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Johannes V. Jensen: Himmerlands-geschichten

Johannes V. Jensen: Himmerlands-geschichten —

Wer die Himmerlandsgeschichten von Johannes V. Jensen liest, hat beinahe das Gefühl, er lauscht einem Erzähler alter Mythen und Sagen. So fern und längst vergangen scheint die bäuerliche Welt im Norden Jütlands, die er beschreibt. Jensen, der 1873 im Dorf Farsø im Himmerland geboren wurde und 1944 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat miterlebt, wie die Industrialisierung die Menschen in … weiterlesen

George Eliot: Middlemarch

George Eliot: Middlemarch —

George Eliot (1819–80) gilt als eine der bedeutendsten englischen Autorinnen des späten 19.   Jahrhunderts. »Middlemarch« zeigt den Übergang vom viktorianischen Roman zum Modernismus: Die Psyche rückt mehr in den Mittelpunkt des Erzählens. Zerstörte Illusionen und unglückliche Ehen stellen Herausforderungen für alle Beteiligten dar, sowohl im englischen Landadel als auch in der städtischen Bevölkerung, ob Grundbesitzer, Pächter, Bürger oder Lohnarbeiter. Virginia … weiterlesen

PMS: Postmigrantische Störung

PMS: Postmigrantische Störung —

Sachsen hat ein Kartoffelproblem, auch, was den Literaturbetrieb betrifft. Die mangelnde Diversität ist ein Vorwurf, den sich ebenfalls das Deutsche Literaturinstitut Leipzig gefallen lassen musste, aus dessen Reihen aber auch eine Autorin kommt, die mit dem Projekt »PMS – Postmigrantische Störung« die Vielfalt der Leipziger Literaturszene mit einer kleinen feinen Anthologie erhöht hat. Begonnen hat alles damit, dass Kaśka Bryła … weiterlesen

Kathrin Jira und Jörg Schieke (Hg.): Doppelte Lebensführung

Kathrin Jira und Jörg Schieke (Hg.): Doppelte Lebensführung —

Was hat ein Dorf bei Hoyerswerda mit einem bei Plauen oder mit einem zwischen Leipzig und Bad Düben gemeinsam? Wahrscheinlich bleibt da nicht viel, was nicht auch auf andere Dörfer in der Bundesrepublik zutrifft, gemeinsam ist den dreien ja nicht einmal der Dialekt. Was sächsische Autoren beschäftigt, dürfte sich in ähnlicher Weise einem gemeinsamen Nenner entziehen, wofür der Band »Doppelte … weiterlesen

Katharina Hacker: Darf ich dir das Sie anbieten?

Katharina Hacker: Darf ich dir das Sie anbieten? —

Nicht oft kommen Buchtitel so charmant-provokativ daher wie der von Katharina Hacker: »Darf ich dir das Sie anbieten?« In Kürzestform huldigt die Autorin hier der inneren Entfernung zwischen einander eigentlich vertrauten Menschen, wundert sich über die Meinungsbesessenheit unserer Zeit und preist das stilvoll Inszenierte als Gegenstück zur »authentischen« Jogginghose.  Hackers Formulierungen sind nicht gefällig, doch dadurch, dass man sich mit ihnen … weiterlesen

Lisel Mueller: Brief vom Ende der Welt

Lisel Mueller: Brief vom Ende der Welt —

Lisel Mueller schreibt Gedichte voller Leben. Ihr Interesse am Zusammenspiel von Sprache und Erinnerung prägt ihre Lyrik. Darin kehrt sie immer wieder zurück zu persönlichen Erlebnissen aus ihrer Geschichte, erprobt die fließenden Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben und bedient sich der metaphorischen Ergründung von Lebensprivilegien. Soweit auch die Themen in der hier von Andreas Nohl zusammengetragenen und übersetzten zweisprachigen … weiterlesen

Michael Roes: Herida Duro

Michael Roes: Herida Duro —

Drei Erzählstränge bilden in »Herida Duro« drei Geschichten von unterschiedlicher Präsenz: In der einen wächst Herida Duro in einem albanischen Bergdorf auf, geht, als die Diktatur Enver Hoxhas beginnt, nach Tirana und schafft es schließlich, sich nach Rom abzusetzen  – als Tochter sohnlos gebliebener Eltern nennt sie sich dort Marijan und lebt, der Tradition folgend, in der sie erzogen wurde, … weiterlesen

Mojca Kumerdej: Chronos erntet

Mojca Kumerdej: Chronos erntet —

Die Samenkörner der Aufklärung beginnen zu keimen, doch noch immer herrschen Aberglaube und Unwissen in Europa im späten 16. Jahrhundert. Mojca Kumerdej vertieft sich in die Geschehnisse der Dorfgemeinschaften und Städte und folgt verschiedenen Protagonisten: einem jungen Mädchen, das schwanger wird und sich gegen den Zorn seines Vaters behaupten muss; einem verträumten Stadtschreiber, der sich im Philosophieren verliert; einem Bischof … weiterlesen

Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links

Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links —

Was ist eigentlich Heimat? In Helena Adlers Debütroman scheint die Antwort ganz klar: Heimat ist ein Ort, irgendwo zwischen Märchen und Albtraum, den es auszuradieren gilt. Ein paradoxer Ort auf der oberösterreichischen Alm, der gleichzeitig ein Gefühl von Geborgenheit und Angststörung hervorruft. Die titelgebende Infantin erlebt ihr Umfeld als eine Mischung aus Märchen- und Horrorwesen: Der Vater ist ein esoterischer, … weiterlesen

Maren Kames: Luna Luna

Maren Kames: Luna Luna —

In die seidig glänzende Nacht einsteigen: Der Mond die Diskokugel, Fetzen von Musik dringen ans Ohr, die Sterne funkeln wie Glitter – eine lyrische Erzählung beginnt; »das wird super«. Die Dichterin Maren Kames hat auf mehr als einhundert schwarzen Seiten einen Monolog in die Dunkelheit entlassen und liefert dazu gleich noch ein selbst zusammengestelltes Mixtape, dessen Songtexte frei assoziierend weiterentwickelt und verfremdet … weiterlesen