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Tele Novella

Tele Novella

Merlynn Belle

Alles an Tele Novella ist retro. Sie lieben alte Aufnahme-Geräte und drehen Musik-Videos auf Super-8-Film. Sie tragen Klamotten, mit denen sie bei einer Zeitreise in die Sechziger kaum auffallen würden. Und natürlich lebten viele ihrer musikalischen Vorbilder wie die Byrds oder die Beach Boys vor einem reichlichen halben Jahrhundert. Auf ihrem überragenden Debüt »House of Souls« begeisterten sie 2016 mit … weiterlesen

Karl die Große

Karl die Große

Was wenn keiner lacht

Der Name des Albums deutet darauf hin, dass sie wussten, was sie taten: »Was wenn keiner lacht« ist in Teilen ein selbstbewusstes Experiment, und als solches kann es per Definition schiefgehen. Beim Eröffnungstrack »Das dicke Mädchen hat es den Berg hochgeschafft« etwa geht die Rechnung auf: Die ganze erste Minute fragt man sich, ob die karg verzerrte E-Gitarre und das … weiterlesen

Gossenboss mit Zett

Gossenboss mit Zett

No Future

Gossenboss mit Zett, die maskierte Faust des Dresdner Lumpenproletariats, ist mittlerweile über 30, Vater und wagt sich inzwischen auch ohne Sturmhaube vor Kameras. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Was er mag: Sternburg trinken und Rapper beleidigen. Was er nicht mag (unter anderem): die Schufa, braune Trottel, andere Rapper. Im Grunde genommen ist es auch ziemlich egal, ob man ein … weiterlesen

Ensemble Polyharmonique

Ensemble Polyharmonique

Schütz: Geistliche Chor-Music

Es ist eine Sternstunde der hiesigen Musikgeschichte: Als 1648 der 30-jährige Krieg endlich vorbei ist, veröffentlicht der Dresdner Kapellmeister Heinrich Schütz eine Sammlung, wie es sie noch nie zuvor gab. Doch die Motetten widmet der berühmteste deutsche Komponist seiner Zeit nicht etwa den Sängern am Hof, sondern dem Thomanerchor, der unter Krieg und Pest gelitten hat wie kaum ein anderes … weiterlesen

Gregor Meyer

Gregor Meyer

Adolph Bernhard Marx: Mose

Tragischer geht es kaum: Jahrelang hatte Adolph Bernhard Marx den 14 Jahre jüngeren Mendelssohn vergöttert. Ohne Marx’ publizistische Hilfe wäre die Aufführung von Bachs Matthäuspassion 1829 kein Erfolg geworden. Elf Jahre später besucht der Musikschriftsteller den Gewandhauskapellmeister in Leipzig und legt ihm seinen »Mose« vor. Doch Mendelssohn verkündet nach knapper Durchsicht nur, das Werk sei misslungen. Nach Berlin zurückgekehrt, wirft … weiterlesen

Dagobert

Dagobert

Jäger

Wem es gerade verstärkt auf den Senkel geht, dass einen alles von allen Seiten ankotzt und sich das aufsteigende Grauen über die Weltlage zum Morgenritual gemausert hat, dem empfehlen wir Punk der Marke Pisse oder Cotzraiz, oder – für verständlicherweise zarter Besaitete – eben diese Platte. Der Schweizer und Wahlberliner Dagobert nannte in der Vergangenheit unter anderen Leonard Cohen und … weiterlesen

Masha Qrella

Masha Qrella

Woanders

Die Künstlerin Masha Qrella ist Anfang des Jahrtausends einem Berliner Ursumpf aus Post-Rock und Techno entstiegen und hat sich seitdem genretechnisch nicht beschränkt, eher im Gegenteil, wie jüngst »Woanders« beweist. Es ist ein im besten, gekonnten Sinne entgrenztes Album: Wie auf einer Houseparty, die fantastisch wird, gerade weil die auflegende Person vielleicht schon drei Gin Tonic vorne liegt, hat Qrella … weiterlesen

Die Zucht

Die Zucht

Heimatlied

Im Orwell-Jahr 1984 schaffte Leipzig den Sprung vom Punk zum Post Punk. Während sich Pffft…! um Ex-Wutanfall-Sänger Chaos dem Industrial näherten und HerT.Z DAF-Bezüge pflegten, widmeten sich Die Zucht jener Verdunklungswelle, die durch Szenen dies- wie jenseits des Eisernen Vorhangs rollte, seit Peter Hook erste Basslinien für Joy Division zupfte. Apokalyptische Endzeit-Musik im vom Kalten Krieg fröstelnden Europa, deren tanzbare … weiterlesen

Coucou

Coucou

Girl

Mit ihrer Besetzung aus einer Gitarristin und zwei Musikerinnen an Akustikinstrumenten, Stimmen, Percussion und Gadgets haben Coucou ihre Musik schon immer im Rahmen von selbst auferlegten Beschränkungen gemacht. In Form der »Girl«-EP haben sie sich der Herausforderung gestellt, diesen minimalen, intimen, mit Motiven von Folkmusik spielenden Soundraum zu erweitern und groß zu machen, ohne dabei eben diese Intimität über den … weiterlesen

Wayne Graham

Wayne Graham

1% Juice

Hinter Wayne Graham stecken Hayden und Kenny Miles. Nach wie vor produzieren die Brüder ihre Platten im Keller des Elternhauses in einer Kleinstadt in Kentucky. Und nicht nur diese Tatsache weist auf die immense Bedeutung von Familie für das Duo hin. Ihre beiden Großväter waren namensgebend für Wayne Graham. In der Kirche ihres Vaters musizierten die Künstler schon in jungen … weiterlesen