zurückgelassen. Nun ist es für ein Wiedersehen zu spät. Der portugiesische Regisseur Pedro Costa ist bekannt für seine realistische Arbeitsweise. Er dreht gerne mit unvollständigen Drehbüchern und nicht professionellen Schauspielern. Varela lernte er während Dreharbeiten auf den Kapverdischen Inseln kennen. In »Vitalina Varela« spielt sie eine Version ihrer eigenen Lebensgeschichte. Und das so gut, dass sie beim Filmfestival in Locarno den Preis als beste Hauptdarstellerin erhielt. In langen, statischen Einstellungen begleitet die Kamera Varela dabei, wie sie die baufällige Unterkunft ihres Ehemannes bezieht. Durch das Wellblechdach pfeift der Wind und als sie einmal duscht, löst sich ein Gesteinsbrocken und trifft sie am Kopf. Der Alltag der Immigranten in Lissabon ist hart. Die anderen Männer raten der Witwe, in ihre Heimat zurückzukehren. Doch sie weigert sich, erkundet lieber das Leben, das ihr Partner ohne sie führte. Das hält einige bittere Überraschungen bereit, die Varela mit stoischer Ruhe erträgt. Dabei spielen sich die Szenen überwiegend im Dunkeln ab, Licht gibt es höchstens indirekt. Daran muss man sich gewöhnen. Doch Varelas Spiel lohnt den Aufwand. Sie ist der stille Mittelpunkt dieses eindrücklichen Films. Josef Braun

Space Dogs

Space Dogs

Hund und Herr

A/D 2019, Dok, 91 min, R: Elsa Kremser, Levin Peter Aufgerissene schwarze Augen blicken in die Kamera. Es sind die eines Hundes, der gerade einer Raumkapsel entstiegen ist, nachdem er wochenlang im All kreiste. Was haben diese Augen gesehen? Er ist einer der wenigen, die den Wiedereintritt überlebt haben. Nach dem ersten Raumflug mit der Hündin Laika schickte die russische Regierung alsbald ein ganzes Rudel ins All. Die Straßenhündin gilt schließlich als Nationalheldin, seit sie als erstes Lebewesen die Erde von oben gesehen hatte. Dass sie an Bord verstarb und ihr Körper beim Wiedereintritt verglühte, wird eher nicht überliefert. Die Regisseure Elsa Kremser und Levin Peter spinnen die Geschichte weiter. Was, wenn der Geist Laikas in den Straßenhunden Moskaus weiterlebt? Sie beobachten zwei Exemplare, die durch eine lebensfeindliche Welt spazieren, in der die Menschen nur eine Nebenrolle spielen. Die bemerkenswerten Bilder von Kameramann Roy Imer (»Systemsprenger«) zeigen die Stadt auf Augenhöhe der Hunde, die nach Nahrung suchen und ihr Revier abstecken. Dazwischen immer wieder Archivmaterial der Tests an ihren Artgenossen im Raumfahrtprogramm. Aber auch der Schimpanse, den die Amerikaner ins All schossen, ist Teil der Narration von Alexey Serebryakov (»Leviathan«), ebenso wie die Schildkröten, die ihm folgten, vom Kurs abkamen und vielleicht heute noch irgendwo durch den Weltraum treiben. So stellt »Space Dogs« in seinen meditativen Bildern auch das Recht des Menschen in Frage, über die Tiere zu herrschen. Lars Tunçay

Wir beide

Wir beide

Im Verborgenen

F/LUX/B 2019, 95 min, R: Filippo Meneghetti, D: Barbara Sukowa, Martine Chevallier, Léa Drucker Nina und Madeleine sind seit vielen Jahren ein Paar. Seit einiger Zeit leben sie Tür an Tür in einem Appartementhaus. Sie haben eine tägliche Routine entwickelt, um ihre Beziehung vor den anderen zu verbergen und sich trotzdem nahe zu sein. Doch die Türen sind immer geöffnet und Ninas Wohnung ist verwaist, weil sie sich bei »Mado«, wie sie Madeleine liebevoll nennt, eingerichtet hat. Gemeinsam träumen sie von einem Lebensabend in Rom, der Stadt, in der sie sich einst trafen. Der Verkauf der Wohnungen ist vorbereitet, nun muss Mado nur noch ihre beiden erwachsenen Kinder informieren. Doch die ahnten nie etwas von ihrer Beziehung zu Nina und dem Schmerz, den die jahrzehntelange Ehe mit ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, für Madeleine bedeutete. Die Enttäuschungen, die unausgesprochene Geheimnisse nach sich ziehen, aber auch die Hilflosigkeit in einer geheimen Beziehung sind die Grundthemen von Filippo Meneghettis Langfilmdebüt. Behutsam und sinnlich erzählt er von einer Liebe zwischen Frauen, die auch in der Gegenwart im Verborgenen bleiben muss, von verletzten Gefühlen und fehlenden Freiheiten, als Nina schließlich verwehrt wird, sich um ihre Partnerin zu kümmern. Erzählt im ruhigen Ton von Michael Hanekes »Liebe«, jedoch mit einem flammenden Plädoyer für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Besonders Barbara Sukowa trägt dabei die schauspielerische Last mit Bravour. Lars Tunçay

Il traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Il traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Vertraute

I/F/D/BRA 2019, 145 min, R: Marco Bellocchio, D: Pierfrancesco Favino, Luigi Lo Cascio, Fausto Russo Alesi Das Genre des Mafiafilms ist auserzählt. Francis Ford Coppolas »Der Pate«-Trilogie hat in den siebziger Jahren die Blaupause gelegt, an der sich zahlreiche Filmemacher orientierten. So wirkt es auch bei Marco Bellocchios »Il Traditore« über weite Strecken, als habe man das alles schon mal irgendwo gesehen. Dabei wurde die Geschichte von Tommaso Buscetta, dem wichtigsten Kronzeugen des Mafia-Richters Giovanni Falcone, tatsächlich noch nicht für die große Leinwand adaptiert – und ist doch wie dafür gemacht. Als Buscetta Anfang der Achtziger in Brasilien verhaftet wird, schließt er einen Pakt mit den Behörden: Als Kronzeuge soll er gegen die Cosa Nostra aussagen, jene Familie, der er seit früher Kindheit angehörte. Tommaso lässt sich auf den Deal ein, weil sich seine vermeintlichen Freunde gegen ihn gestellt haben. Die Aussage bringt ihn und seine Familie jedoch in Gefahr, der sie auch in den USA nicht entgehen können. Die wahren Ereignisse um den »Verräter« (ital.: traditore) und die Aussagen seines Verhörs durch Richter Falcone wurden von Regieveteran Marco Bellocchio recht nüchtern abgefilmt. Dabei begegnet man zwangsläufig zahlreichen Mafia-Klischees und unzähligen Leichen. Im Zentrum des Films steht der charismatische Pierfrancesco Favino (»Rush«), der Buscetta über die Jahrzehnte hinweg überzeugend verkörpert. Das gelungene Zeitkolorit und die komplexe Figurenstruktur sorgen immerhin für recht unterhaltsame zweieinhalb Stunden. Lars Tunçay

Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

D 2019, Dok, R: Bettina Böhler, 124 min

D 2019, Dok, 120 min, R: Bettina Böhler Er fehlt. Das macht uns Bettina Böhlers Film einmal mehr bewusst. Vielfach arbeitete die Cutterin mit Christoph Schlingensief zusammen, dem Film- und Theaterregisseur, Autor und Aktionskünstler, der es auf einzigartige, manchmal schmerzhafte, aber immer ehrliche und engagierte Art und Weise vermochte, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Viel zu früh starb er mit 49 Jahren an Krebs. Nun ist er – oder zumindest seine sterbliche Hülle, wie er es selbst formulierte – bereits seit zehn Jahren fort und Böhler erinnert in ihrem ersten eigenen Film daran, welche Spuren er hinterließ. Sie erzählt die Vita des philanthropischen Tausendsassas mit dem Medium, das ihr vertraut ist: dem Film. Angefangen von den ersten Heimvideos vor der elterlichen Garage, über Werke wie »Egomania«, »100 Jahre Hitler« oder »Das deutsche Kettensägenmassaker« bis hin zu seiner Aktionskunst im Fernsehen, bei den Bayreuther Festspielen und im Herzen von Wien. Aus einem riesigen Fundus von Aufzeichnungen und Privataufnahmen montiert sie entlang seiner Filmografie. Dazwischen spricht Schlingensief offen und direkt über seine Kindheit, aber auch über die Vergänglichkeit. Was bleibt, ist ein bemerkenswertes Gesamtwerk, das Christoph Schlingensief hinterließ und Bettina Böhlers Dokumentarfilm uns noch einmal vor Augen führt. Und die Erkenntnis, dass die Gesellschaft kaum schlauer geworden ist, was den Schmerz seines Verlustes umso größer macht. Lars Tunçay

Die Rüden

Die Rüden

Gruppentherapie

D 2019, OmeU, 104 min, R: Connie Walther, D: Nadin Matthews, Ibrahim Al-Kalil, Marcel Andrée Dichter Nebel steigt aus klaffenden Rissen im Boden einer Landschaft, die durchs Halbdunkel nur schemenhaft zu erkennen ist. Die erste Einstellung von »Die Rüden« ist zugleich für lange Zeit die letzte Außenaufnahme. Der größte Teil des Films spielt sich im Inneren einer Festung ab, die sich architektonisch irgendwo zwischen Mittelalter und Science-Fiction bewegt. Hier treffen vier junge Gewalttäter auf drei aggressive, bissfreudige Hunde. Die Begegnung ist Teil einer Therapie, in der Mensch und Tier lernen sollen, miteinander zu kommunizieren. Angeleitet werden sie dabei von Lu Feuerbach. Sie ist die wortkarge Protagonistin des Films. Eine unbeirrbare Frau, die erst nachts von ihren Dämonen heimgesucht wird. Dabei verzichtet »Die Rüden« auf professionelle Schauspieler. Die jungen Männer werden von realen Straftätern gespielt, die Hunde sind Hunde, die sonst eher in Zwingern bleiben, und auch die Protagonistin Lu wird von einer ausgebildeten Hundetrainerin dargestellt. Entsprechend authentisch wirken die einzelnen Szenen. In schlichten Bildern lässt Regisseurin Connie Walther die Kamera zur Beobachterin von Lus Arbeit werden. Das Resultat ist ein Film, bei dem sich Wirklichkeit und Fiktion nicht immer voneinander unterscheiden lassen. Ein Kammerspiel mit verwischenden Grenzen zum Dokumentarfilm. »Die Rüden« ist ein stilbewusstes Stück deutschen Kinos, voller Andeutungen, Fragen und rätselhafter Momente. Am Ende ist seine deutlichste Botschaft vielleicht die: Gewalt macht einsam. Josef Braun