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Marianne Eppelt (Hg.): Leipzig zum Verweilen

Marianne Eppelt (Hg.): Leipzig zum Verweilen —

Wer sollte ahnen, dass »Leipzig zum Verweilen« mal ziemlich zynisch klingen könnte. Und doch ist es gerade in diesen Tagen ganz schön, in diesem kleinen, für Reclam-Verhältnisse wiederum großen Buch zu blättern: 15 Leipziger Orte lassen uns mit jeweils einem lexikonartigen und einem literarischen Text(auszug) in Erinnerungen schwelgen. Hach, der Hauptbahnhof! Das Völkerschlachtdenkmal! Die Polizeidirektion! Und der Cossi! Was war … weiterlesen

Herbert Naumann: Todesmarsch 1945 Leipzig – Fojtovice

Herbert Naumann: Todesmarsch 1945 Leipzig – Fojtovice —

Steht man heute in der Wodanstraße 40 in Leipzig-Heiterblick, dann sieht man nicht viel mehr als eine schmale Straße, gesäumt von einem jungen Birkenwäldchen. Die Straße endet auf dem ehemaligen Gelände Erla-Maschinenwerke. Heute ist die Industriebrache, auf der während des Zweiten Weltkrieges Flugzeuge hergestellt wurden, nicht viel mehr als der unscheinbare Schauplatz eines wenig bekannten Verbrechens: Zum Werk gehörte das … weiterlesen

Uwe Tellkamp: Das Atelier

Uwe Tellkamp: Das Atelier —

Bei der öffentlichen Wahrnehmung eines Buches kommt es ja nicht bloß darauf an, was einer schreibt, sondern wer schreibt und in welchem Zusammenhang. Wenn Uwe Tellkamp einen Essay in einer Reihe veröffentlicht, die »Exil« heißt und im Verlag des »Buchhaus Loschwitz« erscheint, (der, wie Der Freitag schreibt, »gute[n] Stube des rechtsintellektuellen Pegida-Umfeldes«), ist das zwar keine Überraschung, aber allemal eine … weiterlesen

Bildungslücke: Folge 35 – Herbert Otto: Der Traum vom Elch (1983)

Bildungslücke: Folge 35 – Herbert Otto: Der Traum vom Elch (1983) —

Anna wartet. Fast die ganze Zeit. Wartet auf den »Elch«: einen Geliebten, von dem sie kaum mehr weiß, als dass er zwei Mal im Jahr vorbeikommt. Er hinterlässt dann einen Zettel an ihrer Haustür, auf dem so was steht wie »Sei, wenn Du kannst, morgen, Donnerstag, 15 Uhr in Freiberg. In Sachsen das. Bahnhofsgaststätte.« Und Anna lässt alles stehen und … weiterlesen

Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu berühren

Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu berühren —

Etwas haarspalterisch scheint einem der Bestsellerautor (»Acht Berge«) und leidenschaftliche Wanderer Paolo Cognetti ja schon: Der Mann, der auf Tausenden Höhenmetern unterwegs ist, behauptet in seinem neuen Buch immerzu, kein Bergsteiger zu sein. Das liegt natürlich daran, dass des klassischen Bergsteigers Ziel der Gipfel eines Berges ist. Diese kolonial anmutende Bezwingung des Berggipfels ist ein Phänomen – wer hätte das … weiterlesen

Gabriele Tergit: Effingers

Gabriele Tergit: Effingers —

Es gibt Bücher, die schiebt man als Rezensent vor sich her. Man ahnt, sie sind gut. Aber: 900 Seiten! Beflügelt vom nahenden Redaktionsschluss macht man sich an die Lektüre von Gabriele Tergits epischem Familienroman »Effingers« – und wird sofort reingezogen. Hin zu den sehr unterschiedlichen, von Tergit lebendig gezeichneten Charakteren. Rein in die verschiedenen Milieus, die sie so leichthändig entwirft: … weiterlesen

Dagny Juel: Flügel in Flammen

Dagny Juel: Flügel in Flammen —

Zum ersten Mal erschien das Gesamtwerk der norwegischen Fin de Siècle-Persönlichkeit Dagny Juel 2019 auf Deutsch. Lars Brandt fügte seiner Übersetzung den Essay »Kein Puppenheim« hinzu, mit dem er den Band um facettenreiche und aufwendig recherchierte Angaben zu Juels Leben und dem Entstehungshintergrund ihres Werks vervollständigt. Juels gutbürgerliche, südnorwegische Mittelklasse-Herkunft mag nicht so richtig mit ihrer Hochzeit mit dem polnischen … weiterlesen

Dilek Güngör: Ich bin Özlem

Dilek Güngör: Ich bin Özlem —

Özlem lebt in Berlin, arbeitet als Lehrerin für Fremdsprachen, hat einen Mann und ein Kind. So weit, so gewöhnlich. Doch obwohl Özlem sich große Mühe gibt, möglichst normal zu sein, erlebt sie immer wieder Ausgrenzung. Immer wieder geben ihr Fremde und Bekannte das Gefühl, nicht dazuzugehören. Özlem hasst den Ausdruck vom »Leben zwischen zwei Kulturen«. Und dennoch wird sie gezwungen, … weiterlesen

Bildungslücke: Folge 34 – Erhard Kaps: »Gefangen, inhaftiert, befreit« (1999)

Bildungslücke: Folge 34 – Erhard Kaps: »Gefangen, inhaftiert, befreit« (1999) —

Wenn sich das Leben allmählich dem Ende zuneigt, greifen viele ältere Menschen zum Stift, zum Laptop oder zur Ghostwriterin. So viel ist schließlich in all den Jahrzehnten erlebt, gefühlt, gedacht worden, und man selbst war die ganze Zeit dabei! Wer schreibt, der bleibt – zumindest ein bisschen. So hat auch der Leipziger Unternehmer Erhard Kaps (1915–2007) nach seinem achtzigsten Geburtstag seine … weiterlesen

Ghodsee, Kristen R.: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben

Ghodsee, Kristen R.: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben —

Wenn schon Die Zeit freidreht und unter dem Titel »Geht’s noch?« (51/2019) die etwas nach links rückende SPD abstraft, ist klar, dass die Sozialismuspanik auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen hat. Kristen R. Ghodsee, Osteuropaexpertin, Mauerfall-Zeitzeugin und gelegentliche Kolumnistin, reagierte auf populistische Sozialismusschelte in den USA im August 2017 mit einem Gastkommentar in der New York Times. Darin erklärte sie, … weiterlesen