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Rezensionen

Wo in Paris die Sonne aufgeht

Wo in Paris die Sonne aufgeht

F 2021, R: Jacques Audiard, D: Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant, 105 min

»Les Olympiades«, das 13. Arrondissement von Paris: Das ehemalige Arbeiterviertel ist heute vor allem geprägt von asiatischen Einwanderern und Einwanderinnen wie Émilie Wong. Mit ihrem verhassten Job als Telefonistin kommt sie nicht über die Runden. Eine Mitbewohnerin muss her für die geräumige Wohnung, die ihrer Großmutter gehört. Doch als Camille vor der Tür steht, stellt er sich als männlicher Bewerber heraus. Nach der ersten Enttäuschung landen die beiden im Bett. Daraus entwickelt sich eine Beziehung, die bald schon nicht mehr nur körperlicher Natur ist, was natürlich auch Probleme mit sich bringt. Währenddessen beginnt Nora voller Idealismus ihr Studium und wird jäh gebremst, als sie von Mitschülern gemobbt wird. Ebenso wie Émilie und Camille muss sie sich über ihre Gefühle und Ziele im Leben klar werden. Die Probleme der Singles sind vielleicht denen an einem anderen Ort in Paris oder überall auf der Welt nicht unähnlich, doch das Viertel gibt der Dreiecksgeschichte eine ganz eigene Note. In wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern fängt Paul Guilhaume (»Ava«) das bunte Viertel ein. Die Musik von Rone treibt die Geschichte voran. Jacques Audiard (»Ein Prophet«) und Drehbuchautorin Céline Sciamma (»Porträt einer jungen Frau in Flammen«) fassten vier Kurzgeschichten des japanisch-amerikanischen Autors Adrian Tomine zu einem Drehbuch zusammen und verlegten den Handlungsort von New York an die Seine. Die Geschichten sind universell und werden von dem spielfreudigen Cast hervorragend in Szene gesetzt. Lars Tunçay

Die wundersame Welt des Louis Wain

Die wundersame Welt des Louis Wain

GB 2021, R: Will Sharpe, D: Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Taika Waititi, 111 min

Louis Wain ist ein komischer Kauz. Hochbegabt zeichnet er originalgetreu Mensch und Tier nur aus seiner Erinnerung, schreibt Opern und geht danach boxen –, beides eher schlecht als recht – doch wenn es um soziale Interaktion geht, ist er verloren. Die ist aber überlebenswichtig im viktorianischen London um die Jahrhundertwende und als er sich Hals über Kopf in die Gouvernante des Hauses, Emily Richardson, verliebt, wird dies von seinen fünf Schwestern argwöhnisch betrachtet und von der ältesten, Caroline, grundsätzlich abgelehnt. Gegen alle Widerstände heiraten Emily und Louis und seine Zeichnungen von Katzen ermöglichen ihnen ein Auskommen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen. Das Leben des Louis Wain ist der Stoff für eine Tragikomödie par excellence. Wain gehörte zu seiner Zeit zu den populärsten Malern Großbritanniens, aber reich wurde er davon nicht. Seine Psyche setzte ihm zeitlebens zu und er starb einsam in einer Nervenheilanstalt. Regisseur Will Sharpe lässt uns die Welt durch Wains Augen betrachten. Die Bilder vibrieren, elektrische Spannungen, die Wain in allen lebenden Dingen entdeckte, flirren im klassischen Format 4:3 über die Leinwand, die Benedict Cumberbatch mit Spielfreude zum Leben erweckt. In satten Farben schuf Sharpe einen einzigartigen Film, der an die expressionistische Frühzeit des Kinos erinnert und gleichermaßen zum Lachen wie zum Heulen animiert. Lars Tunçay

Cyrano

Cyrano

GB/USA/CDN 2021, R: Joe Wright, D: Peter Dinklage, Haley Bennett, Kelvin Harrison Jr., 124 min

Cyrano de Bergerac ist im Frankreich des 17. Jahrhunderts ein begnadeter Dichter. Doch er ist kleinwüchsig und deshalb davon überzeugt, dass die wunderschöne Roxanne seine unsterbliche Liebe niemals erwidern würde. Während er vor Publikum immer die elegantesten Worte findet, bringt er es nicht übers Herz, der Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Als die ihm erzählt, sich in den jungen Kadetten Christian verliebt zu haben, verspricht Cyrano trotz seiner eigenen Gefühle, ihr zu helfen. Fortan schreibt er im Namen von Christian Briefe an Roxanne. Joe Wrights »Cyrano« ist die Adaption des gleichnamigen Bühnenmusicals, das wiederum auf dem Klassiker von Edmund Rostand basiert. Peter Dinklage schlüpft erneut mit großer Spielfreude in die Hauptrolle und trägt gemeinsam mit dem Gesangstalent von Haley Bennett den Film. Ihre Duette sind die Höhepunkte der ansonsten oftmals austauschbaren Lieder. Die sind nicht zuletzt deshalb austauschbar, weil es auch die Choreografie ist. Große Kulissen, farbenfrohe Kostüme, viele Figuren im Bild – viel mehr kann sich ein Musical eigentlich nicht wünschen. Doch zu oft beschränken sich die Tänzerinnen und Tänzer auf die immergleichen Drehungen und das taktvolle in-die-Luft-Werfen der Arme. Zu selten werden die Möglichkeiten von Kostüm und Setting genutzt und selbst bei den Duetten sieht man kaum mehr als Nahaufnahmen des Gesichts, schmachtende Blicke und ein leidendes Ansingen der ans Herz gepressten Briefe. »Cyrano« ist somit ein ständiges Auf und Ab. Es gibt zwar vereinzelt Neuinterpretationen des klassischen Versdramas, doch gegeben der Vorlage erwartet das Publikum hier eine große Portion Pathos, geradlinige Figuren, viel Geschmachte, Herzschmerz und eine tragische Hauptfigur. Wer genau das sucht oder sich daran erfreuen kann, wird aber mit »Cyrano« und einem hervorragend aufgelegten Peter Dinklage seine Freude haben. KAI REMEN

Belfast

Belfast

GB 2021, R: Kenneth Branagh, D: Caitriona Balfe, Jamie Dornan, Ciarán Hinds, 99 min

Es sind verwirrende Zeiten für den kleinen Buddy. Der Junge wächst im Belfast der späten sechziger Jahre auf. Unbeschwert spielt er mit seinen Freunden in der Straße. Zu Hause kümmern sich die Großeltern liebevoll um den Kleinen. Die Mutter muss sich derweil mit den Rechnungen auseinandersetzen, während sein Vater die meiste Zeit in London arbeitet und nur an den Wochenenden heimkehrt. Buddys Welt ändert sich dramatisch, als die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten eskalieren und die britische Polizei hart durchgreift. Plötzlich wird von allen verlangt, eine Position zu beziehen und in den eigenen Reihen zu stehen. Für Buddys Familie stellt sich die Frage, ob sie das Land verlassen sollten. Doch der Schritt, das vertraute Umfeld hinter sich zu lassen und irgendwo neu anzufangen, ist für alle schwer. Kenneth Branagh verarbeitet mit »Belfast« seine eigene Familiengeschichte. Über den Nordirland-Konflikt ist bereits viel gedreht worden, Branagh wählt einen sehr persönlichen Zugang und kann sich auf eine starke Besetzung verlassen, die den Film emotional trägt. In ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bildern und mit dem Soundtrack jener Zeit schafft er ein gutes Gefühl für die stürmischen Jahre, als das Land unter einer schweren Wirtschaftskrise litt und die Fronten sich verhärteten. Ein mitreißendes Werk, das mit sieben Oscarnominierungen Favorit der diesjährigen Verleihung ist. Lars Tunçay

The Card Counter

The Card Counter

USA/GB/CHN/S 2021, R: Paul Schrader, D: Oscar Isaac, Tiffany Haddish, Tye Sheridan, 111 min

William Tell verbringt seine Tage zwischen billigen Motels, Alkohol, Tagebuch und Casinos eingekehrt und anonym. Doch als ihn Cirk auf seinen ehemaligen Vorgesetzten Major John Gordo anspricht, ändert sich das. William kann seine Vergangenheit als Soldat in einem Foltergefängnis nicht mehr verdrängen, denn während er und Cirks Vater für ihre Taten viele Jahre hinter Gittern verbringen mussten, kam Gordo ungestraft davon. Eine gebrochene Hauptfigur ist in einer von Tristesse geprägten Welt auf der schier aussichtslosen Suche nach Vergebung. Es sind diese Dramen und Thriller, die Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader immer wieder auf die Leinwand bringt. Nach dem »Taxi Driver« und einem ehemaligen Militärpriester in »First Reformed« ist es nun ein Spieler, der Karten zählt und in Routinen vor seiner Vergangenheit fliehen will. In »The Card Counter« inszeniert er seinen Protagonisten dabei als peniblen, undurchsichtigen Charakter, der von Schuld zerfressen und doch empathisch genug ist, seinen Schützling Cirk genau davor bewahren zu wollen. Die Kamera hält dabei William und dessen Intentionen zu jedem Moment im Fokus, wovon der Film zusammen mit dem subtilen und bedrückenden Schauspiel von Oscar Isaac lebt. Schrader verzichtet dabei fast gänzlich auf einen klassischen Spannungsbogen und ähnlich wie seine Figuren streift der Film einen Großteil seiner Zeit fast ziellos umher. Das macht den Thriller mitunter zu einer Geduldsprobe. KAI REMEN

Lunana. Das Glück liegt im Himalaya

Lunana. Das Glück liegt im Himalaya

BHU/CHN 2019, R: Pawo Choyning Dorji, D: Sherab Dorji, Ugyen Norbu Lhendup, Kelden Lhamo Gurung, 110 min

Ugyen möchte raus aus Bhutan, dem kleinen Königreich am Rande des Himalaya. Am liebsten nach Australien, wo es breite Strände gibt und er eine Karriere als Musiker starten könnte. Die glitzernden Lichter des Westens locken, in der Realität jedoch wird er als Lehrer nach Lunana versetzt. Das kleine Dorf existiert wirklich, derzeit zählt es sechsundfünfzig Einwohner, die an der Grenze zwischen Tibet und Bhutan mitten in den Bergen wohnen. Elektrizität gibt es dort keine, die meisten der Dörfler haben ihre Heimat noch nie verlassen. Abgeschieden leben sie im Einklang mit der Natur. Die Faszination für seinen Schauplatz merkt man Regisseur Pawo Choyning Dorji deutlich an. Er und seine Crew drehten in den Bergen, mit Solarbatterien und einer Besetzung, die zu großen Teilen aus den Bewohnern von Lunana besteht. Das geht einerseits auf Kosten der Handlung, die nur schleppend voranschreitet, führt andererseits jedoch zu dokumentarisch eindrucksvollen Bildern. Als Stellvertreter für die Zuschauer entdeckt Ugyen Lunana. Die Kamera von Jigme Tenzing fängt dabei Rituale, Gesänge, spielende Kinder und die Zubereitung von Mahlzeiten ein und immer wieder die majestätische Landschaft, grüne Hügel vor weißen Bergketten. Aufnahmen, die auch die diesjährige Oscarjury beeindruckt haben. Mit »Lunana« nominierte sie zum ersten Mal überhaupt ein bhutanisches Werk in der Kategorie Bester internationaler Film. Josef Braun

A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

IRN/F 2021, R: Asghar Farhadi, D: Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh, Sahar Goldust, 127 min

Rahim Soltani sitzt im Gefängnis, weil er die Schulden bei seinem Gläubiger nicht mehr zurückzahlen konnte. Bei einem Freigang übergibt ihm seine Freundin eine Tasche mit einem guten Dutzend Goldmünzen, die sie an einer Bushaltestelle gefunden hat. Zunächst möchte Rahim damit zumindest die Hälfte seiner Schulden begleichen, entscheidet sich dann aber doch dafür, lieber die rechtmäßige Besitzerin der Münzen ausfindig zu machen. Als die Gefängnisleitung und die Medien von dieser noblen Tat erfahren, spannen sie Herrn Soltani für ihre Zwecke ein und haben dabei ganz eigene Ideen von der »richtigen«, publikumswirksamen Version seiner Geschichte. Der naive Mann beginnt, sich in ein Lügennetz zu verstricken. Asghar Farhadis (»Nader und Simin«) neuer Film erfordert wieder die Geduld und Aufnahmebereitschaft seines Publikums. Doch dann wird man von der Geschichte mit ihren immer abenteuerlicheren Auswüchsen rasch in den Bann geschlagen. »A Hero« entfaltet eine beachtliche Spannung, gerade auch, weil einem der fremdgesteuerte sympathische Protagonist mehr und mehr leidtut. Farhadi nutzt die Vorkommnisse, um geradezu beispielhaft aufzuzeigen, was in seinem iranischen Heimatland so alles schiefläuft – vom Justizsystem über die Gefängnisse, vom Fernsehen bis hin zu den sozialen Medien zeigt uns der Filmemacher, wie wenig deren Selbstverständnis mit moralischen Werten wie Wahrheit oder Gerechtigkeit zu tun hat. Frank Brenner

Bis wir tot sind oder frei

Bis wir tot sind oder frei

D/CH 2019, R: Oliver Rihs, D: Marie Leuenberger, Joel Basman, Jella Haase, 119 min

Als Bankräuber und Ausbrecherkönig ziert Walter Stürm die Gazetten. Charmant und selbstverliebt windet er sich scheinbar aus jeder noch so misslichen Lage heraus. Eine gute Galionsfigur für die Bewegung der jungen Schweizerinnen und Schweizer, die gegen das Establishment protestieren. Der Staat geht mit aller Härte gegen die Aufständischen vor, die Verhältnisse in den Gefängnissen sind desolat. Als Stürm mal wieder geschnappt wird und einsitzt, beschließt die Anwältin und Aktivistin Barbara Hug, sein Mandat zu übernehmen. Zwischen Hug und Stürm entwickelt sich bald mehr als eine »rein geschäftliche Beziehung«. In die stürmischen Zeiten der frühen achtziger Jahre passt ein Querulant wie Walter Stürm perfekt hinein. Oliver Rihs (»Schwarze Schafe«) zeichnet das Bild eines Außenseiters und nimmt sich einige Freiheiten bei der Interpretation der Geschichte. Joel Basman legt viel schauspielerische Energie in seine Verkörperung. Marie Leuenberger spielt die Anwältin zwischen Selbstzweifeln und Kampfeswillen. Hinzu kommt viel Zeitkolorit der wilden Achtziger zwischen Punks und Spontis, das auch kurz die deutsche Szene jener Zeit streift. Doch die Erzählung bleibt trotz zwei Stunden Lauflänge zu oberflächlich. Man bekommt kein Gefühl für den Menschen Stürm und entwickelt folglich wenig Verständnis für dessen Anziehungskraft auf Hug. Der gut ausgewählte Soundtrack und die Atmosphäre einer Ära des Umbruchs lohnen noch am ehesten die Zeitreise. Lars Tunçay

Luchadoras

Luchadoras

D/MEX 2021, Dok, R: Paola Calvo, Patrick Jasim, 92 min

Über die Femizide in Ciudad Juárez wurde seit Beginn der Mordserie Anfang der neunziger Jahre viel berichtet. Aufgeklärt wurden die brutalen Taten nie. Noch heute ist die nordmexikanische Grenzstadt für Frauen einer der gefährlichsten Orte der Welt. Wie ist es, als Frau in einer solchen Stadt zu leben? Davon erzählen Paola Calvo und Patrick Jasim in ihrer Dokumentation aus der Sicht dreier »Luchadoras« – Wrestlerinnen, die dem allgegenwärtigen Machismo auf ihre ganz eigene Art trotzen: Da ist »Lady Candy«, die tagsüber in einem Beerdigungsinstitut arbeitet und um ihre kleinen Töchter kämpft, die von ihrem gewalttätigen Ex entführt wurden. Da ist »Baby Star«, die sich nie ohne ihre Glitzermaske in der Öffentlichkeit zeigt, und da ist »Mini Sirenita«, die gerade zum zweiten Mal Oma wird, aber trotzdem nicht daran denkt, das Wrestling aufzugeben. Und da sind noch viele mehr. Im Zentrum des Films steht die »Sororidad«, die vereinte Schwesternschaft als wehrhafte Bastion gegen die Gewalt und das Patriarchat, das sie ermöglicht. Es geht um Mütter, Töchter und Großmütter, die für sich selbst und für alle anderen aufstehen und in den Ring steigen. Doch der wahre Gegner ist überall, gesichtslos. Nur indirekt zeigt er sich, was das Grauen noch potenziert. Wir sehen Fotos unzähliger vermisster Frauen auf verwitternden Aushängen an den Mauern der Stadt, die liebevoll geschmückten Gräber – starke Kontraste, die Calvo und Jasim in elektrisierenden Bildkompositionen einfangen. Karin Jirsak

Parallele Mütter

Parallele Mütter

E/F 2021, R: Pedro Almodóvar, D: Penélope Cruz, Milena Smit, Israel Elejalde, 120 min

Die Fotografin Janis lernt während eines Shootings den forensischen Archäologen Arturo kennen. Beide verstehen sich gut und Janis bringt ein Anliegen zur Sprache: Vor ihrem Heimatdorf soll sich ein Massengrab befinden, in dem sie die Gebeine ihres Urgroßvaters vermutet, neben denen vieler anderer Menschen, die im spanischen Bürgerkrieg ermordet wurden. Die Organisation, für die Arturo arbeitet, hätte die Mittel, die Toten zu bergen, so dass sie würdevoll bestattet werden und die Angehörigen einen Abschluss finden könnten. Arturo will sich darum kümmern, die beiden verbringen die Nacht miteinander – und Janis wird schwanger. Neun Monate später teilt die Mittvierzigerin das Krankenhauszimmer mit der deutlich jüngeren Ana, die ebenfalls ein Baby erwartet. Nach der Geburt der Kinder schläft die Bekanntschaft zunächst ein, bis Janis etwas erfährt, das ihre Welt auf den Kopf stellt. Kaum ein Regisseur beherrscht die Kunst des Melodrams besser als Pedro Almodóvar. Diesmal verknüpft er sein Leib-und-Magen-Genre mit einem historischen Nebenplot, was bisweilen etwas zu viel auf einmal ist. Da der Fokus aber auf der Handlung um die gewohnt starken Frauenfiguren liegt, grandios verkörpert von Stammschauspielerin Penélope Cruz und Newcomerin Milena Smit, ist der jüngste Almodóvar zwar nicht der beste, aber immer noch ein gelungener, zutiefst menschlicher Film, in dem vieles anders kommt, als man denkt. Peter Hoch

Come on, come on

Come on, come on

USA 2021, R: Mike Mills, D: Joaquin Phoenix, Gaby Hoffmann, Woody Norman, 109 min

In den Filmen von Mike Mills sind Männer meist das schwache Geschlecht. Sein Spielfilmdebüt »Thumbsucker« ist eine bittersüße Coming-of-Age-Story, in »Beginners« muss sich Ewan McGregor mit dem Coming-out und dem nahenden Tod seines Vaters Christopher Plummer auseinandersetzen und »20th Century Women« schließlich stellt die Frauen als Vorbild für einen heranwachsenden Jungen in den Siebzigern in den Mittelpunkt. In »Come on, come on« gibt Joaquin Phoenix, dessen diabolische Darbietung in »Joker« ihm zuletzt einen Oscar einbrachte, den verletzten Einzelgänger Johnny, der sich um Jesse, den Sohn seiner Schwester kümmern muss. Die beiden verbringen einige Tage in New York, an denen beide wachsen und sich einander nähern. Währenddessen muss sich Viv um ihren geisteskranken Ehemann Paul kümmern. Das Verhalten des Vaters und die Abwesenheit der Mutter haben tiefe Spuren bei Jesse hinterlassen, als er Johnny kennenlernt. Der Teenager lässt sich nur zögernd auf seinen Onkel ein, bis sie eine Reise nach New York unternehmen, wo Johnny für ein Dokumentarfilmprojekt Kinder interviewen muss, die ihm von ihrem Leben erzählen. In den Tagen im Big Apple lernen sich die beiden kennen, Johnny erfährt, was es heißt, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, und Jesse lernt, wie es ist, ein Erwachsener zu sein und ein eigenes Leben zu wählen. Mills erzählt in ruhigen Dialogen und wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern von einer keimenden Freundschaft und von der Schönheit, am Leben zu sein. Lars Tunçay

Licorice Pizza

Licorice Pizza

USA 2021, R: Paul Thomas Anderson, D: Alana Haim, Cooper Hoffman, Bradley Cooper, 134 min

Ganz selten gibt es Filme, die melancholisch und sehnsüchtig machen, ohne dass man je in der Zeit oder an dem Ort der Handlung gelebt haben muss. Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson (»Magnolia«, »There Will Be Blood«) bringt mit seinem neuen Coming-Of-Age-Drama eine Liebeserklärung zur eigenen Jugend im Kalifornien der siebziger Jahre auf die Leinwand. Er begleitet den 15-jährigen Gary und die 25-jährige Alana auf ihrem schweren Weg zum Erwachsenwerden, dem Finden und Lösen von Vorbildern, der wahren Liebe und dem Drang nach Bedeutung. Eine weiche Farbgebung, das wunderschöne Szenenbild und ein körniges Bild helfen ihm dabei, die Zuschauer in die diffuse, von politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägte Welt der US-amerikanischen Siebziger mitzunehmen. Anderson lässt die Zuschauer über 134 Minuten mit seinen verschrobenen und doch irgendwie immer liebenswürdigen Figuren mitlachen und mitfühlen und wer drauf achtet, wird sich fast dauerhaft mit einem breiten Grinsen im eigenen Gesicht erwischen. Mit der Musik von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood, die unter weiten Teilen der Handlung liegt, wirken viele Szenen melodisch und rhythmisch. So entsteht ein insgesamt locker-leichtes Feeling, das den Problemen und Emotionen der Figuren allerdings nie entgegensteht. Der Film mag eine leichte Länge im letzten Drittel haben und – genregegeben – werden die Randfiguren nur auf einem Stück ihres Weges begleitet und eben nicht in einen abgeschlossenen Handlungs- und Spannungsbogen gezwängt. Trotzdem (oder gerade deshalb) bleibt ein zutiefst persönliches und authentisches Werk, was sich den Lebensrealitäten junger Menschen in gewissenhafter Weise annimmt. »Licorice Pizza« dürfte damit schon jetzt einer der emotionalsten und trotzdem lustigsten Filme des Jahres sein. KAI REMEN

Ballade von der weißen Kuh

Ballade von der weißen Kuh

IRN/F 2021, R: Maryam Moghadam, D: Maryam Moghadam, Alireza Sani Far, Pouria Rahimi, 105 min

Seit einem Jahr trägt Mina Trauer. Ihr Ehemann wurde nach Scharia-Rechtsprechung hingerichtet und nur mit Mühe bringt sie sich und ihre gehörlose Tochter mit einem Job in einer Teheraner Flaschenfabrik über die Runden. Kurz nachdem sie eine weitere schockierende Nachricht erhalten hat, steht Reza vor ihrer Tür, der angibt, ihrem getöteten Mann noch Geld geschuldet zu haben. Zumindest die finanzielle Not ist nun nicht mehr ganz so groß und Reza hilft Mina auch dabei, eine neue Wohnung zu finden. Die »weiße Kuh« steht im Quran für eine unschuldige Person, die dem Tod geweiht ist. Selbst wenn das Publikum ähnlich aufgebaute Filme, wie den mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale 2020 ausgezeichneten »Doch das Böse gibt es nicht« oder Asghar Farhadis »The Salesman«, nicht gesehen hat, dürfte es schnell erahnen, worauf vieles hier hinausläuft. Trotzdem gelingt es dem Regieduo Alireza Sanifar und Maryam Moghaddam – Letztere spielt auch die Rolle der Mina – gelegentlich, den gängigen Themenkomplexen rund um das iranische Gesellschafts- und Justizsystem neue Aspekte abzugewinnen, und ihr Film punktet insbesondere mit seinem ambivalenten Ende. Peter Hoch

Are you lonesome tonight?

Are you lonesome tonight?

CHN 2021, R: Shipei Wen, D: Eddie Peng, Sylvia Chang, Yanhui Wang, 95 min

Eine trostlose chinesische Trabantenstadt in der flirrenden Hitze des Sommers. Ming Xue wandelt durch die Nacht wie ein Untoter. Seit er auf dem Heimweg einen Mann angefahren hat, kann er nicht mehr schlafen. Die Schuld verfolgt ihn. Er provoziert Schlägereien, um sich selbst zu bestrafen, findet aber keine Vergebung. Als der Installateur für Klimaanlagen der Witwe des Verstorbenen begegnet, kann er ihr nicht die Wahrheit gestehen. Zu Ming Xues Überraschung scheint die Frau auch keine Trauer zu empfinden über den Verlust des Ehemanns. In dem Fremden findet sie eine Schulter zum Anlehnen. Was als Drama über Schuld und Verlust beginnt, wandelt sich zum düsteren Thriller. Regisseur Wen Shipei jongliert in seinem eindrucksvollen Regiedebüt virtuos mit Genres und Stilmitteln. Seine Inspiration findet er im deutschen Expressionismus. Die langen Schatten der Verfolger, das fahle Neonlicht, die rot gefärbten Bilder der Nacht erinnern an das europäische Kino und die Meister des Film noir wie Polanski und Hitchcock. Die fiebrige Atmosphäre, der mächtige Monsunregen in den hünenhaften Bambuswäldern, Leichen in verlassenen Industrieruinen und Shoot-outs in dunklen Gassen sind zugleich deutliche Verweise an das Hongkong-Kino von Johnny To oder John Woo. Die atmosphärischen Bilder von Kameramann Andreas Thalhammer (»Wilde Maus«) und die disharmonischen Klänge von Hank Lee schrauben zusätzlich am Suspense-Meter. Lars Tunçay

King Richard

King Richard

USA 2021, R: Reinaldo Marcus Green, D: Will Smith, Aunjanue Ellis, Jon Bern, 144 min

Richard Williams überlässt nichts dem Zufall. Die Tennis-Karriere seiner beiden Töchter Venus und Serena hat der engagierte Familienvater Schritt für Schritt durchgeplant. Für die Kinder sieht er das als einzige Chance, aus der Armut rauszukommen und es in der weißen Gesellschaft zu etwas zu bringen. Er selbst hat sich in seinem Leben stets behaupten müssen und will ein besseres Leben für seine Kinder. Dafür stehen sie allerdings auch Tag und Nacht auf dem improvisierten Feld im von Bandenkriegen geprägten Compton. Während die Nachbarn Richard für verrückt erklären und schon mal das Jugendamt informieren, hält seine Frau Brandy zu ihrem Mann. Und tatsächlich zahlt sich die Mühe und Beharrlichkeit irgendwann aus: Venus und Serena werden zum Vorspiel eingeladen und gewinnen ihre ersten Turniere. Doch Richard will die Kontrolle über das Schicksal seiner Kinder nur ungern abgeben und hat seine ganz eigenen Vorstellungen, mit denen er im Ballsport der reichen weißen Oberschicht aneckt. Reinaldo Marcus Green (»Joe Bell«) hat ein Herz für »King Richard« und dessen unerschütterlichen Glauben an den amerikanischen Traum. Die Botschaft mag einfach sein, Green transportiert sie aufrichtig und mit viel Humor. Will Smith glänzt mit der besten Leistung seiner Schauspielerkarriere und kann sich nach zwei Nominierungen Hoffnungen auf seinen ersten Oscar machen. Lars Tunçay

Der Mann, der seine Haut verkaufte

Der Mann, der seine Haut verkaufte

F/TUN/D/B/S 2020, R: Kaouther Ben Hania, D: Yahya Mahayni, Dea Liane, Koen De Bouw, 108 min

Sam Ali ist im Jahr 2011 in Syrien lautstark für Freiheit eingetreten und deshalb ins Fadenkreuz der Regierung geraten. Er flieht in den Libanon, seine Freundin Abeer nutzt die Bekanntschaft zu einem Diplomaten, um nach Belgien zu gelangen. Auch Sam hätte nun die Chance, ein Visum für Belgien zu erhalten, wenn er dem Künstler Jeffrey Godefroy als lebende Leinwand dient. Er lässt sich darauf ein und bekommt von Godefroy ein Schengen-Visum auf den Rücken tätowiert, ein politisches Statement, das in Europa schließlich das Interesse von Menschenrechtsverbänden, aber auch das von Kunstliebhabern weckt. Der zweite Langspielfilm der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania wurde im vergangenen Jahr für den Auslands-Oscar nominiert und in Venedig ausgezeichnet. Er enthält einige wirklich starke Aussagen und Szenen, wenn er seinem Publikum vor Augen führt, was es bedeutet, »im richtigen Teil der Welt geboren« zu sein, oder dass Handelsobjekte in unserer Zeit viel freier in der Welt zirkulieren können als Menschen. Angelehnt ist die Geschichte an die Rückentätowierung des Künstlers Wim Delvoye (der hier einen kurzen Gastauftritt hat), dessen lebendes Objekt Tim im Jahr 2008 an einen Privatsammler verkauft wurde. Gegen Ende steigert sich die Filmhandlung zunehmend ins Absurde und kann das Niveau nicht immer halten. Was bleibt, ist ein wichtiges Statement zum Thema Unterdrückung. Frank Brenner

Drive My Car

Drive My Car

J 2021, R: Ryusuke Hamaguchi, D: Hidetoshi Nishijima, Toko Miura, Masaki Okada, 179 min

Haruki Murakami ist ein meisterhafter Beobachter menschlicher Gefühle und Verhaltensweisen. Seine Geschichten sind melancholisch, verschmitzt, erotisch und zutiefst menschlich. Immer wieder steht die Kunst selbst im Mittelpunkt der Handlung. Dabei ist es für Filmemacher oft schwer, die inneren Monologe und Reflexionen der Figuren in einem Drehbuch einzufangen. Bei Ryûsuke Hamaguchis »Drive My Car« läuft all das zusammen und vermischt sich zu einem traumgleichen Fluss. Basierend auf Murakamis gleichnamiger Kurzgeschichte erzählt das stille Drama von einer dysfunktionalen, aber liebevollen Beziehung, von Verlust und Neuanfang. Jede der Figuren in dem fast dreistündigen Kaleidoskop bringt ihre eigene Geschichte mit und ergänzt die der anderen. Nur in der Gemeinschaft gelingt es, über Traumata hinwegzukommen. Ruhig und ohne übermäßige emotionale Ausbrüche erzählt Hamaguchi die Geschichte von einem Theaterautor, dessen Schicksal sich im Werk von Tschechows »Onkel Wanja« spiegelt – ein Stück, das er in der Provinz Hiroshima inszenieren soll. Seine Frau, Drehbuchautorin beim Fernsehen, begleitet ihn mit ihrer Stimme. Liebe, Schmerz und Sehnsucht subsumieren sich in den Tagen am Meer. Eine meisterhafte Adaption von einem Filmemacher, den man sich merken sollte. Gelang Ryûsuke Hamaguchi doch das Kunststück, mit zwei wundervollen Filmen in diesem Jahr sowohl den Drehbuchpreis in Cannes als auch den Großen Preis der Jury bei der Berlinale zu gewinnen. Lars Tunçay

Annette

Annette

F/B/D/USA/K/MEX/CH 2021, R: Leos Carax, D: Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg, 141 min

Erst vor wenigen Wochen erzählten die Brüder Ron und Russell Mael in Edgar Wrights virtuoser Bandbio »The Sparks Brothers« vom gescheiterten Traum, ein Musical für die Leinwand zu inszenieren. Nun ist dieser Traum Jahre später doch noch wahr geworden. Unter der Regie des französischen Exzentrikers Leos Carax (»Holy Motors«) entstand klassisches Musiktheater mit Gesang und Tanzeinlagen. Doch statt einer strahlenden Hollywood-Revue ist »Annette« vielmehr ein Abgesang aufs Showbiz. Die Liebenden im Mittelpunkt sind die Opernsängerin Ann (Marion Cotillard) und der Stand-up Comedian Henry (Adam Driver). Trotz des permanenten Scheinwerferlichts, das auf ihre Beziehung gerichtet ist, lieben sie sich und aus dieser Liebe entsteht ein Kind. Doch Annette ist kein gewöhnlicher Nachwuchs. Vielmehr kommt sie mit einem instinktiven Gesangstalent zur Welt, das die Aufmerksamkeit der Massen auf sie zieht und die Beziehung zwischen Ann und Henry auf die Probe stellt. Inmitten von aufwändigen Theaterkulissen spielt sich eine Tragödie ab. Die Inszenierung durchbricht dabei immer wieder die vierte Wand und zieht den Zuschauer in die Handlung. »Annette« eröffnete die Filmfestspiele in Cannes, wo er mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Doch die Welt der Sparks ist kein »La La Land«, vielmehr ist ihr Musical bewusst verstörend naiv erzählt und eindeutig Geschmacksache. Lars Tunçay

À la Carte - Freiheit geht durch den Magen

À la Carte - Freiheit geht durch den Magen

F 2021, R: Eric Besnard, D: Grégory Gadebois, Isabelle Carré, Benjamin Lavernhe, 113 min

Ausgerechnet ein Törtchen aus Kartoffeln serviert der ebenso geniale wie eigensinnige Manceron (magnifique: Grégory Gadebois), Küchenchef am Hof des Herzogs von Chamfort, zum großen Festbankett. Ein Essen für (allemannische) Schweine, da ist sich die dekadente Gesellschaft einig. Folge der Schmach: Manceron landet auf der Straße. Zusammen mit seinem Sohn Benjamin (wunderbar: Lorenzo Lefèbvre) quartiert er sich auf dem Bauernhof seines verstorbenen Vaters ein. Mitten im Nirgendwo muss der Maître nun ganz kleine Brötchen backen. Dann drängt sich dem Verstoßenen auch noch die resolute Louise (eine Wucht: Isabelle Carré) als Lehrling auf. Dabei haben Frauen zum Kochen nun wirklich kein Talent! Nicht die einzige verstaubte Vorstellung, von der Manceron sich bald verabschieden wird. Frankreich am Vorabend der Französischen Revolution: Beseelt vom Geist der Freiheit und Veränderung bewegt sich dieser Feelgood-Foodie-Film von Éric Besnard (»Birnenkuchen mit Lavendel«) fernab vom Einheitsbrei, den dieses Genre allzu oft auftischt. Markige Typen, überraschende Wendungen, herrlich trockener Humor, wunderschöne Kulissen und jede Menge Herz und Hirn – das sind die Zutaten dieses Geheimtipps für Fans der lockerleichten Kinoküche mit Substanz. Und das Essen? Rustikale Wald- und Wiesen-Cuisine mit Haltung und ohne Chichi, arrangiert in Tableaus, die zum Sattsehen einladen. Der Originaltitel bringt es am besten auf den Punkt: Délicieux! Karin Jirsak

Auf alles, was uns glücklich macht

Auf alles, was uns glücklich macht

IT 2020, R: R: Gabriele Muccino, D: D: Pierfrancesco Favino, Micaela Ramazzotti, Kim Rossi Stuart, 135 min

Anfang der 1980er Jahre werden die Teenager-Kumpel Giulio und Paolo bei einer Demonstration in Rom Zeuge davon, wie der gleichaltrige Riccardo verletzt wird. Sie bringen ihn in ein Krankenhaus. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den dreien. Auch Gemma, in die Paolo sich unsterblich verliebt, stößt wenig später zu der Clique – ein Quartett, das jede Menge Veränderun¬gen erfahren wird und dessen Lebenswege sich immer wieder annähern, entfernen und kreuzen werden. Gabriele Muccino macht erneut das, was er am besten kann, und lie¬fert eine Tragikomödie ganz im Stile seines zwanzig Jahre alten Erfolgsfilms »Ein letzter Kuss« ab, in dem er einst ein emotionales Beziehungsgeflecht aufdröselte. Diesmal erzählt er in einer wesentlich größeren Zeit¬spanne. In vierzig Jahren lässt der Regisseur die italienische Geschichte des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts Revue passieren. In satten, warmen Farben, flankiert von je¬weils zur Ära passender Musik und vor his¬torischen Fixpunkten erschafft er eine nicht allzu tiefschürfende, aber unwiderstehliche Ode an die Freundschaft, an das Verrinnen der Zeit und das Leben, die mit Pierfran-cesco Favino, Kim Rossi Stuart, Claudio Santamaria und Micaela Ramazzotti perfekt besetzt ist. Dazu zitiert der Italiener große Vorbilder wie Ettore Scolas »Wir hatten uns so geliebt« oder Federico Fellinis »Das süße Leben« und variiert deren erzählerische An¬sätze ebenso beschwingt wie melancholisch für ein aktuelles Publikum. Peter Hoch